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Facebook-Datenskandal: Deutsche wohl doch nicht betroffen

Von dem Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica sollen nun offenbar doch keine deutschen Nutzer betroffen gewesen sein. Zuvor hatte Facebook mit 310.000 Betroffenen in Deutschland gerechnet.

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Zuckerberg

(Bild: dpa, Marcio Jose Sanchez, AP)

Der Facebook-Datenskandal um die Analysefirma Cambridge Analytica soll nun doch keine europäischen Nutzer betroffen haben. Das erklärte Facebook überraschend in einem ausführlichen Statement, das der Befragung von Mark Zuckerberg vor dem Europaparlament folgte. Der Cambridge-Professor Aleksandr Kogan habe lediglich Informationen zu US-Nutzern an Analytica Cambridge weitergegeben, erklärte Facebook darin. Bei dem Deal sei es ausschließlich um Mitglieder aus den USA gegangen. Facebook habe bislang keine Beweise gefunden, dass Kogan auch die Daten europäischer Nutzer weitergegeben hat. Letzte Zweifel soll eine forensische Untersuchung der Computersysteme von Cambridge Analytica beseitigen.

Zuvor hatte es geheißen, dass womöglich bis zu 310.000 Nutzer aus Deutschland und mehrere Millionen Nutzer aus Europa von der Datenweitergabe betroffen sein könnten. Die Berechnungen von Facebook selbst basierten auf der Zahl der Nutzer, deren Informationen Kogan über eine Psycho-Quiz-App gesammelt hatte. Insgesamt sollen rund 87 Millionen Facebook-Mitglieder betroffen sein. Facebook betonte abermals, dass aber keine Bank- und Kreditkarten-Daten weitergegeben wurden. Die Nutzer hatten der App erlaubt, ihre öffentlichen Informationen abzugreifen – allerdings bediente die App sich dann auch bei den Profilen der befreundeten Facebook-Nutzer. Die Nutzer verrieten dadurch etwa ihre "Gefällt-mir"-Angaben, ihre Freundesliste sowie ihren Geburtstag.

Facebook hatte die Antworten auf insgesamt 18 Fragen nach Mark Zuckerbergs Treffen mit Vertretern des Europaparlaments veröffentlicht. Kritiker hatten bemängelt, dass der Facebook-Chef ausweichend und unzureichend geantwortet habe. Zuckerberg hatte sich nur 20 Minuten Zeit genommen, um ausgesuchte Fragen zu beantworten. Dabei beschränkte er sich jedoch eher auf allgemeine Aussagen, die längst bekannt waren.

In den nun nachgereichten Antworten erklärt Facebook auch, dass es Daten von WhatsApp nutzt, um den Dienst vor Missbrauch sowie vor "schlechten Akteuren" zu schützen und den Service am Laufen zu halten. Account-Daten werden zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht ausgetauscht, um etwa Werbung zu personalisieren. Sollte sich das in Zukunft ändern, würde Facebook den Datenaustausch DSGVO-konform gestalten.

Facebook konnte nicht versprechen, dass alle gefälschten Profile aus dem Netzwerk verschwinden, wenngleich jeden Tag Millionen von ihnen geblockt würden. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden 583 Millionen Fake-Accounts gelöscht. Facebook erklärte außerdem, dass es keine Profile aus Daten von Nicht-Mitgliedern erzeugt. Nutzer ohne Facebook-Konto sehen deshalb auch keine personenbezogene Werbung. "Wir machen deutlich, welche Informationen Facebook sammelt – unabhängig davon, ob Sie unseren Service nutzen oder nicht." (dbe)

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