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Facebook blähte seine Video-Statistiken auf

Werbetreibende dachten, dass Facebook-Videos boomen. Doch die Abrufzahlen waren überhöht. Nun stellt sich heraus: Das Ausmaß des Fehlers ist größer als gedacht.

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Mark Zuckerberg

(Bild: dpa, Peter Dasilva)

Mark Zuckerberg war 2016 vom Bewegtbild überzeugt: "Wir treten in dieses neue goldene Zeitalter des Videos ein", erklärte der Facebook-Chef in einem Interview. Ebenfalls 2016 musste Facebook dann jedoch einräumen, dass die Abrufstatistiken zu seinen Videos fehlerhaft waren: Die durchschnittliche Zeit, die Nutzer Videos auf Facebook schauten, sei wahrscheinlich um 60 bis 80 Prozent überschätzt worden, erklärte das Unternehmen einigen Werbetreibenden damals und entschuldigte sich für die überzogenen Zahlen. Sie hatten auch dazu geführt, dass Medienhäuser ihren Schwerpunkt auf Facebook-Videos setzten und Geld investierten, das dann an anderer Stelle fehlte.

Nun stellt sich heraus, dass Facebook den Fehler bereits ein Jahr früher entdeckt haben soll: Schon im Januar 2015 habe das Netzwerk von den überzogenen Statistiken gewusst – so der Vorwurf von Werbetreibenden, die gerichtlich gegen Facebook vorgehen. Eine Gruppe von ihnen hatte 2016 Klage gegen Facebook beim kalifornischen Bundesgericht eingereicht. Die Kläger haben anschließend 80.000 Seiten interne Facebook-Papiere durchgearbeitet, die sie im Rahmen des Gerichtsverfahrens erhalten hatten. Demnach sei "das Ausmaß der Fehlkalkulation weitaus schlimmer gewesen als bislang bekannt", schreibt das Wall Street Journal. Statt um 60 bis 80 Prozent seien die durchschnittlichen Zuschauerzahlen um 150 bis 900 Prozent zu hoch ausgewiesen worden. Das NiemanLab hat weitere Beispiele sowie Auswirkungen auf die Medienwelt zusammengetragen.

"Die internen Abläufe bei Facebook spiegeln eine Firmenmentalität wider, die von rücksichtsloser Gleichgültigkeit gegenüber der Genauigkeit der Kennzahlen geprägt ist", erklärte einer der Kläger. Facebook stritt die Vorwürfe ab: Das Unternehmen habe seine Kunden sofort über den Fehler informiert, als er 2016 entdeckt wurde. Im Hilfe-Center habe Facebook das Problem erläutert. Inzwischen arbeitet Facebook mit externen Messunternehmen zusammen, um die Statistiken zu erfassen. Zudem willigte Facebook ein, sich Audits durch den Media Rating Council zu unterziehen. (dbe)

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