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Fachkräftemangel sorgt für Spitzengehälter bei Spezialisten

Informatiker profitieren vom Fachkräftemangel: Wer hoch qualifiziert ist, kann sich seine Expertise vergolden lassen. Aber auch weniger Qualifizierte gewinnen.

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Projekt, Arbeitsplätze, Smart City, Stadt, Smartphone

(Bild: Gerd Altmann, gemeinfrei)

Der Fachkräftemangel geistert seit Jahren durch die Branchenpresse: Nicht nur Start-ups suchen mittlerweile händeringend nach qualifizierten IT-Kräften, auch die etablierte Industrie kann notwendige Stellen oft nicht selbst besetzen. Laut Zählung des Instituts für Deutsche Wirtschaft in Köln hat sich die Zahl der offenen Stellen in den vergangenen vier Jahren auf fast 40.000 verdoppelt, der Branchenverband Bitkom rechnet gar mit 55.000 offenen Stellen für IT-Spezialisten.

Den Mangel können insbesondere gut ausgebildete Fachkräfte mittlerweile auch auf der Gehaltsabrechnung sehen. So hat der Personaldienstleister Robert Half mit einer Umfrage für 2018 teilweise enorme Gehaltssteigerungen ermittelt: Demnach können Netzwerk- und Security-Administratoren mit 6,5% mehr Einkünften rechnen, Netzwerk-Administrator mit 4,8%, SAP-ABAP-Programmierer mit 4,5 Prozent.

Dabei ist das Gehaltsniveau laut Studie bereits hoch. So können grade in Führungspositionen die Gehälter auch sechsstellig werden. Der Leiter einer IT-Abteilung mit sechs bis zehn Jahren Erfahrung kann mit bis zu 120.000 Brutto-Jahresgehalt rechnen – ohne Sonderzahlungen. Ein Chief Information Officer mit über zehn Jahren Erfahrung kommt gar auf mehr als 170.000 Euro.

Solche Traumgehälter sind natürlich nur wenigen vorbehalten. Auch Gehaltserhöhungen von über fünf Prozent sind nicht repräsentativ für die Branche. So konnte Robert Half in vielen erfassten Berufen keine Steigerungen feststellen: IT-Leiter, Projektmanager und Systemadministratoren müssen demnach mit demselben Gehalt auskommen wie im Jahr zuvor. Dies liegt allerdings auch an der geringen Aussagekraft solcher Umfrage-Daten, die gerade im Jahresrhythmus enormen Schwankungen unterliegen können. Dazu liegt der Fokus der Personalvermittler auf größeren Unternehmen.

Sieht man sich jedoch bei kleineren Unternehmen um, sieht die Lage deutlich anders aus. So verzeichnet die Website Lohnspiegel.de, die vom DGB-eigenen Hans-Böcker-Institut betrieben wird, die real gezahlten Gehälter von 425 Berufen, wie sie von den Arbeitnehmern angegeben werden. Für einen Netzwerktechniker mit drei Jahren Berufserfahrung ohne Universitätsabschluss setzt die Plattform ein Jahresgehalt von unter 22.000 Euro an, wenn dieser in einem Kleinbetrieb ohne Tarifvertrag arbeitet – die Zuschläge sind hier bereits inbegriffen. Die Umfrage von Robert Half hingegen sieht in dem Bereich selbst für Berufsanfänger ein Grundgehalt von über 38.000 Euro vor.

Steigen die Gehälter auch für Arbeitnehmer an, die sich nicht auf die grade lukrativen Jobs spezialisiert haben, sondern zum Beispiel nur eine Fachinformatiker-Ausbildung abgeschlossen haben? Noch im Jahr 2010 hatte der Arbeitsmarktforscher Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin noch bezweifelt, dass es einen nachhaltigen Fachkräftemangel gibt. Ein Indiz: Trotz der viel beklagten offenen Stellen waren die Arbeitgeber offenbar nicht bereit, die Gehälter der Fachkräfte wesentlich zu erhöhen.

Inzwischen hat sich die Lage jedoch geändert. So kann die IG Metall in ihrer jährlich erstellten Gehaltsübersicht nach jahrelanger Stagnation seit 2012 wieder eine deutliche Steigerung der Gehälter bei den Beschäftigten IT-Bereich feststellen. Auch die Gewerkschaft kommt hier in allen erfassten Berufsgruppen auf Jahresgehälter von mehr als 40.000 Euro – Zuschläge sind hier mitgerechnet. Auch die IG Metall stellt sechsstellige Gehälter fest: Auf 102.768 € Euro kam ein IT-Leiter laut der Statistik im Jahr 2016 – bei einer 35-Stunden-Woche. Angestellte von nicht-tarifgebundenen Unternehmen verdienen laut dieser Erhebung allerdings 12,5 Prozent weniger pro Stunde – arbeiten dafür aber durchschnittlich länger.

Zuletzt betrugen die Gehaltssteigerungen laut IG Metall für IT-Mitarbeiter im Schnitt zirka drei Prozent pro Jahr – dank der geringen Inflation eine spürbare Reallohnsteigerung. Auch der IT-Branchenverbandes Bitkom kommt für die verschiedenen Segmenten der IT-Industrie auf eine nominale Gehaltssteigerung um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Gestützt wird dies durch die Zahlen des Bundesamts für Statistik. Demnach verdienen die Beschäftigten in den Kategorien "Informationsdienstleistungen" und "Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie" im Jahr 2018 acht beziehungsweise sieben Prozent mehr als noch 2015. (Torsten Kleinz) / (jk)

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