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Facebook gedeiht auch in der Krise

Facebook mag Gegenwind verspüren, doch finanziell läuft es so gut wie nie. Der Aktienkurs machte gleich einen ordentlichen Sprung.

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Straßenkunst Gemälde mit Superwoman und Superman

Sheryl Sandberg und Mark Zuckerberg führen Facebook zu neuen finanziellen Höhenflügen.

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

6,9 Milliarden US-Dollar Reingewinn hat der Facebook-Konzern im Schlussquartal 2018 erwirtschaftet. Das ist so viel wie noch nie und 61 Prozent mehr als im vierten Quartal 2017. Der Betriebsgewinn beläuft sich auf 7,8 Milliarden Dollar (plus sechs Prozent). Parallel ist der Quartalsumsatz um 30 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar gestiegen. Das Geld kommt von inzwischen mehr als sieben Millionen Werbetreibenden, die auf Facebook und Instagram Reklame schalten.

Im Vordergrund steht dabei Werbung auf mobilen Endgeräten. Dieser Umsatz ist um 45 Prozent gewachsen und brachte mehr als 90 Prozent des gesamten Konzernumsatzes ein. Nach Bekanntgabe der Finanzzahlen von Facebook schnellte der Kurs der Facebook-Aktien im nachbörslichen Handel um 11,5 Prozent nach oben.

Kommentar zur Facebook-Krise

Facebooks Krise ist kein Finanzproblem, könnte aber eines werden. Denn Facebooks Krise geht ans Eingemachte, wie es Daniel AJ Sokolov in seinem Kommentar beschreibt.

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Zwar ist der durchschnittlich weltweit erzielte Preis pro Anzeige um zwei Prozent gefallen, doch konnte Facebook das durch ein Drittel mehr Einblendungen mehr als wettmachen. Regional gesehen verzeichnete der Konzern in der Asien-Pazifik-Region den stärksten Zuwachs beim Werbeumsatz (plus 34 Prozent).

In der Region, namentlich in Indien, Indonesien und auf den Philippinen, gab es auch den stärksten Zuwachs an täglich aktiven Usern (DAU) bei facebook.com. Weltweit gab es in dem sozialen Netzwerk im Dezember 1,52 Milliarden tägliche Nutzer (plus neun Prozent im Jahresabstand). Wenigstens einmal aktiv waren im Dezember 2,3 Milliarden (ebenfalls plus neun Prozent).

Doch ist das Wachstum bei facebook.com nicht mehr so rasant wie früher. In den USA und Kanada, wo Reklame besonders viel einbringt, aber auch in Europa stagnieren die Nutzungszahlen. Mittwochabend hat Facebooks Finanzchef David Wehner angekündigt, die Veröffentlichung der Nutzerzahlen von facebook.com wahrscheinlich in absehbarer Zeit einzustellen.

Facebooks-CFO David Wehner muss sich mit vielen Nullen herumschlagen.

(Bild: Facebook)

Stattdessen sollen fortan Werte für den Gesamtkonzern veröffentlicht werden, also für facebook.com, Instagram und Whatsapp gemeinsam. Diese "Family Metrics" weisen für Dezember eine Schätzung von 2,7 Milliarden individuellen User aus, die mindestens einen der Dienste in Anspruch genommen haben. Pro Tag waren es durchschnittlich zwei Milliarden.

Der Zustrom an Nutzern erfordert aber nicht nur mehr Server, sondern auch mehr Personal, das wiederum Büros braucht. So verwundert es nicht, dass Facebooks Ausgaben im vierten Quartal 62 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres liegen. Zum 31. Dezember beschäftigte das Unternehmen 35.587 Personen. Das sind 42 Prozent mehr als zwölf Monate davor. Und damals waren es bereits 47 Prozent mehr gewesen als Ende 2016.

Im Gesamtjahr 2018 hat Facebook 55,8 Milliarden US-Dollar umgesetzt, ein Zuwachs um 37 Prozent. Der Betriebsgewinn von 24,9 Milliarden Dollar bedeutet ein Plus von 23 Prozent. Der Jahresreingewinn ist sogar um 39 Prozent auf 22,1 Milliarden Dollar gestiegen.

Die effektive Steuerquote beträgt 13 Prozent. Facebook profitiert von Donald Trumps Steuerreform. Der Rückgang gegenüber dem Wert von 23 Prozent für 2017 ist nicht aussagekräftig, da die Steuerreform damals eine Einmalzahlung auf im Ausland versteuerte, aber nicht in die USA überwiesene Gewinne auslöste. Doch 2016 hatte Facebook noch 18 Prozent bezahlt, in den vier Jahren davor jeweils mindestens 40 Prozent. Für 2019 geht das Unternehmen von einer leicht steigenden Steuerquote aus.

In Facebooks Geldspeicher lagerten zum Jahreswechsel 41 Milliarden Dollar, geringfügig weniger als vor einem Jahr. Doch die Firma hat alleine im vierten Quartal 3,5 Milliarden Dollar für den Rückkauf eigener Aktien ausgegeben und damit das letzte Aktienrückkaufprogramm abgeschlossen. Der Verwaltungsrat war nicht müde, sogleich ein neues Rückkaufprogramm zu genehmigen: So sollen dieses Jahr neun Milliarden Dollar an Aktionäre fließen. (ds)