Menü

Facebook löscht Kirchenkritik von Radiomoderator Domian

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 372 Beiträge

Das soziale Netzwerk Facebook hat kirchen- und papstkritische Kommentare des WDR-Moderators Jürgen Domian gelöscht. Domian nahm dies zum Anlass für einen weiteren Facebook-Post, in dem er dem Netzwerk Zensur vorwarf. Er sei "verärgert und fassungslos" und verurteilte das Vorgehen als Verstoß gegen die Meinungsfreiheit. Facebook nannte die Löschung inzwischen einen Fehler.

Zu kirchenkritisch für Facebook? Der WDR-Moderator Domian.

(Bild: Screenshot)

Bei den Postings habe es sich unter anderem um einen Beitrag zum Auftritt des Katholiken Martin Lohmann im Fernseh-Talk von Günter Jauch gehandelt. Lohmann hatte sich dabei gegen Abtreibung stark gemacht, was Domian laut Frankfurter Rundschau unter anderem mit den Worten „missionarischer Durchfall“ und „Bullshit“ kommentierte – laut Domian lasen 1,1 Millionen Menschen diesen Beitrag. Ebenfalls seien auch Postings zur Homo-Ehe und ein dem Moderator zufolge "völlig harmloser" Text zum neuen Papst entfernt worden. "Offensichtlich haben fanatische Kirchenanhänger bei Facebook so viel Wind gemacht, dass man dort eingeknickt ist", so die Vermutung Domians.

Facebook hat inzwischen die Entfernung der Beiträge bestätigt und eine Entschuldigung gepostet. Die Löschung sei ein Fehler des "User-Operation-Teams" gewesen, das die Nutzer-Reports über anstößige Kommentare, Hass-Reden, Mobbing und ähnliches prüft, wie die deutsche Facebook-Sprecherin Tina Kulow erklärte. Gleichzeitig betonte sie, dass Facebook ein Ort freier Meinungsäußerung sein wolle. Entsprechend dürften Diskussionen auch nicht gelöscht werden, nur weil sich daran jemand störe.

So würden "in der Regel diese Inhalte, Gruppen oder Seiten, die sich gegen Länder, Religionen, politischen Organisationen oder Ideen richten", nicht entfernt. Inwieweit diese Auskunft den Sturm der Entrüstung beruhigt, der nach Domians Posting aufgebrandet war, ist noch abzuwarten. In jedem Fall bleibt die Erkenntnis, dass auf Facebook die Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und löschenswerter Hass-Rede allein im Ermessen des Reporting-Teams liegt. (axk)

Anzeige
Anzeige