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Facebooks Libra: Schweizer Datenschützer wartet auf Antworten

Facebook Digitalgeld soll eigentlich von Schweizer Behörden beaufsichtigt werden. Mit Datenschützern hat dort wohl noch keiner gesprochen.

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(Bild: Ascannio / shutterstock.com)

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Der Schweizer Datenbeauftragte (Edöb) verlangt Auskünfte von der Libra Association, wie bei dem von Facebook vorgestellten Digitalgeld persönliche Daten verarbeitet werden sollen. Manager David Marcus, der bei Facebook für das Projekt zuständig ist, hatte bei Anhörungen im US-Senat vergangene Woche erklärt, dass Libra unter Aufsicht von Schweizer Behörden stehen werde. Der Edöb hat davon aber erst aus dieser Anhörung erfahren, wie es nun in einer Mitteilung heißt. Kontaktiert hatte zuvor wohl keiner der Verantwortlichen die Datenschutzbehörde.

Als Reaktion hat der Edöb laut der Mitteilung am 17. Juli einen Brief an die in Genf sitzende Libra Association geschickt. Eine Stellungnahme ist darauf wohl noch nicht gefolgt. Im Brief fordert der Datenschützer eine Risikofolgeabschätzung, "welche unter anderem die vorgesehenen Datenbearbeitungen beschreibt, die Datenschutzrisiken für die betroffenen Personen bewertet und die zweckmäßigen Maßnahmen zu deren Minderung aufzeigt“. Ebenfalls möchte der Datenschutzbeauftragte über den aktuellen Stand des Projekts informiert werden.

Mit der Schweizer Finanzaufsicht Finma scheinen die Libra-Macher zumindest schon vorab gesprochen zu haben. “Die Finma kennt das Projekt Libra und steht mit den Initianten des Projekts in Kontakt“, zitieren Schweizer Medien die Behörde. Weitere Details wollte die Finma aber nicht nach außen geben. Bislang hatte Marcus immer betont, dass Datenschutz einen hohen Stellenwert bei Libra genießen werde. Dass man die Schweizer Datenschützer derart ignoriert hat, wirft kein gutes Licht auf solche Versprechen.

Die von Facebook vor wenigen Wochen angekündigte neue Internet-Währung soll voraussichtlich ab 2020 etwa mit Dollar oder Euro zu kaufen sein. Zu den ersten Partnern des Projekts gehören 28 private Unternehmen wie Mastercard, Visa, Paypal und Uber. Insgesamt soll die Libra Association, die die Währung verwaltet, hundert Mitglieder haben. Kritische Stimmen gegen die Pläne kamen aus aller Welt, zuletzt von der Bundesbank sowie aus dem Bundesfinanzministerium. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sieht die Währung vor allem für grenzüberschreitende Überweisungen von Vorteil.

Doch hagelte es nicht nur Kritik – inzwischen versuchen auch Betrüger, die hohe mediale Aufmerksamkeit auszunutzen, um Leichtgläubige und Glücksritter übers Ohr zu hauen. So berichtet die Washington Post, dass auf eigens erstellten, betrügerischen Webseiten die Facebook-Währung angeblich jetzt schon mit einem Rabatt zum Kauf angeboten wird.

Die Seiten würden teils in sozialen Netzwerken beworben und schreckten auch nicht davor zurück, das Facebook-Logo oder Fotos von Facebook-Chef Mark Zuckerberg missbräuchlich einzusetzen. Doch Facebook will die Libra aller Voraussicht nach erst ab 2020 anbieten. Wer also bei solchen dubiosen Angeboten zuschlägt, verliert sein Geld. (Mit Material der dpa) / (axk)