Facebook baut Rechenzentrum am Polarkreis

Im nordschwedischen Luleå errichtet der Betreiber des Social Network drei Serverhallen mit einer Fläche von zusammen 28.000 Quadratmetern.

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Von
  • Andreas Wilkens

Der Betreiber des Social Network Facebook baut sein erstes europäisches Datenzentrum knapp unter dem Polarkreis, damit die Server leichter und stromsparend gekühlt werden können. Wie Facebook zusammen mit Behördenvertretern am Donnerstag im nordschwedischen Luleå ankündigte, soll dort ab sofort das weltweit dritte Zentrum für den Datenverkehr von 800 Millionen Facebook-Nutzern gebaut werden.

Matz Engman (Lulea Enterprise, li.) und Tom Furlong

(Bild: lulea.se)

Errichtet werden sollen drei Serverhallen mit einer Fläche von zusammen 28.000 Quadratmetern. Die erste soll in einem Jahr, die letzte 2014 betriebsfertig sein. Die Investitionssumme wurde zunächst nicht genannt. Das Rechenzentrum werde nach Fertigstellung das größte seiner Art in Europa sein, heißt es in der Mitteilung.

Facebook-Vertreter Tom Furlong meinte zur Projektvorstellung, neben den klimatischen Bedingungen sei die Entscheidung für Luleå auch deshalb gefallen, weil der hohe Strombedarf hier ausschließlich mit Wasserkraft gedeckt werden könne. Die kleine schwedische Küstenstadt am Bottnischen Meerbusen mit gut 45.000 Einwohnern hat ein ähnliches Klima wie Fairbanks, die Hauptstadt des US-Bundesstaates Alaska. Durch den dort seit langer Zeit betriebenen Bergbau und die Stahlerzeugung gebe es dort eine gut ausgebaute Infrastruktur, teilte Facebook mit.

Cloud Computing und andere Internet-Dienstleistungen laufen in teils gigantischen Rechenzentren, die Unmengen von Strom schlucken – nicht nur für die eigentlichen Server, Storage- und Netzwerkgeräte, sondern auch für die Kühlung. Im September nahm Google sein neues Rechenzentrum im finnischen Hamina in Betrieb. Durch den Fels unter dem Werk führt ein Tunnel, durch den Kühlwasser aus dem nahegelegenen Finnischen Meerbusen gepumpt wird. Das nutzt Google, um Wärmetauscher für das Rechenzentrum zu speisen. In St. Ghislain nahe dem belgischen Mons betreibt Google seit rund zwei Jahren ein Rechenzentrum, das völlig ohne Kältemaschinen auskommt. Durch die Verdampfung und das Verrieseln von vorgereinigtem Wasser aus einem Industriekanal wird dort die warme Luft der Server gekühlt.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte im April dieses Jahres kritisiert, dass große Rechenzentren von Google, Facebook und Apple bisher vor allem in Gegenden zu finden seien, in denen günstiger, vor allem mit Kohle erzeugter Strom erhältlich sei. Kurz vorher hatte Facebook aber bereits Spezifikationen für effiziente Rechenzentren veröffentlicht. (mit Material von dpa) / (anw)