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Facebook veröffentlicht Richtlinien für Nachrichten-Trends

Facebook möchte klarstellen, dass es keine Manipulation der Nachrichten-Trends durch Mitarbeiter gab. Deshalb hat das Unternehmen nun seine Richtlinien für Mitarbeiter des Nachrichten-Teams veröffentlicht.

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(Bild: c't / heise online)

Facebook hat am Donnerstag seine internen Richtlinien zur Auswahl von Nachrichten-Trends in den USA veröffentlicht, um Manipulations-Vorwürfe aus der Welt zu schaffen. Die einzelnen News würden grundsätzlich von einem Algorithmus vorgeschlagen, der Themen sucht, die gerade populär sind oder schnell in den Vordergrund rücken, erklärte Facebook-Manager Justin Osofsky in einem Blogeintrag. Danach nehmen Mitarbeiter aber tatsächlich Einfluss. Darauf, dass teilweise Sätze in den Richtlinien geschwärzt wurden, ging Osofsky nicht ein.

Mitarbeiter des Nachrichten-Teams prüfen demnach die Themen, die der Algorithmus vorschlägt, und filtern unter anderem Begriffe heraus, die zwar "trenden", aber eigentlich keinen Nachrichtenwert haben. Darunter kann zum Beispiel der Begriff "Mittagessen" fallen, der tagtäglich populär sei. Sie verfassen Beschreibungen und suchen mehrere Artikel zu den Themen heraus. Auch werden die Artikel Kategorien wie etwa Sport oder Wissenschaft zugeordnet. Außerdem stufen die Mitarbeiter Nachrichten nach nationaler oder globaler Relevanz ein und können manche Themen mit einer stärkeren Gewichtung versehen (Importance Level), damit diese Nachrichten eher gesehen werden können.

So gibt es bei den Facebook Nachrichten-Trends auch die höchste Kategorie "Nuclear", die laut Richtlinie für die Mitarbeiter nur ein bis dreimal im Jahr für die Einstufung von Nachrichten genutzt werden soll. Als Nuclear werden etwa Ereignisse wie "9/11" oder der Beginn des Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine eingestuft. Man habe diese Gewichtung für die wahren "holy s**t"-News eingeführt, heißt es. Darunter steht die Kategorie Major. Pro Woche gebe es nur etwa fünf bis sieben Major-News.

Abhängig ist die Einstufung der Ereignisse von zehn großen Nachrichtenportalen. Dazu gehören BBC News, CNN, Fox News, The Guardian, NBC News, New York Times, USA today, Wall Street Journal, die Washington Post und Buzzfeed News. Haben etwa alle zehn Nachrichtenportale die selbe Geschichte als Aufmacher, dann könne es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Major-News handeln, geht aus der Richtlinie hervor. Dies haben die Mitarbeiter anhand der Nachrichtenportale und anderer Hinweise zu prüfen. Als ein Beispiel für Major-News wird von Facebook unter anderem der Angriff auf die Redaktion von Charlie Hebdo eingestuft.

Die so gefilterten und eingestuften Nachrichten-Trends werden daraufhin für jeden Nutzer individuell durch einen Algorithmus ausgesucht und verteilt. Welche Nachrichten einem Nutzer als Nachrichten-Trends angezeigt werden, sei beispielsweise davon abhängig, welchen Seiten Nutzer folgen, wo Nutzer wohnen oder wie sie auf bereits gezeigte News-Trends reagiert haben.

Osofsky unterstreicht in seinem Blogbeitrag, dass Mitarbeiter nach den Richtlinien vorgehen müssen. Es werde regelmäßig überprüft, ob die Arbeit des News-Teams den Richtlinien entspräche. Facebook erlaube es unter anderem nicht, Quellen irgendeiner politischen Herkunft zu diskriminieren. Verstoßen Mitarbeiter gegen diese Vorgabe, dann sei dies ein Kündigungsgrund. Die Tätigkeit der Mitarbeiter werde nun aufgrund der Vorwürfe erneut überprüft. Bisher gebe es aber keine Beweise für die Anschuldigungen.

Vor einigen Tagen hatten namentlich nicht genannte frühere Facebook-Mitarbeiter dem IT-Blog Gizmodo erzählt, sie seien angewiesen worden, Nachrichten mit konservativem Anstrich zu unterdrücken. Trotz Dementi von Facebook entfaltete sich eine Debatte über den Einfluss von Facebook als Nachrichtenmedium. Der republikanische Senator John Thune forderte zusätzliche Informationen. Die Nachrichten-Trends auf der Facebook-Website sind in Deutschland nicht verfügbar und sind vor allem für die englische Version konzipiert worden. Die Trending Topics wurden laut eigener Angaben im Jahr 2014 von Facebook eingeführt. (kbe)