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Facebook-Community rebelliert gegen neues Feature

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Mehrere hunderttausend Nutzer der US-amerikanischen College-Community Facebook rebellieren gegen ein am Dienstag dieser Woche eingeführtes neues Feature. Die neuen "News-Feeds" informieren Facebook-Mitglieder automatisch über Änderungen in den Profilen ihrer Freunde. Jede Bewegung auf dem Portal erhält einen Zeitstempel und wird anderen Mitgliedern mitgeteilt. Auf dem Portal sind überwiegend amerikanische Collegestudenten über virtuelle Freundeskreise online miteinander vernetzt. Bisher konnten sich die Mitglieder nur aktiv über Änderungen in den Profilen befreundeter Nutzer informieren. Mit den neuen Features, so die Gegner, werde das Stalking anderer Mitglieder zu leicht gemacht.

Innerhalb eines Tages haben sich in der Community mehrere Gruppen gebildet, die vehement gegen die neuen Dienste vorgehen. Insgesamt sollen 500.000 der etwa 9,5 Millionen Facebook-Nutzer auf den Barrikaden sein. Sie sehen durch die News-Feeds die auf Portalen dieser Art ohnehin weit gesteckte Grenze ihrer Privatsphäre überschritten. Sie sind zwar gewohnt, innerhalb der Community ein öffentliches Leben zu führen, konnten aber bisher selbst darüber bestimmen, welche Informationen sie mit Freunden oder Fremden teilen möchten. Mit dem News-Feed, der sich nicht deaktivieren lässt, werde ihnen diese Möglichkeit der Kontrolle genommen, argumentieren die Gegner. Das ist den verärgerten Nutzern zu viel, sie haben unter dem Motto "A Day Without Facebook" für den 12. September zu einem allgemeinen Boykott des Portals aufgerufen.

Die Kritiker haben US-Medienberichten zufolge enormen Zulauf. Nachdem ein Student der Northwestern University am Mittwochmorgen die Gruppe "Studenten gegen Facebook News Feeds" gegründet und seine Freunde eingeladen hatte, zählte die Gruppe nach ein paar Stunden bereits 13.000 Mitglieder. Einen Tag später hatten sich über 284.000 Facebook-Nutzer der Gruppe angeschlossen. Zahlreiche Mitglieder unterstützen zudem eine Petition, nach der Facebook den News Feed anpassen oder abschaffen soll.

Die Facebook-Macher hätten sich sicher einen anderen Beweis dafür gewünscht, wie effektiv so ein Social Network mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln sein kann. Noch steht Facebook zu den neuen Features. "Beruhigt euch. Atmet. Wir hören euch", überschreibt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg eine Stellungnahme im offiziellen Blog der Community-Betreiber. Er bedauert, das nicht alle Facebooker sofort zu Fans des neuen Features geworden sind, und zeigt sich offen für Vorschläge. "Wir sind uns einig, Stalking ist nicht cool", erklärt Zuckerberg und hebt gleichzeitig die Vorzüge der neuen Dienste hervor: Man verpasse keine Party mehr und sehe das neue Fotoalbum eines Freundes, sobald es angelegt werde. Die Privatsphäre sei auch mit den News-Feeds so sicher wie vorher.

Für Netzwerke wie Facebook haben der richtige Umgang mit den Bedürfnissen seiner Mitglieder nach Privatsphäre und der Schutz vor Missbrauch essenzielle Bedeutung. Zu leicht werden die offenherzig zur Verfügung gestellten Informationen von weniger wohlmeinenden Mitgliedern ausgenutzt. Fälle von Stalking bei Facebook oder sexueller Belästigung bei MySpace bedrohen das Geschäftsmodell der Unternehmen. Denn längst sind diese großen Netzwerke attraktive Werbeumfelder, bei Facebook hat jüngst Microsoft die Vermarktung übernommen. Zuckerberg sollte seiner Community also Gehör schenken. (vbr)