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Facebook bezahlt Medienhäuser für Nachrichteninhalte

Facebook soll für journalistische Inhalte zahlen, forderte Großverleger Rupert Murdoch. Nun geschieht genau das: In den USA startet eine neue News-Rubrik.

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(Bild: Lloyd Carr/Shutterstock.com)

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Facebook startet zunächst in den USA eine neue Rubrik für Nachrichten. Nutzer können dort Schlagzeilen sowie ausgesuchte Meldungen lesen. Die Besonderheit: Die Medienhäuser bekommen von Facebook Geld für ihre Inhalte. Millionen US-Dollar sollen dafür gezahlt werden, dass etwa der Verlag News Corp. seine News auf Facebook zur Verfügung stellt. Zuvor hatte der Zeitungs-Magnat Rupert Murdoch, Gründer von News Corp., Facebook und andere Plattformen dafür kritisiert, dass sie für die journalistischen Inhalte nichts zahlen. Das solle sich ändern, forderte Murdoch – mit Erfolg.

Im April dieses Jahres hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg in einem Gespräch mit Springer-Chef Mathias Döpfner angekündigt, dass das soziale Netzwerk "hochwertige und vertrauenswürdige News" hervorheben werde. Auch Lizenzzahlungen an teilnehmende Medienunternehmen seien denkbar. Zuvor hatte sich Zuckerberg klar gegen ein solches Modell ausgesprochen: Er habe kein Interesse daran, Verlage für ihre Storys zu bezahlen. "Die Leute kommen nicht zu Facebook, weil sie Nachrichten konsumieren wollen, sondern um mit Freunden zu kommunizieren", meinte Zuckerberg im Mai 2018.

Offenbar hat er seine Meinung dann aber geändert. Im Sommer 2019 berichtete das Wall Street Journal, dass Facebook mit großen US-Medienhäusern über eine mögliche Lizenzierung von Nachrichteninhalten verhandle und bis zu drei Millionen US-Dollar in Aussicht stelle. Diese Summe soll Facebook nun einigen Partnern für einen 3-Jahres-Deal zahlen. Andere bekommen kein Geld, dafür aber Traffic.

Die neue News-Rubrik startet am heutigen Freitag als "Alpha-Launch". Zunächst ist die Funktion aber nur für einige Hunderttausend US-Nutzer verfügbar. Es werden noch einige Monate vergehen, bis sich der Kreis erweitert, schreibt das Online-Magazin Recode. In der Facebook-App ist dann ein neues Icon in der Bedienleiste zu finden, gleich neben Zusatzrubriken wie dem Marktplatz. Die Nutzer sehen in der News-Rubrik die wichtigsten Schlagzeilen, die von Facebook-Redakteuren ausgesucht werden. Außerdem gibt es eine personalisierte Auswahl, die ein Algorithmus zusammenstellt und dabei die jeweiligen Vorlieben des Nutzers beachtet. Ein Klick auf eine Überschrift führt die Nutzer dann zur Website des jeweiligen Angebots. Die Artikel sollen komplett lesbar sein.

Die Beziehung zwischen Facebook und Medienhäusern hatte seine Höhen und Tiefen: Im Jahr 2015 startete Facebook die "Instant Articles". Sie sollten den Nutzern (wie AMP-Seiten) schneller Nachrichten liefern – innerhalb der Facebook-App. Strenge Regeln und Beschränkungen führten allerdings dazu, dass viele Medienhäuser die Funktion nicht mehr nutzten, um ihre Inhalte zu verbreiten. Ein großer Hit waren die "Instant Articles" nie. Ebenfalls 2015 entschied Facebook, dass Videos die Zukunft seien. Der Algorithmus bevorzugte daraufhin Bewegtbilder, was Nachrichtenanbieter dazu brachte, viel Geld in die Videoproduktion zu investieren. Die Abrufzahlen sahen zwar gut aus, waren aber fehlerhaft: Facebook musste im Herbst 2016 zugeben, zwei Jahre lang irreführende Video-Metriken an die Medienunternehmen und Werbepartner geliefert zu haben.

Vor einem Jahr erklärte Facebook dann, dass private Inhalte wieder wichtiger werden sollen. Familienfotos sollten also Vorrang vor News bekommen und die Nachrichtenströme der Nutzer dominieren. Nachrichtenseiten wie Slate.com verzeichneten daraufhin deutliche Traffic-Einbrüche. Weniger Klicks bedeuten auch weniger Einnahmen. Kurz gesagt: Anbieter von journalistischen Inhalten hatten es auf Facebook nicht einfach. Das soziale Netzwerk steuert dagegen an und investiert 300 Millionen US-Dollar in den Journalismus in den USA und international.

Zudem gab Facebook Anfang 2018 bekannt, lokale Nachrichten zu stärken und in den Newsfeed zu bevorzugen. Ein Jahr später offenbarte sich jedoch ein Problem: Es gibt in den USA nicht genügend Quellen für Lokalnachrichten. Das liegt auch am gravierenden Zeitungssterben in den USA: Rund 1800 Tageszeitungen mussten in den vergangenen 15 Jahren dichtmachen. (dbe)