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Facebook findet nicht genügend Lokalnachrichten für News-Dienst

Facebook will Lokalnachrichten in seinem Newsstream bevorzugen. Das Problem: Es gibt nicht genügend lokale Nachrichten.

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(Bild: dpa, Christophe Gateau)

Die Idee klang nicht schlecht: Facebook hatte vergangenes Jahr erklärt, lokale Nachrichten in den Newsfeeds bevorzugen zu wollen. Die Nutzer sollten mehr Geschichten aus ihrer Stadt zu lesen bekommen, schrieb Mark Zuckerberg damals. Allerdings gibt es in den USA nicht genügend Quellen für Lokalnachrichten, erklärte Facebook nun.

Der im November 2018 gestartete News-Dienst "Today In" ist derzeit in 400 Städten in den USA verfügbar. (Ein Deutschlandstart steht noch aus.) Laut Facebook leben rund ein Drittel der US-Nutzer an Orten, in denen es nicht ausreichend Lokalnachrichten gebe, um den Service füttern zu können. Facebook will seine Untersuchungen mit Wissenschaftlern an verschiedenen Universitäten teilen, darunter die Duke University und Harvard.

Viele Amerikaner leben in "News Deserts" und werden nur schlecht mit Lokalnachrichten versorgt.

(Bild: Facebook )

Das Zeitungssterben ist in den USA gravierend, rund 1800 Tageszeitungen mussten in den vergangenen 15 Jahren dichtmachen. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer Untersuchung der University of North Carolina.

Die Branche habe mit einem kaputten Geschäftsmodell sowie mit der starken Konkurrenz im Netz zu kämpfen. Zu diesen Konkurrenten gehört vor allem: Facebook. Firmen, die vorher Anzeigen in Lokalzeitungen buchten, geben ihre Werbegelder lieber bei Facebook oder Google aus. Am Zeitungssterben sind zwar nicht allein die beiden Netz-Giganten schuld. Doch sie sind sicherlich Schlüsselfaktoren.

"Today In" sammelt Lokalnachrichten aus verschiedenen Quellen, darunter auch Behörden und Vereine. Ein Anbieter muss mindestens an einem Tag im Monat fünf Nachrichten veröffentlichten, um in den "Today In"-Service aufgenommen zu werden. Das stellt offenbar eine große Hürde dar. Es gebe einen "echten Mangel an lokaler Berichterstattung", meint Penelope Muse Abernathy, Professorin an der University of North Carolina. Die Daten von Facebook könnten dabei helfen, die Bereiche in den USA zu identifizieren, an denen der Bedarf an Lokalnachrichten am größten ist. So wären gezielte Maßnahmen nötig.

Facebook will nun finanzielle Zuschüsse bereitstellen für Menschen mit guten Ideen, wie man Lokalnachrichten fördern kann. Die Beträge reichen von 5000 bis 25.000 US-Dollar, erklärte Josh Mabry, der bei Facebook die Partnerschaften mit lokalen Nachrichtenanbietern verantwortet. Im Januar hatte Facebook bereits 300 Millionen US-Dollar an Zuschüssen in Aussicht gestellt, um lokale Nachrichten zu fördern. Selbst will sich Facebook aber nicht um die Berichterstattung kümmern: "Die Journalisten sollen das machen, was sie gut können, und wir unterstützen sie dabei", erklärte Anne Kornblut, News-Chefin bei Facebook, gegenüber Associated Press. (dbe)