Facebook: Vietnam erzwingt Zensurverschärfung mit Serverblockade

Geht es darum, Inhalte auf staatliche Anweisung hin zu löschen, wehrt sich Facebook normalerweise entschieden. In Vietnam muss der Konzern aber klein beigeben.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 12 Beiträge
Facebook: Vietnam erzwingt mit Serverblocke Zensurverschärfung

(Bild: Lloyd Carr/Shutterstock.com)

Von
  • Martin Holland

Nachdem staatliche Provider in Vietnam den Traffic zu Facebook wochenlang gedrosselt haben, hat sich das soziale Netzwerk bereit erklärt, die Zensur "staatsfeindlicher" Inhalte in dem Land deutlich zu verschärfen. Das berichtet Reuters unter Berufung auf zwei Quellen aus dem US-Konzern.

Wie die Nachrichtenagentur ausführt, klemmten die Provider lokale Server von Facebook in dem Land sieben Wochen lang ab, sodass Facebook teilweise nicht mehr zu benutzen war. Und das in einer Zeit, in der der Traffic aufgrund der Coronakrise anderswo deutlich zugenommen habe. Der Konzern hat die Zensurverschärfung gegenüber Reuters bestätigt.

Vietnam ist ein Einparteienstaat, in dem die Kommunistische Partei herrscht und die Rechte der Presse massiv eingeschränkt sind. Auf der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen etwa erreicht das Land lediglich Platz 175 von 180. Trotz einer gewissen gesellschaftlichen Öffnung wird dort weiter scharf gegen Regierungskritik vorgegangen.

Laut Reuters wurde Facebook zuletzt vorgeworfen, gegen ein neues Gesetz zu verstoßen, weil Nutzer regierungskritische Inhalte einstellen dürften. Für das Veröffentlichen solcher Inhalte seien 2019 mehr als 20 Menschen verhaftet worden. Soziale Netze würden verpflichtet, lokale Büros einzurichten und Daten in dem Land zu speichern – Nutzerdaten seien laut Facebook aber nicht betroffen.

Wie die Quellen gegenüber Reuters nun versicherten, wehre sich der Konzern normalerweise dagegen, bestimmte Inhalte in nur einem Land zu sperren. Aber der Druck durch die Behinderung der lokalen Server sei zu groß gewesen. Man werde zwar trotzdem nicht ausnahmslos allen Löschaufforderungen in dem Land Folge leisten, aber "signifikant mehr Inhalte" sperren. Facebook selbst versicherte noch, diesen Weg zu gehen, "um sicherzustellen, dass unser Angebot für die Millionen Menschen in Vietnam verfügbar bleibt, die darauf angewiesen sind".

Lesen Sie dazu auch

Vietnam ist für das Netzwerk einer der wichtigsten Märkte in Asien, erklärt Reuters. Für Onlinewerbung würden dort Hunderte Millionen US-Dollar ausgegeben, die größtenteils an Facebook und Google gehen. Die Schwierigkeiten beim Seitenzugriff seien Mitte Februar rasch bemerkt worden und staatliche Medien hätten von Wartungsarbeiten an Unterseekabeln gesprochen, Provider sich entschuldigt. Hinter den Kulissen habe Facebook aber mit der Regierung verhandelt. Als der Konzern schließlich der Zensurverschärfung zustimmte, seien die Server wieder online gegangen. (mho)