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Facebook: Kindesmisshandlung kann stehen bleiben – Holocaustleugnung auch

Ein britischer Reporter hat die obskuren Löschregeln von Facebook beleuchtet. Unterdessen legt Mark Zuckerberg bei Holocaustleugnung die Hand in den Schoß.

Facebook: Kindesmisshandlung bleibt stehen, Holocaustleugnung auch

(Bild: TheDigitalArtist)

Kontrolleure auf Facebook werden angehalten, extreme und gewalthaltige Inhalte auf der Seite zu belassen, weil die Nutzer anziehen und Werbeeinnahmen generieren. Das hat ein Investigativreporter des britischen Channel 4 herausgefunden, der in Dublin bei dem externen Auftragnehmer Cpl Resources gearbeitet hat. Für das Magazin Dispatches hat er dort den Kurs für angehende Inhaltsmoderatoren mitgemacht und dann selbst als ein solcher gearbeitet. So konnte er einmal mehr den fragwürdigen Umgang Facebooks mit bestimmten Inhalten auf der eigenen Plattform beleuchten.

Schon mehrmals waren interne Löschregeln von Facebook öffentlich geworden und kritisiert worden. Nun hat der ungenannte Reporter erlebt, wie ein Trainer den angehenden Moderatoren ein Video zeigt, in dem ein Mann ein Kleinkind schlägt und tritt. Das solle auf der Plattform bleiben und lediglich als "verstörend" markiert werden. Nur wenn der zugehörige Text das Gezeigte anpreist, werde das Video gelöscht. Das Video war demnach jahrelang auf Facebook einzusehen. Erst nach dem Bericht habe ein Facebook-Sprecher eingestanden, dass man es hätte löschen müssen.

In Bezug auf den Umgang mit Hass auf der Plattform heißt es bei Facebook, dass Einträge untersagt sind, die sich in abwertend rassistischer Weise gegen "geschützte ethnische oder religiöse Gruppen" richten. Wenn sich die Einträge aber abwertend rassistisch gegen Einwanderer aus solch einer Gruppe richten, blieben sie stehen. Wenn jemand also auf Facebook gegen "stinkende Muslime" hetzt, wird der Eintrag gelöscht, wenn er gegen "stinkende muslimische Einwanderer" hetzt, dann nicht.

Auf einem Trainingsbild ist auf einem Cartoon ein kleines Mädchen dargestellt, das offenbar von der Mutter im Waschbecken ertränkt wird – "weil sie sich in einen Jungen schwarzer Hautfarbe verguckt hat", wie es darunter heißt. Das sollte stehenbleiben, lernte der Reporter, "weil sich die Gewalt nicht gegen den Jungen richtet" und weil es ein paar mentale Sprünge bis zum Hass benötige. Inzwischen hat Facebook aber auch bei diesem Beispiel eingestanden, dass es gelöscht gehört und der Fall geprüft werde.

Außerdem hat der Reporter erlebt, wie sehr die Moderatoren mit der Inhaltskontrolle hinterher hinken. Mehrere Tausend gemeldete Inhalte könnten jeden Tag nicht geprüft werden. Weiterhin hat er erfahren, dass Moderatoren nicht von sich aus tätig werden sollen, wenn sie auf Nutzer stoßen, die offensichtlich noch nicht 13 Jahre alt sind und damit eigentlich keinen Account haben dürften. Erst wenn Nutzer eingestehen, dass sie unter 13 sind, würden ihre Konten gesperrt, bestätigte Facebook.

Schließlich heißt es bei Facebook auch, dass eine Facebook-Seite gelöscht werden müsse, wenn fünf oder mehr dort verbreitete Inhalte die Regeln verletzen. Die beliebtesten Seiten können von den externen Moderatoren aber nicht entfernt werden. Stattdessen müssen diese Fälle direkt an Facebook weitergeleitet werden. Davon profitieren demnach Seiten von rechtsextremen Organisationen in Großbritannien, die weiterhin abrufbar sind. Einer der Kontrolleure hat dem Reporter erzählt, dass diese nicht gelöscht werden, weil sie viele Follower haben und sich für Facebook finanziell lohnen. Dem hat das Netzwerk aber widersprochen, in solchen Fällen gehe es nicht ums Geld.

In diesem Zusammenhang hat nun Facebook-Gründer Mark Zuckerberg selbst für Aufsehen gesorgt und viel Kritik auf sich gezogen. In einem Interview des US-Technikblogs Recode hatte Zuckerberg gesagt, er selbst sei Jude und es gebe eine Reihe von Menschen, die den Völkermord an den Juden im Zweiten Weltkrieg bestritten. Das finde er sehr beleidigend. "Aber am Ende glaube ich nicht, dass unsere Plattform das herunternehmen sollte, weil ich denke, dass es Dinge gibt, bei denen verschiedene Menschen falsch liegen. Ich denke nicht, dass sie absichtlich falsch liegen."

Diese Äußerung hat nun nicht zuletzt das einflussreiche Simon Wiesenthal Center, das sich mit dem Holocaust auseinandersetzt, zurückgewiesen. "Mark Zuckerberg hat Unrecht", sagt Rabbi Abraham Cooper, führendes Mitglied des Zentrums, das mit der weltweiten Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern bekannt geworden ist. "Holocaust-Leugung ist klassische 'Fake News'", sagte Cooper. Der Holocaust sei "das am gründlichsten dokumentierte Verbrechen der Geschichte". Eine Leugnung dieses Verbrechens, die auf einer Lüge basiere, könne nicht im Namen der Meinungsfreiheit gerechtfertigt werden.

[Update 19.07.2018 – 16:55 Uhr] Da die Leugnung des Holocaust in Deutschland strafbar ist, werden solche Beiträge hierzulande auch auf Facebook entfernt.

Siehe dazu auch:

(mho)
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