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Fake News & Co: Wie Google Desinformation bekämpft

Unternimmt Google zu wenig gegen Falschnachrichten? Auf der Münchener Sicherheitskonferenz hat das Unternehmen seine Maßnahmen vorgestellt.

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(Bild: dpa, Christoph Dernbach)

Google hat am Samstag auf der Münchener Sicherheitskonferenz dargelegt, wie das Unternehmen gegen Desinformation bei Google Search, Google News, YouTube und auf seinen Werbeplattformen vorgeht. In dem White Paper "How Google fights Disinformation" beschreibt das Unternehmen ein Konzept, das auf den drei Säulen Priorisierung von Informationsqualität, Aufhalten "bösartiger Akteure" und der Zurverfügungstellung von mehr Kontextinformationen für den Benutzer beruht. Außerdem fördere Google aktiv Qualitätsjournalismus, unterstütze Fakten-Checker und arbeite mit Wissenschaftlern zusammen.

Wie Google in seinem Papier ausführt, gebe es verschiedene Motivationen zur Verbreitung von Desinformation. Neben der politischen Motivation zur gezielten Beeinflussung von politischen Willensbildungsprozessen, könne das Verbreiten von Falschinformationen finanzielle Interessen verfolgen. Außerdem würden Falschinformationen aus Spaß von "Trollen" verbreitet.

Gegen die Verbreitung von solch motivierten Falschinformationen gebe es jedoch kein Patentrezept, schreibt Google. Es sei sowohl für Menschen als auch Maschinen schwierig, die genaue Intention hinter einer Nachricht oder einer Kampagne zu erfassen. Deshalb setze Google drei Strategien ein, die unabhängig von einer Bewertung der Intention die Verbreitung von Falschinformationen über Googles Services eindämmen sollen.

Zunächst setzt Google auf Ranking-Algorithmen, die die Content-Qualität einer Nachricht ermitteln und den Artikel entsprechend bei Google News oder Google Search listet. Nach Angaben von Google seien diese Ranking-Algorithmen ideologiefrei angelegt worden.

Als weitere Strategie setzt Google auf die Erkennung "bösartiger Akteure". Darunter fallen Content-Ersteller, die gezielt Benutzer täuschen wollen, um sich beispielsweise ein besseres Ranking bei Google News, Google Search oder YouTube zu verschaffen. Die dabei angewendeten Taktiken würden häufig auch zur Verbreitung von Falschinformationen genutzt. Google habe deshalb intelligente Systeme entwickelt, um diese Form der Ranking-Manipulation zu erkennen und Content entsprechend herabzustufen. Außerdem bewerten Googles Systeme automatisiert, inwieweit sich ein Urheber transparent gibt oder seine wahre Identität zu verschleiern sucht. Google weist darauf hin, dass übergreifend in den Nutzungsbedingungen der Google Services definiert sei, was erlaubt ist und was nicht.

Als dritte Strategie setze Google darauf, den Nutzern bei Suchergebnissen mehr Kontextinformationen zu einem Thema an die Hand zu geben. Durch zusätzliche Links auf weitere Artikel sowie Videos sollen die Anwender sich ein eigenes Urteil bilden können. Bei Fehlern hätten die Benutzer die Möglichkeit, sie an Google zu melden.

Ohne die Zusammenarbeit mit externen Partnern würde es jedoch nicht funktionieren, schreibt Google in dem Papier. Deshalb arbeite man bereits seit mehreren Jahren daran, News-Redaktionen und Qualitätsjournalismus in aller Welt zu fördern. Google verweist dabei auf die im März 2018 gestartete und auf drei Jahre angelegte Google News Initiative (GNI), die mit rund 300 Millionen US-Dollar ausgestattet dabei helfen soll, Qualitätsjournalismus zu verbessern und Nachrichtenorganisationen durch technische Innovationen zu stärken. 25 Millionen Dollar davon waren als Innovationszuschüsse für YouTube vorgesehen, um Nachrichtenorganisationen beim Aufbau nachhaltiger Video-Channels zu fördern.

Darüber hinaus unterstütze Google verschiedene Organisationen, die Fakten checken, wie etwa das International Fact Checking Network oder die Non-Profit-Organisation First Draft Coalition, die Nachrichtenorganisationen und IT-Unternehmen zusammenbringt, um Desinformation besser bekämpfen zu können.

Zusätzlich unterstützt Google die Arbeit von Forschern, die sich mit Fragen der Desinformation und des Vertrauens in den Journalismus auseinandersetzen, indem sie deren Forschung finanziert.

Für zukünftige Taktiken sieht sich Google gut gerüstet. Wie das Unternehmen mitteilte, habe es in den vergangenen Jahren massiv investiert, um Desinformationskampagnen beispielsweise vor Wahlen zu erkennen und einzudämmen. Dazu überprüfe Google auch verstärkt Wahlwerbung, die auf seinen Werbeplattformen geschaltet wird.

In Zukunft wolle man vor allem neue Entwicklungen im Bereich der Falschnachrichten beobachten wie etwa Synthetic Media, das KI-gestützte Generieren von Video- und Audio-Content, um realistisch wirkendes Material zu erzeugen.

Ende Januar hatte die EU-Kommission Google und Facebook darauf hingewiesen, zu wenig gegen die Verbreitung von Falschinformationen auf ihren Plattformen zu unternehmen. Beide Konzerne hatten im September 2018 freiwillig den Verhaltenskodex zum Kampf gegen "Fake News" unterzeichnet. (olb)