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Fairphone-Produktion in China: Mehr Fairness am Fließband

Als kleiner Kunde kann Fairphone seinem Auftragsfertiger Hi-P nicht die Arbeitsbedingungen vorschreiben. Ein Besuch in der Fabrik zeigt: Verbesserungen hat das Start-up trotzdem erreicht.

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Fairphone-Produktion in China: Mehr Fairness am Fließband

(Bild: Jonathan Browning / c't)

Für normale Hersteller gilt: Hauptsache, das neue Smartphone kommt rechtzeitig vor Weihnachten auf den Markt. Falls nötig wecken die chinesischen Auftragsfertiger einfach ein paar Tausend ihrer Arbeiter mitten in der Nacht, für eine spontane Zwölf-Stunden-Schicht am Fließband – wie laut New York Times vor ein paar Jahren bei einem Apple-Zulieferer.

Fairphone tickt anders. Das niederländische Start-up will beweisen, dass man Smartphones in China auch unter besseren Arbeitsbedingungen herstellen kann als allgemein üblich. Ohne exzessive Überstunden und spontane Nachtschichten, wie c't in Ausgabe 1/16 berichtet.

Fairphone-2-Produktion bei Hi-P (24 Bilder)

Hi-P produziert das Fairphone 2 in Suzhou in der Nähe von Shanghai. Hier entstehen auch viele Komponenten, zum Beispiel die Kunststoffteile.
(Bild: Jonathan Browning / c't)

Deshalb mussten nun einige Tausend Fairphone-Käufer auf ihre Weihnachtsbescherung verzichten. Sie hatten das Fairphone 2 schon im Sommer bestellt und sollten es eigentlich vor dem 24. Dezember erhalten. Doch Fairphone musste aufgrund von Problemen mit Komponenten den Start der Produktion beim Auftragsfertiger Hi-P verschieben. Mit Überstunden und Zeitarbeitern hätte Hi-P die Verzögerung zum Teil wettmachen können – doch Fairphone entschied sich bewusst dagegen.

Das Beispiel zeigt, wie Fairphone versucht, die Arbeitsbedingungen in seiner Lieferkette zu verbessern. Das Start-up hat aufgrund der geringen Stückzahlen nicht die Macht, seinen Zulieferern die Bedingungen zu diktieren. Doch Fairphone kann die Arbeiter entlasten, wenn die Kunden Verzögerungen in Kauf nehmen.

Fairphone-Produktion bei Hi-P (Video: Jonathan Browning / c't)

Ein weiteres Beispiel: Fairphone lässt die Kunststoff-Rückseite des Fairphone 2 nicht sprühlackieren, damit die Arbeiter mit so wenigen potenziell gesundheitsgefährdenden Stoffen in Berührung kommen wie möglich. Der Nachteil: Die unlackierten Rückseiten verkratzen schnell. Doch Fairphone hofft, dass die Kunden die Schönheitsfehler tolerieren, wenn sie die Gründe dafür kennen.

Wie beim ersten Fairphone-Modell zahlen das Start-up und der Auftragsfertiger außerdem für jedes verkaufte Gerät 5 US-Dollar in einen Fonds für die Arbeiter ein. Wie beim Fairtrade-System bestimmen die Arbeiter demokratisch, wofür sie das Geld verwenden wollen.

Die wichtigste Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei Hi-P hat allerdings nicht allein Fairphone zu verantworten. Auch andere internationale Kunden hatten den Auftragsfertiger gedrängt, die Arbeitszeiten zu reduzieren und gleichzeitig die Löhne zu erhöhen. Im August setzte Hi-P den Vorschlag um. Seitdem liegt die maximale Arbeitszeit bei 60 Stunden pro Woche statt bei 66.

Die vollständige Reportage über die Fairphone-Produktion in China lesen Sie in c't 1/16 (ab sofort am Kiosk, in der App und als PDF verfügbar):

(cwo)