Facebook setzt auf neue Vermarktungsstrategie [Update]

Die Daten der rund 150 Millionen Facebook-Nutzer sollen einem Bericht zufolge künftig den Pool für eine der größten Markt- und Meinungsforschungsdatenbanken weltweit bilden - und einzelne Datenbestände an multinationale Unternehmen verkauft werden.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Einem Bericht des britischen Telegraph zufolge sollen die über Jahre zusammengetragenen persönlichen Daten, Präferenzen und Kontakte der rund 150 Millionen Facebook-Nutzer künftig den Pool für eine der größten Markt- und Meinungsforschungsdatenbanken weltweit bilden und Teilbestände ab Frühjahr an multinationale Unternehmen verkauft werden, die sie dann für eigene Zwecke nutzen können.

Wie das neue Marketingkonzept aussehen soll, hatte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg bereits im vergangenen Jahr demonstriert: Nutzern mit bestimmten Profileigenschaften wird auf der Startseite Werbung für neue Produkte gezeigt, die sie – wie Teilnehmer einer Marktforschungsumfrage – dann zeitnah bewerten sollen. Reagiert ein Facebook-Teilnehmer auf die sogenannten "Engagement Ads", sollen auch seine Freunde und Plattformkontakte die Werbung zu sehen bekommen.

Randi Zuckerberg, Marks ältere Schwester und bei Facebook für das globale Marketing zuständig, erklärte gegenüber dem Telegraph, dass Firmen sich geradezu begeistert über das Pool-Konzept geäußert hätten, da sie auf diese Weise Zugriff auf unterschiedlichste Fokusgruppen hätten und von schnellen Antworten profitieren würden. Eine Abwandlung ihres "Engagement-Ads-Systems" präsentierten die Zuckerbergs beim jüngsten Weltwirtschaftsforum in Davos: In "Echtzeit" wurden bestimmte Nutzergruppen zu Politikthemen befragt, etwa Israelis und Palästinenser über ihre Vorstellung von Weltfrieden.

Facebook, das einst mit 15 Milliarden US-Dollar bewertet worden war, versucht schon seit geraumer Zeit, seine Werbeumsätze zu steigern, die sich laut einer Schätzung von eMarketer in diesem Jahr in den USA auf umgerechnet 166 Millionen Euro belaufen sollen. Für das Ende 2007 eingeführte Werbeanzeige-System "Beacon" musste sich Firmengründer Zuckerberg später öffentlich entschuldigen, weil Werbebotschaften, die auf Basis des individuellen Verhaltens eines Nutzers generiert worden waren, im sozialen Facebook-Umfeld des Mitglieds auftauchten.

Update: Einem Eintrag im AllFacebook-Blog zufolge soll die Kommunikationsabteilung von Facebook inzwischen erklärt haben, dass die Aussagen von Randi Zuckerberg völlig falsch zitiert worden seien. Im Prinzip sei "alles, was in dem Artikel steht, falsch", heißt es dort. Ob die globale Marketingleiterin sich nun lediglich verplapperte, oder ob die beiden Autoren der meistverkauften britischen Tageszeitung tatsächlich falsch zitiert haben, lässt sich bislang nicht verifizieren. (pmz)