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Facebooks globale Digitalwährung Libra stößt auf Kritik

"Libra" stößt nicht überall auf Begeisterung. Mit der Kryptowährung setze Facebook seine unkontrollierte Expansion fort, meinen Kritiker.

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(Bild: Ascannio / shutterstock.com)

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Der Plan von Facebook, 2020 eine neue globale Digitalwährung namens Libra einzuführen, ist bei Politikern in den USA und Europa auf Kritik gestoßen. Die Vorsitzende des Finanzausschusses im US-Repräsentantenhaus, Maxine Waters, forderte Facebook auf, die Libra-Pläne auf Eis zu legen und die Untersuchungen der Behörden abzuwarten. Mit dem an Kryptowährung angelehnte System setze Facebook seine unkontrollierte Expansion fort und erweitere seine Reichweite auf das Leben seiner Nutzer, kritisierte die Politikerin der Demokratischen Partei.

Auch Patrick McHenry, der ranghöchste Republikaner im Finanzausschuss, beurteilte die Facebook-Pläne kritisch. "Wir wissen, dass es viele offene Fragen bezüglich des Umfangs und der Größenordnung des Projekts gibt." Es müsse geprüft werden, wie Libra mit dem globalen Finanzregulierungsrahmen vereinbar sein werde, schrieb er. "Wir müssen über die Gerüchte und Spekulationen hinausgehen und ein Forum bieten, um dieses Projekt und seine möglichen beispiellosen Auswirkungen auf das Finanzsystem zu bewerten."

Auch in Deutschland wurden kritische Stimmen laut: Der grüne Bundestagsabgeordnete Danyal Bayaz erklärte, der Vorstoß von Facebook erhöhe den Handlungsdruck für Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden, sich ernsthaft und umfassend mit digitalen Währungen zu beschäftigen. "Dazu gehören Fragen der Geldschöpfung und von Wechselkursen, aber auch Fragen wie der Schwarzgeldbekämpfung und des Verbraucher- und Anlegerschutzes."

Bei der Etablierung eines breit genutzten digitalen Zahlungsmittels müsse sichergestellt werden, dass dieses Zahlungsmittel angemessen reguliert werde. "Die Ausgestaltung darf dazu nicht in die Hände eines privaten Unternehmens gelegt werden, das bisher keiner Finanzaufsicht unterliegt." Auch der französische Finanzminister Bruno Le Maire und der CSU-Abgeordnete Markus Ferber forderten mehr Kontrolle des Technologie-Giganten. Le Maire erklärte in einem Radio-Interview, es stehe außer Frage, dass sich Libra zu einer Quasi-Landeswährung entwickeln werde. Das könne und dürfte so nicht passieren.

Die Bayrische Landesbank resümierte via Twitter, das Libra wesentliche Argumente des Bitcoin wie die Unabhängigkeit von den Entscheidungen der Notenbanken sowie Zensurresistenz fehlten. Im Kern sei es ein Bezahlsystem wie Paypal, allerdings mit der gewaltigen Nutzerbasis, die Facebook in die Waagschale werfen kann.

Das Digitalgeld mit dem Namen Libra bedient sich bei der Technik verschiedener Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Ripple für einen ganz eigenen Ansatz. Libra wird eine eigene Blockchain haben, Nutzer haben darin pseudonyme Adressen. Im derzeitigen Frühstadium könne das Netzwerk rund 1000 Transaktionen pro Sekunde abwickeln, schätzen die Entwickler. Der Bitcoin schafft nominell sieben Transaktionen pro Sekunde.

Energiehungriges Mining soll nicht erforderlich sein. Stattdessen wird es ein lenkendes Konsortium geben, die in der Schweiz beheimatete Libra Association, bei der jedes Mitglied einen Knoten im Libra-Netzwerk betreibt. Diese Knoten übernehmen dann die Transaktionsverarbeitung. Die Mitgliedschaft ist an Bedingungen wie ein Vorabinvestment von 10 Millionen US-Dollar gebunden. Mit an Bord sind Finanzdienstleister wie Paypal und Visa, Tech-Riesen wie Uber und Spotify – bemerkenswerterweise aber keine einzige Bank.

Die Software hinter Libra ist quelloffen und in der Sprache Rust geschrieben. Facebook versicherte, keinen Zugriff auf Transaktionsdaten zu nehmen – auch die Wallet-Anwendung der Facebook-Tochter Calibra solle keine Daten an die Mutter weiterreichen. Wenn Facebook aber einen Knoten im Libranetzwerk betreibt, der Transaktionen validiert, muss es schon rein technisch gesehen Zugriff auf Transaktionsdaten nehmen. Denkbar ist natürlich, dass Facebook diese nicht anderweitig verwendet. Angesichts des wenig sensiblen Umgangs mit Datenschutz, den Facebook bislang an den Tag legte, sind Zweifel durchaus angebracht.

Die Einheiten des Kryptogelds sollen mit einem Korb normaler Währung wie US-Dollar, Euro und Yen hinterlegt sein, um Kursschwankungen zu minimieren. In der Anfangszeit dürfte das Digitalgeld vor allem für Überweisungen zwischen verschiedenen Währungen eingesetzt werden. Facebook will Libra allerdings zu einem vollwertigen Zahlungsmittel für alle Situationen machen. Für Nutzer, deren Heimatwährung von hoher Inflation betroffen ist, könnte Libra auch eine interessante Fluchtwährung werden.

Für Verbraucher soll es einfach sein, das Geld zwischen Libra und anderen Währungen zu tauschen und Transaktionen damit zu tätigen. So soll man Libra-Überweisungen zum Beispiel direkt in Facebooks Chat-Diensten WhatsApp und Messenger ausführen können. Mit einer Verknüpfung zum Bankkonto sollen Libra auch direkt auf dem Smartphone in andere Währungen umgetauscht werden können. (Mit Material der dpa) / (axk)