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Facebook reagiert auf Nutzerproteste gegen zielgruppenspezifische Werbung

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Das US-amerikanische Online-Sozialnetz Facebook gibt dem Protest tausender Nutzer nach. Es will seine kürzlich eingeführte zielgruppenspezifische Werbung modifizieren. Künftig müssen die Nutzer explizit einwilligen, bevor Informationen über ihre Online-Aktivitäten auf Facebook für ihre Freunde einsehbar werden, berichtet die New York Times. Die Bürgerrechtler von MoveOn.org, deren Online-Petition rund 50.000 Unterzeichner gefunden hat, sehen einen Schritt in die richtige Richtung. Ihnen wäre es aber lieber gewesen, Nutzer könnten nicht fallweise ein Opt-out, sondern ein generelles Opt-in beanspruchen.

Die Bürgerrechtler hatten auf Facebook eigens eine – nur für Mitglieder einsehbare – Gruppe eingerichtet und vor zehn Tagen eine Unterschriftenaktion gestartet. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen "Social Ads", Werbebotschaften, die auf Basis individuellen Nutzerverhaltens im Umfeld des Mitglieds eingesetzt werden. Dabei sammelt Facebook auch Daten, wenn sich Mitglieder außerhalb der Community bewegen. Auf Nachrichten-Pinboards werden "Beacon"-Anzeigen geschaltet, auf denen Mitglieder über Neuigkeiten aus ihrem Freundeskreis auf dem Laufenden gehalten werden. Wenn ein Mitglied zum Beispiel ein Video bei einem Partner von Facebook leiht, wird dies in den Newsfeeds seiner Freunde bekannt gegeben und mit einer Werbung für den genutzten Videoverleih gekoppelt

Das "Beacon"-Programm könne nicht vollständig deaktiviert werden, das müsse fallweise für jede betroffene externe Website gemacht werden, lautete die Kritik. Facebook hingegen behauptete, das Angebot sei ausreichend transparent. Bei dem Kaufvorgang auf einer Partnerseite werde der Nutzer darauf hingewiesen, dass diese Information zu Facebook übertragen wird. Dem könne dann mit einem einfachen Klick widersprochen werden.

Im Internet aktive Unternehmen wie Google oder Microsoft sammeln ebenso wie Facebook Daten über Nutzer, meist aber eher im Hintergrund und es geht darum, auf den einzelnen Nutzer Inhalte, vor allem Werbung zurechtzuschneiden. Facebook geht noch einen Schritt weiter und zielt auf den Werbeeffekt der vermutlich effizienteren "Mund-zu-Mund-Propaganda". In den USA wundern sich einige Beobachter über das Paradoxon, dass ausgerechnet jene gegen das Weiterreichen von Informationen protestieren, die ihr Privatleben ohnehin schon ausgebreitet hätten. Dabei bietet Facebook für Proteste gegen sich selbst anscheinend eine gute Plattform, wie sich bereits im September 2006 anhand der Nutzer-Rebellion gegen ein neues Feature oder ein Jahr später anhand massiver Kritik an Zensur zeigte. (anw)

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