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Facebook stellt gesperrte Facebook-Gruppen nach Sabotage wieder her

In einigen Facebook-Gruppen absichtlich von Saboteuren eingestellte verbotene Inhalte führten zu Sperrungen. Facebook will diese Gruppen nun wieder freigeben.

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(Bild: dpa, Armin Weigel)

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Facebook stellt mehrere Gruppen wieder her, die fälschlicherweise gesperrt worden waren. Wie The Verge berichtet, habe ein Facebook-Sprecher bestätigt, dass diese Gruppen entfernt wurden, nachdem dort Inhalte entdeckt worden waren, die gegen die Richtlinien des sozialen Netzwerks verstießen. Die Inhalte wurden offenbar absichtlich mit dem Ziel eingestellt, dass die automatischen Überwachungs-Systeme von Facebook darauf anspringen und die Gruppen entfernt werden. Facebook verspricht, Maßnahmen zu ergreifen, die das in Zukunft verhindern sollen.

Auslöser soll dem Bericht nach die Schließung der öffentlichen Facebook-Gruppe "Crossover Nobody Asked For" (CNAF) mit rund 500.000 Mitgliedern gewesen sein. Die Meme-Gruppe, in der lustige und mitunter geschmacklose Internetphänomene gepostet werden, war am 13. Mai plötzlich durch Facebook geschlossen – im Facebook-Gruppen-Jargon "zucced" (kurz für "Zuckerberg") – worden. Ein dauerhafter Umzug der Gruppe durch die Administratoren in eine neue Gruppe misslang. Diese Gruppe wurde nach einem Tag ebenfalls geschlossen.

CNAF-Gruppenmitglieder gingen der Sache nach und stellten fest, dass in der Facebook-Gruppe "Indonesian Reporting Commission" (IReC), eine Gruppe, deren Mitglieder Verstöße gegen Richtlinien von Facebook melden, das Entfernen der CNAF-Gruppe gefeiert wurde. Das legte die Vermutung nahe, dass die IReC dahintersteckte. Facebook wollte das jedoch zunächst nicht bestätigen.

In der Folge kam es zu einer Art digitalen Massenpanik bei den Administratoren diverser Facebook-Gruppen, wie The Verge schreibt. Die Admins befürchteten, dass ihre Gruppen ebenfalls infiltriert und mit verbotenen Inhalten infiziert werden könnten, sodass eine Gruppenschließung durch Facebook erfolgt.

Um das zu verhindern, stellten mehrere Tausend populäre Facebook-Gruppen ihre Privatsphäre-Einstellungen von "öffentlich" oder "geschlossen" auf "geheim" um. Während Beitritte zu geschlossenen Gruppen moderiert werden, kann der Beitritt zu geheimen Gruppen lediglich durch Aufforderung eines Gruppenmoderators erfolgen. Auffindbar sind solche Gruppen dann nur für Gruppenmitglieder, für andere Facebook-Nutzer sind sie unsichtbar.

Problematisch ist, dass größere Gruppen mit mehr als 5000 Mitgliedern, ihren Status nicht beliebig von "geheim" auf "geschlossen" oder "öffentlich" wechseln können. Gruppen und Seiten und nach 24 Stunden immer noch den Status "geheim" haben, können erst nach 28 Tagen wieder wechseln. Für viele Gruppen, die auf Zuwachs aus sind, ist das nicht zuträglich. Nutzer bezeichneten das als "Groupocalypse".

Neben CNAF waren weiterer Gruppen und Seiten betroffen, darunter auch die größeren Meme-Gruppen bei Facebook "8shit memes" und "Non sense memes". Die Angreifer beschränkten sich anscheinend auf Meme-Gruppen. Die genaue Anzahl der betroffenen Gruppen wollte Facebook nicht nennen, eine Sprecherin sprach nach Angaben von The Verge von "einigen".

Für einen Großteil der Community stand jedoch fest, dass die IReC dahintersteckte, ohne das wirklich nachweisen zu können. In einer gemeinsamen solidarischen Aktion wurde die IReC-Gruppe bei Facebook gemeldet, was durch die Massenmeldungen zu einer Sperre führte, wie Know Your Meme ausführt. Zusätzlich identifizierten Mitglieder der betroffenen Gruppen und Seiten den Gründer der IReC und veröffentlichten den Namen des Indonesiers, seine Adresse und Telefonnummer.

Aufgrund des Doxings und steigenden Drucks sah er sich zu einer öffentlichen Entschuldigung genötigt, die ins Englische übersetzt wurde und nur noch über archive.is zugängig ist. Darin entschuldigte er sich bei allen, die "Opfer" von IReC geworden waren. Sein Ziel sei es gewesen, "alles Negative auf Facebook zu löschen und zu zerstören". Bei CNAF habe er Hassrede und religiöse Witze gefunden und bei Facebook gemeldet. Unklar ist jedoch, wer die verbotenen Inhalte auf Facebook platziert hat – oder Initiator war. Der Gründer der IReC hat sich zwar dazu bekannt, die Inhalte der CNAF zu melden, zur absichtlichen Platzierung äußerte er sich aber nicht. Er wolle seine Aktionen künftig ohnehin nicht mehr fortführen.

Einige Facebook-Nutzer sollen nach Angaben der Website Know Your Meme mit der Identifikation derjenigen begonnen haben, die die verbotenen Inhalte platziert haben. Dabei sollen mehrere ungenannte Facebook-Gruppen sowie eine Vielzahl an Accounts involviert sein. Dabei soll es sich um Fake-Accounts gehandelt haben, die anscheinend nur dazu dienen sollten, um Paranoia und Misstrauen zu sähen. Eine Analyse von Facebook steht zunächst noch aus. (olb)