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Fälschungssichere WM-Tickets vorgestellt

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Während sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in einem Spiel gegen Italien nicht unbedingt in weltmeisterlicher Form präsentierte, wurden in Kaiserslautern die WM-Tickets vorgestellt. Dort testeten die WM-Teilnehmer USA und Polen ihre Form. Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des WM-Organisationskommitees, übergab 100 Tage vor Beginn der WM die grüngelben Tickets dem immer noch unbehosten Goleo und gab sich dabei sehr selbstbewusst: "Ich behaupte kühn, die Karten sind nicht zu fälschen."

Die 3,07 Millionen WM-Tickets sind ein zentrales Steuerungsmittel bei den Sicherheitsvorbereitungen der Fußball-WM (PDF-Datei). Optisch sind die mit Barcode, Hologramm und RFID-Chip abgesicherten WM-Tickets gelungen. Eine grüne Welle steht dabei nicht für schlecht gepflegten Buckelrasen, sondern für die von der WM 1986 zu uns herübergeschwappte Begeisterungswellenübung "La Ola". Die auf Englisch bedruckten Tickets (nur die Nahverkehrsinformationen sind auch auf Deutsch) enthalten genaue Angaben zum Spiel bis hin zur Nummer des Sitzplatzes im Stadion. Außerdem ist der Name des Fußballfans aufgedruckt, der das Ticket gekauft hat. Entsprechend gilt das Ticket nur mit vorgezeigtem Reisepass oder Personalausweis und soll schon deshalb Mehrwert abwerfen, weil der Name "das Billet somit auch zu einem begehrten Sammlerstück und individuellen Souvenir werden lässt", heißt es beim WM-OK.

Auf dem RFID-Chip selbst befinden sich nur eine Bestellnummer und "Fan-Informationen", mit deren Hilfe gegnerische Fans frühzeitig getrennt werden sollen. Die Bestellnummer selbst wird beim Eintritt online mit einer Datenbank abgeglichen, in der die Personendaten samt Ausweisnummer stehen. Diese Datenbank selbst wird wiederum laufend mit den in- wie ausländischen Hooligan-Datenbanken abgegelichen, etwa der deutschen Zentraldatei "Gewalttäter Sport".

Über den komplizierten, datenschutzrechtlich immer noch umstrittenen Online-Bestellprozess ist schon viel geschrieben worden. Mit "Ich, Artur, zwei Tickets" gibt es bereits einen kleinen Roman, in dem ein Deutschrusse Schwierigkeiten mit dem Verfassungsschutz bekommt, weil sein "f" auf der Tastatur bei der Bestellung prellte. Derzeit gelten 2,7 Millionen von den 3,07 Millionen WM-Tickets als "verkauft". In dieser Zahl sind freilich die vielen Sponsoren-Tickets enthalten, die von den Firmen noch zurückgegeben werden können. Als verkauft gelten auch 346.000 Premiun-Tickets, die bis zu 336.000 Euro teuer sein können, wenn man das entsprechende First-Class-Catering mit bestellt. Hier sollen noch große Kontigente frei sein.

Seit dem 15. Februar werden alle Rückläufer aus "Rückgaben, Zahlungsfehlschlägen und finalisierten Stadionplänen" in der so genannten vierten Phase frei gehandelt. Da die Ticketkontingente ziemlich unregelmäßig auf den FIFA-Bestellseiten auftauchen, gibt es mit dem WM-Ticketwächter von Mainhatten Software bereits Lösungen, die fortlaufend das Angebot überwachen.

Zur Vorstellung der WM-Tickets machte das Organisationskommitee keine Angaben zur Ticket-Umtauschbörse, die am 20. März Online gehen soll. Von dem Verfahren dieser Tauschbörse hängt es ab, ob Tickets überhaupt frei gehandelt werden können. Hier ist eine Klage beim Frankfurter Amtsgericht anhängig, nachdem ein Essener Fußballfan auf eBay für 880 Euro Tickets für das Viertelfinalspiel auf Schalke ersteigert hatte, die regulär für 110 Euro verkauft worden waren. Während das FIFA-OK dem Mann als "Schwarzmarkthändler" den Eintritt verbieten will, argumentiert dieser mit dem Recht, mit bezahlter Ware machen zu können, was er will. Im Verfahren hat Amtsrichter Jens Rüger bereits festgestellt, dass es sich bei der eBay-Auktion nicht um Schwarzmarkthandel handelte. Nun ist die FIFA gehalten, schriftlich vorzulegen, wie die Tauschbörse programmiert ist, um den freien Handel nicht zu beeinträchtigen. Eine Entscheidung will das Amtsgericht am 20. April verkünden. (Detlef Borchers) / (anw)