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Facebooks Werbung 2.0 weckt Datenschutzbedenken

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Einige Mitglieder der US-Community Facebook beschleicht angesichts neuer Errungenschaften in Sachen zielgerichteter Werbung offenbar ein mulmiges Gefühl. Wie das Wall Street Journal berichtet, wächst die Kritik an den neuen Werbeformen, mit denen Facebook die vielen Seitenabrufe seiner Millionen Nutzer endlich in bare Münze verwandeln will. Die Bürgerrechtsgruppe MoveOn will den Protestierenden eine Heimat geben und hat dafür eine eigene Facebook-Gruppe eingerichtet.

Stein des Anstoßes ist Facebooks neue Werbeoffensive, die das Unternehmen vor zwei Wochen gestartet hatte. Teil des "Facebook Ads" genannten Programms sind sogenannte "Social Ads": Werbebotschaften, die auf Basis individuellen Nutzerverhaltens im sozialen Facebook-Umfeld des Mitglieds eingesetzt werden. Facebook sammelt dabei auch Daten, wenn sich Mitglieder außerhalb der Community bewegen – zum Beispiel im Webshop eines Werbekunden.

Sogenannte "Beacon"-Anzeigen werden auf den Nachrichtenpinbrettern geschaltet, auf denen Mitglieder über Neuigkeiten aus ihrem Freundeskreis auf dem Laufenden gehalten werden. Wenn ein Mitglied zum Beispiel ein Video bei einem Partner von Facebook leiht, werde das zusammen mit seinem Foto in den Newsfeeds seiner Freunde bekannt gegeben, zusammen mit einer Werbung für den genutzten Videoverleih.

Das geht den kritischen Facebook-Nutzern und den Aktivisten von MoveOn zu weit. "Die privaten Anschaffungen eines Facebooks-Nutzers sollten nie ohne seine ausdrückliche Einwilligung für die ganze Welt veröffentlicht werden", meint MoveOn-Sprecher Adam Green gegenüber CNET News. Das ist US-Berichten zufolge schwierig: Ein Nutzer könne das "Beacon"-Programm nicht vollständig deaktivieren, sondern müsse das fallweise für jede betroffene externe Website machen, kritisiert das WSJ.

Der bei Facebook für Datenschutzfragen zuständige Vorstand Chris Kelly erklärte gegenüber der Zeitung, das Angebot sei transparent genug. Bei dem Kaufvorgang auf einer Partnerseite werde der darauf hingewiesen, dass diese Information zu Facebook übertragen wird. Dem könne dann mit einem einfachen Klick widersprochen werden. Darüber hinaus müsse er der Veröffentlichung dieser Daten in den Facebook-Newsfeeds dann erneut zustimmen. Das ist nicht genug, meint Green. "Das Opt-out ist gut versteckt", erklärt er laut CNET News. "Es poppt für eine Sekunde auf und verschwindet dann". (vbr)