Menü

Facebook löscht erneut Seiten und Accounts der russischen Trollfabrik IRA

Keine Macht den Trollen: Facebook-Chef Mark Zuckerberg will die russische Meinungsmanipulationsfabrik IRA komplett aus dem sozialen Netzwerk entfernen und setzt beim Erkennen von Fake-Accounts auf künstliche Intelligenz.

von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 93 Beiträge
Löschzentrum von Facebook

(Bild: dpa, Soeren Stache)

Facebook hat mehr als 270 Seiten und Accounts gelöscht, die unter der Kontrolle der russischen Internet Research Agency (IRA) stehen sollen. Das hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Dienstagabend in einem Facebook-Post bekannt gegeben. Die Löschung erfolgte, weil die Seiten und Accounts dazu genutzt worden sein sollen, um Einfluss auf die Meinung russischer Facebook-Nutzer zu nehmen. Zuckerberg sagte: "Diese russische Agentur hat wiederholt getäuscht und versucht, Menschen in den USA, Europa und Russland zu manipulieren – und wir wollen sie nicht bei Facebook, nirgendwo auf der Welt."

Seit 2016 soll die IRA versucht haben, das Wahlverhalten von Facebook-Nutzern zu beeinflussen, unter anderem bei der US-Präsidentschaftswahl aber auch bei Wahlen in anderen Ländern wie Frankreich und Deutschland. Um das zu verhindern, habe Facebook die weltweiten Aktivitäten der IRA beobachtet und bereits eine Vielzahl an Seiten und Accounts gelöscht

Die aktuelle Löschaktion der Facebook-Seiten und -Accounts sei nach Zuckerberg nur eine von mehreren, die seit 2016 stattgefunden haben. Die IRA soll damals damit begonnen haben, ein Netzwerk von mehreren Hundert Fake-Accounts anzulegen, um durch polarisierende Inhalte Einfluss auf die US-Präsidentschaftswahl zu nehmen. Facebook habe daraufhin die Aktivitäten der russischen IRA beobachtet und seitdem eine große Anzahl ihrer Facebook-Seiten und Accounts aus dem eigenen Netzwerk entfernt. Facebook habe mittlerweile verschiedene Techniken entwickelt, um Störungen von Wahlen zu erkennen und zu verhindern. Unter anderem setze das Unternehmen spezielle Tools mit künstlicher Intelligenz ein, um meinungsmanipulierende Account-Netzwerke zu identifizieren. Außerdem seien die Sicherheitsausgaben bei Facebook deutlich erhöht worden. Rund 15.000 Mitarbeiter kontrollierten derzeit Inhalte auf Facebook, bis Ende des Jahres sollen es 20.000 sein.

Zuckerberg schrieb in seinem Post, dass so bereits vor der Wahl in Frankreich 2017 etwa 30.000 Fake-Accounts der IRA stillgelegt werden konnten. Bei den Wahlen in Deutschland in 2017 habe man mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zusammengearbeitet und Informationen ausgetauscht, um aus den Bedrohungen zu lernen. Die neuen KI-Tools sollen bereits erfolgreich im Zuge der Senatswahlen im US-Bundesstaat Alabama eingesetzt worden sein, sodass frühzeitig ein Netzwerk aus mazedonischen Fake-Accounts zur Einflussnahme auf die Wähler trocken gelegt werden konnte. Zuckerberg stellte in seinem Post klar, dass die Löschaktion dazu diene, dass sich einzelne Staaten nicht über solche Agenturen in nationale Wahlen einmischen können.

Der Facebook-Chef will jetzt mit der Löschung der mehr als 270 Seiten und Accounts einen weiteren Schritt unternehmen, um das Netzwerk der IRA komplett aus Facebook zu entfernen. Die jetzt gelöschten Seiten und Accounts würden sich hauptsächlich an russischsprachige Benutzer auch in umliegenden Staaten unter anderem in Aserbaidschan, Usbekistan und der Ukraine wenden. Darunter befinden sich auch Nachrichtenseiten, die von der IRA kontrolliert sein sollen. Eine der gelöschten Seiten hätte etwa eine Million Follower gehabt, rund 500.000 ein Instagram-Account. Zuckerberg zufolge, respektiere Facebook das Teilen unterschiedlicher politischer Ansichten von Menschen und Regierungen auf Facebook, allerdings erlaube man dazu nicht die Verwendung von Fake-Accounts. Facebook werde alle Seiten und Accounts von Organisationen löschen, die dies tun. Gleichzeitig kündigte der Facebook-Chef ein Tool an, das es Facebook-Nutzern ermögliche, herauszufinden, ob man einem IRA-kontrollierten Account folge.

Die russische Internet Research Agency mit Sitz in Sankt Petersburg steht im Verdacht, als regierungsnahe Organisation Verbindungen zum russischen Geheimdienst zu haben und im Auftrag der Regierung staatlich finanzierte Desinformationskampagnen durchzuführen. (olb)

Zur Startseite
Anzeige