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Facebook löscht über drei Milliarden Accounts in einem halben Jahr

Facebook hat mehr als doppelt so viele Accounts gelöscht wie im Halbjahr davor. Die automatische Erkennung von Fake-Konten ist aber nicht einfach.

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(Bild: TY Lim/Shutterstock.com)

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Facebook hat im vierten Quartal 2018 und im ersten Quartal 2019 zusammen 3,39 Milliarden Facebook-Konten gelöscht. Wie das Unternehmen in seinem dritten, am Montag veröffentlichten "Community Standards Enforcement Report" ausweist, seien das mehr als doppelt so viele wie noch im Halbjahr zuvor. Im Detail habe Facebook im vierten Quartal 1,2 Milliarden Konten entfernt, im ersten Quartal 2019 seien es 2,19 Milliarden gewesen. Facebook geht davon aus, dass etwa fünf Prozent der monatlich aktiv genutzten 2,4 Milliarden Accounts Fake-Konten sind.

Bei der Erkennung von Fake-Accounts konzentriert sich Facebook nach Angaben von Alex Schultz, Vizepräsident für Analyse bei Facebook, auf missbräuchliche Konten, nicht aber auf vom Benutzer falsch angelegte Accounts, etwa wenn jemand ein Facebook-Konto für sein Haustier erstellt hat. Schaden gehe in der Regel nur von den missbräuchlichen Konten aus. Das Ziel sei es deshalb, hauptsächlich diese Accounts zu bekämpfen, ohne dabei authentische Konten in Mitleidenschaft zu ziehen.

Facebook geht bei der Bekämpfung missbräuchlicher Fake-Accounts in drei Stufen vor, schreibt Schultz. In der ersten Stufe versucht Facebook bereits das Anlegen von Fake-Konten zu verhindern. Das Facebook-Früherkennungs-System reagiert dabei auf verschiedene Signale, beispielsweise, wenn Konten massenhaft von einer Location aus angelegt werden. Dann würden die IP-Adressen blockiert, um das Erstellen von weiteren Konten zu verhindern.

Diese erfolglosen Versuche fließen laut Schultz nicht in die Statistik gelöschter Fake-Accounts ein. Denn Facebook kann nicht wissen, wie viele dieser Accounts eigentlich angelegt werden sollten. Schultz schätzt aber, dass durch die Früherkennung die Anlage von mehreren Millionen Fake-Accounts verhindert wird.

In der zweiten Stufe sollen potenzielle Fake-Accounts schon während des Registrierungsprozesses erkannt werden. Dazu achtet das Erkennungssystem auf eine Kombination mehrerer auffälliger Signale. Das können verdächtige E-Mail-Adressen, Aktionen oder bereits mit anderen Fake-Accounts in Verbindung gebrachte Auffälligkeiten sein. Solche Konten würden bereits wenige Minuten nach dem Anlegen blockiert.

Diese Accounts würden zwar zu den gelöschten Konten gezählt, allerdings nicht als bekämpfte Fake-Accounts erfasst, weil sie noch nicht aktiv waren und kein Schaden anrichten konnten.

In der dritten Stufe nimmt sich Facebook die Accounts vor, die in den ersten beiden Stufen nicht erkannt wurden. Das Erkennungssystem analysiere dazu unter anderem die Nutzung eines Kontos und wie es erstellt wurde. Außerdem setzt Facebook auf die Mithilfe seiner Nutzer, die Fake-Konten melden können.

Nach Angaben von Schultz werden solche Accounts als Fake-Konten geführt, sofern sie bereits aktiv genutzt wurden. Andernfalls fließen sie als gelöschte Accounts in die Statistik ein. Nach Angaben von Schultz würden mehr als 99 Prozent der Fake-Accounts von den Erkennungssystemen identifiziert, noch bevor Facebook-Benutzer sie meldeten.

Schultz räumt ein, dass die Erkennung von Fake-Accounts eine Gratwanderung sei. In manchen Fällen würden die Erkennungssysteme anschlagen, obwohl es sich nicht um Fake-Accounts handelt. Dies sei beispielsweise dann der Fall, wenn einzelne Teenager täglich eine große Anzahl an Posts teilen und deshalb als Spammer identifiziert würden. Auch würden sich manche Social-Media-Neulinge auffällig verhalten, weil sie noch unerfahren im Umgang mit sozialen Netzwerken seien. Dies sei gerade beispielsweise recht häufig bei Anmeldungen aus Brasilien der Fall, deren Einwohner derzeit verstärkt Facebook für sich entdecken würden. Schultz sagt, dass Facebook weiter daran arbeite, eine vernünftige Balance bei der Erkennung von Fake-Accounts zu finden, um keine echten Nutzer auszusperren, die sich an die Richtlinien von Facebook halten.

Facebook wird seit den US-Präsidentschaftswahlen 2016 vorgeworfen, nicht genügend gegen Fake-Konten, über die Fake-News verbreitet werden, zu unternehmen. (olb)