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Autonome Autos: Fahrerloser LKW dient als rollende Barrikade

Ein unbemannter LKW fährt Straßenbau-Trupps hinterher und dient so als Rammschutz. Das System wurde für das Militär entwickelt. Nun ist eine zivile Variante verfügbar.

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Beschädigter Anpralldämpfer

Dieser Anpralldämpfer musste seinen Zweck erfüllen.

(Bild: Highways England CC BY 2.0)

Fahrerlose Lkw können Personen schützen, die an befahrenen Straßen Markierungen anbringen, Verkehrsleitkegel aufstellen oder ähnliche Arbeiten verrichten. Das System besteht aus einem von einem Menschen gesteuerten LKW und einem fahrerlosen Rammschutzfahrzeug, das mit Sicherheitsabstand folgt. Tests in Großbritannien und Colorado seien erfolgreich verlaufen, berichtete die US-Firma Kratos auf der Drohnenmesse Xponential am Montag in Denver.

Das erste Autonomous Impact Protection Vehicle der USA im Einsatz in Colorado. Es folgt dem vorausfahrenden Leitfahrzeug, das von einem Menschen gelenkt wird.

(Bild: CDOT)

Kratos bietet einen Umrüstbausatz namens M-PAK für Lkw an, der in der Größenordnung von 150.000 US-Dollar kostet. Ursprünglich hatte Kratos das System zur Koppelung eines Leitfahrzeugs mit unbemannten Folgefahrzeugen für das Militär entwickelt: Das Leitfahrzeug funkt dabei laufend seine genaue Position an die nachfolgenden Fahrzeuge, die die virtuelle Spur genau nachfahren. Reißt der Funkkontakt ab oder schlägt die GPS-Positionierung fehl, bleibt das fahrerlose Kfz stehen.

(Quelle: Colas/CDOT)

Dasselbe gilt, wenn das Leitfahrzeug anhält, oder die am Folgefahrzeug angebrachte Kamera ein Hindernis entdeckt, etwa einen anderen Verkehrsteilnehmer, der sich zwischen Leit- und Folgefahrzeug eingefunden hat. Zusätzlich werden in der zivilen Ausführung außen am Rammschutzfahrzeug Notbremsknöpfe angebracht, die jedermann drücken kann. Das übliche Fahrttempo beträgt zehn bis 25 Kilometer pro Stunde.

Gefährlicher Beruf soll seltener werden

Schon bisher folgt bei mobilen Straßenarbeiten dem eigentlichen Arbeitstrupp ein Rammschutzfahrzeug. Es soll nachfolgende Lenker warnen und zum Ausweichen bewegen, dient aber vor allem als Rammschutz.

(Quelle: CDOT)

Doch die Chauffeure leben gefährlich. Laut dem Verkehrsministerium Colorados (CDOT) gibt es in dem US-Staat etwa sechs mal pro Jahr einen einschlägigen Auffahrunfall, in Texas sogar durchschnittlich einen pro Woche. Die Fahrer werden oft verletzt und kommen manchmal sogar zu Tode, weshalb ihr Beruf als gefährlichster Job im US-Straßenbau gilt. Das fahrerlose System weckt die Hoffnung, bald weniger Fahrer diesem Risiko aussetzen zu müssen.

Kratos hat den Bausatz gemeinsam mit dem LKW-Aufarbeiter Royal, dem britischen Straßenerhalter Colas und CDOT entwickelt und getestet. Die Abweichung quer zur Fahrtrichtung soll stets maximal zehn Zentimeter in einer Richtung betragen. Nur in Kurven gibt es noch höhere Abweichungen. Das System eignet sich also für Verkehrswege mit etwas Spielraum, wie Autobahnen und Landstraßen, aber noch nicht für enge Gässchen in Innenstädten. Dort werden die Straßenbauarbeiten aber sowieso anders organisiert.

(ds)

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