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Facebook umgeht Werbe-Blocker

Das soziale Netzwerk schraubt weiter an den Einstellungsmöglichkeiten, mit denen Nutzer die angezeigte Werbung beeinflussen können. Deshalb brauchen die auch keinen Adblocker mehr, meint das Unternehmen.

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Facebook umgeht Werbe-Blocker

(Bild: Facebook)

"Relevante und gut gestaltete Werbeanzeigen können nützlich sein", findet Facebook und zeigt seinen Desktop-Nutzern künftig Werbung an, auch wenn diese einen Adblocker einsetzen. Darüber hinaus vereinfacht das Unternehmen die Einstellungen, mit denen Nutzer die Auswahl der angezeigten Werbung beeinflussen können. Dann braucht man auch keinen Adblocker mehr, weil solche Werbung nicht nervt, räsoniert der für das Anzeigengeschäft zuständige Vice President Andrew Bosworth in einer Mitteilung. Wie das Aushebeln der Adblocker technisch vollzogen wird, erklärt das Unternehmen nicht.

Demnach hat Facebook aus Umfragen die Erkenntnis gezogen, "dass die Menschen generell bereit sind, sich mit Werbung aktiv auseinanderzusetzen, doch schlechte Werbeanzeigen halten sie oftmals davon ab". Diese würden "als störend empfunden". Der Hauptgrund für den Einsatz von Adblockern sei "das Stoppen von belästigenden, unterbrechenden Werbeanzeigen". Mit den neuen Einstellungsmöglichkeiten hat sich das Problem aus Sicht von Facebook erledigt: Deshalb beginnt das Unternehmen "außerdem damit, Personen, die derzeit Software zur Werbeanzeigenblockierung nutzen, auf dem Desktop Werbeanzeigen auf Facebook zu zeigen".

Facebook verweist auf Erkenntnisse des US-Verbands der Online-Werber (IAB) und zitiert dessen Präsident Randall Rothenberg: "Werbung und Marketing ermöglichen bereits seit Hunderten von Jahren Zugriff auf kostenlose Dienstleistungen und bilden die Grundlage für das Funktionieren des demokratischen Kapitalismus. Nur so erfahren Menschen von besseren Preisen, besseren Produktfeatures, besseren Arbeitsmöglichkeiten und sogar von besseren politischen Kandidaten. Facebook verdient für seinen wertvollen Beitrag zur Bewahrung dieses lebendigen Austausches mit seinen Nutzern Lob."

Die Einstellungen, mit denen Nutzer ihr "Werbeerlebnis" verbessern können, sollen jetzt einfacher und effektiver sein. Auf der Einstellungsseite können Nutzer entscheiden, welche ihrer Interessen bei der Auswahl der Werbung berücksichtigt werden. "Wenn du Werbeanzeigen zu bestimmten Interessen wie Reisen oder Katzen nicht mehr sehen möchtest, kannst du diese Interessen in den Werbeanzeigeneinstellungen entfernen", schreibt Bosworth. Damit können Nutzer auch beeinflussen, von welchen Unternehmen sie keine Werbung mehr sehen wollen. Auch können sie hier jetzt Unternehmen und Organisationen abwählen, die das eigene Profil gezielt ausgesucht haben.

Die Umgehung der Adblocker betrifft den Desktop. Auf Smartphones und Tablets hat Facebook das Problem nicht. Der Konzern, zu dem auch Whatsapp und Instagram gehören, bestreitet nahezu seinen gesamten Umsatz aus Werbeeinnahmen. Im abgelaufenen zweiten Quartal waren das 6,4 Milliarden US-Dollar, davon 6,2 Milliarden mit Werbung. 84 Prozent davon entfielen auf mobile Geräte. Das Unternehmen will nun offenbar die Werbung auf der Desktop-Plattform stärken. Über eine Milliarde der registrierten Nutzer loggen sich jeden Tag bei Facebook ein.

In Deutschland hatte zuletzt das Oberlandesgericht Köln entschieden, dass Werbeblocker grundsätzlich zulässig sind. Das Gericht untersagte allerdings die Praxis eines Anbieters, von Medien Geld zu verlangen, damit sie auf eine Liste mit "akzeptabler Werbung" aufgenommen werden. Auch Facebook-Manager Bosworth kritisierte das. "Diese Praxis sorgt bestenfalls für Verwirrung, senkt aber auch die Mittel, die zur Finanzierung des Journalismus und anderer kostenfreier Dienstleistungen, die wir im Internet nutzen, benötigt werden." Facebook gehöre zu diesen kostenlosen Dienstleistungen, meinte Bosworth. (vbr)

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