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Facebooks Börsengang nun offiziell [Update]

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Am späten Mittwochnachmittag (Ortszeit) veröffentlichte Facebook seinen Börsenprospekt. Damit wirbt das weltgrößte soziale Netzwerk nun offiziell bei Investoren für seine Aktien. Der von Facebook erwartete Erlös des Börsengangs liegt zunächst bei 5 Milliarden Dollar und damit nur halb so hoch wie ursprünglich erwartet. Allerdings ist diese Summe eher als Einstiegsmarke zu verstehen. Es wäre nicht unüblich, wenn Facebook den Ausgabepreis und damit auch das Gesamtergebnis noch erhöhte, falls die Reaktion der Investoren positiv ausfallen und genügend Nachfrage besteht.

Facebook ist profitabel – das verrät der Börsenprospekt weiter: Im vergangenen Jahr verdiente das Unternehmen unterm Strich eine Milliarde Dollar, 2010 waren es 606 Millionen Dollar und 2009 immerhin 229 Millionen Dollar. Haupteinnahmequelle ist die Werbung. Dem Prospekt zufolge wächst das Unternehmen immer noch schnell. Im Jahr 2010 soll der Umsatz 1,97 Milliarden US-Dollar betragen haben, in 2011 bereits 3,71 Milliarden US-Dollar. Für 2012 erwartet Facebook einen Umsatz von 4,27 Milliarden US-Dollar.

US-Medien schätzen, dass Facebook beim Börsengang mit 75 bis 100 Milliarden Dollar bewertet wird. Damit wäre der Senkrechtstarter aus dem Stand so viel wert wie die deutschen Großunternehmen Siemens, RWE, ThyssenKrupp und Lufthansa zusammen. Wann genau das Papier in den Handel geht, steht nicht im Prospekt. Börsenexperten erwarten einen Termin im Juni oder Juli.

[Update]

Mit den Unterlagen zum Börsengang hat Facebook zum ersten Mal ausführliche Zahlen zu seinem Geschäft veröffentlicht, die ein interessantes Bild auf das Unternehmen werfen. Facebook ist inzwischen offensichtlich ein außerordentlich lukratives Geschäft. Den Milliardengewinn 2011 schaffte das Online-Netzwerk mit nur 3,7 Milliarden Dollar Umsatz. 2011 lag der Anteil der Werbeeinnahmen am Gesamtumsatz bei 85 Prozent. Die virtuellen Welten des Onlinespiele-Dienstes Zynga sind ein wichtiges Element des Facebook-Geschäfts. Im vergangenen Jahr steuerte der Anbieter von Games wie "Farmville" oder "Cityville" zwölf Prozent der Facebook-Umsätze bei. Zynga war erst im Dezember selbst an die Börse gegangen.

Facebook hat mehr aktive Mitglieder als man bisher dachte. In den Börsenunterlagen spricht das Online-Netzwerk von 845 Millionen aktiven Nutzern im Monat Ende 2011 und nicht einfach nur Mitgliedern. Davon suchten im Dezember pro Tag im Schnitt 483 Millionen Facebook auf. Von mobilen Geräten greifen im Monat 425 Millionen Menschen auf Facebook zu. Sie bekommen aktuell keine Werbung zu sehen.

Mark Zuckerberg wird Facebook auch nach dem Börsengang fest im Griff haben. Er hält Aktien der Klasse B, die zehn Stimmen haben, während Anleger beim Börsengang nur A-Klasse-Aktien mit einer Stimme bekommen werden. Damit wird Zuckerberg auch in Zukunft ein geringer Anteil reichen, um sein Unternehmen zu kontrollieren. Mark Zuckerbergs Vater, der Facebook 2004 und 2005 finanziell unterstützt hat, bekam im Dezember 2009 zwei Millionen Aktien der Klasse B.

Das Wachstum von Facebook im Heimatmarkt USA hat sich abgebremst, wenn auch auf hohem Niveau. Von September auf Dezember 2011 stieg die tägliche Zahl aktiver Nutzer nur von 124 auf 126 Millionen. Facebook hat 3200 Mitarbeiter. Und das war ein Zuwachs von 50 Prozent nur im Jahr 2011. Facebook hat immer noch nicht entschieden, ob es in China aktiv werden soll. (hob)