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Fachkräftemangel: Bund lockt IT-Experten mit Zulagen und satten Prämien

Die Bundesregierung will bis zu 80.000 Euro zahlen, um Fachkräfte etwa für Informationstechnik zu gewinnen. Für BSI und Zitis stehen Zulagen an.

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Angesichts des drohenden Fachkräftemangels im öffentliche Dienst will die Bundesregierung das Besoldungsrecht anpassen. Behörden sollen bessere Karten haben, um insbesondere IT-Experten anwerben und halten zu können. Dies geht aus einem Entwurf für ein "Besoldungsstrukturenmodernisierungsgesetz" (BesStMG) hervor, den das Bundeskabinett jüngst auf den Weg gebracht hat. Der heise online vorliegende Entwurf sieht eine "Gewinnungs- und Bindungsprämie" für Fachpersonal vor, die schon den Dienstantritt versüßen soll.

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Die Prämie beläuft sich auf 30 Prozent des jeweiligen monatlichen Grundgehalts beim Einstieg und ist auf bis zu 48 Monate bemessen. Der auf einen Schlag oder in Teilbeträgen gezahlte Bonus könnte bei IT-Fachkräften bei rund 44.000 Euro brutto anfangen und bis zu 80.000 Euro reichen, hat die Beamtendachgewerkschaft DBB für den Tagesspiegel Background errechnet. Grundlage der Aufstellung sind demnach die Besoldungsstufen, die in den meisten Fällen für Informatiker zutreffen. Abweichungen nach unten oder oben seien noch möglich.

Im Gegenzug verpflichten sich die Beamten oder Berufssoldaten, während der 48 Monate den Arbeitgeber nicht zu wechseln oder weiterhin eine Funktion im jeweiligen Verwendungsbereich wahrzunehmen. In Ausnahmefällen wie bei einem "dringenden dienstlichen Interesse" darf die Auflage dem Bericht nach sogar ein zweites und ein drittes Mal ausbezahlt werden, dann allerdings nur noch mit 20 Prozent des Grundgehalts.

Pauschale monatliche Zulagen von bis zu 300 Euro sind auch für Beamte beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), bei der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (Zitis) sowie dem Informationstechnikzentrum Bund vorgesehen. Die Beschäftigten von Zitis leisten laut der Gesetzesbegründung in "der Telekommunikationsüberwachung", der Entschlüsselung und "der Massendatenauswertung" einen "wesentlichen Beitrag" zur Gefahrenabwehr und Strafverfolgung.

Zulagenberechtigt sollen auch Personen bei der Bundeswehr sein, "die mit Hauptaufgabe im Tätigkeitsfeld Computernetzwerkoperationen im Rahmen von Maßnahmen der Cyberverteidigung verwendet werden". Für "querschnittliche Aufgaben" im Bereich der Informationstechnik einschließlich der IT-Sicherheit oder allein für die Zugehörigkeit zum Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum (CIR) mit beliebigen Arbeitsaufträgen stehe diese Mehrzahlung nicht zu.

"Mit der Reform machen wir den Bund als Dienstherrn noch attraktiver: Mehr Geld für Anwärter, moderne Personalgewinnung und attraktive Zulagen sind nur einige Stichworte aus dem Maßnahmenpaket", betonte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Insgesamt will sich der Bund das Paket rund 411 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren kosten lassen. Ab 2023 sollen die jährlichen Mehrausgaben mit knapp 150 Millionen Euro zu Buche schlagen.

IT-Experten sind auch in der Wirtschaft derzeit sehr gefragt. Insgesamt steuert gerade die öffentliche Hand laut Analysten auf einen massiven Fachkräftemängel zu: Bis 2030 könnten hier 730.000 Mitarbeiter fehlen, sodass die "Handlungsunfähigkeit" des Staatsapparates drohe. Aktuell gibt es im Stellenportal des Bundes und der Länder im Bereich "IT und Telekommunikation" 285 offene Angebote. Auch von den vorgesehenen Änderungen, die noch den Bundestag und den Bundesrat passieren müssen, erwartet der DBB nur einen "kurzfristigen Effekt". Es handle sich im Kern um eine "Kompensation für jahrzehntelange Nichtanpassungen". (vbr)