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Falsche Abruf-Zahlen: Facebook soll 40 Millionen Dollar zahlen

Werbetreibende hatten dem Konzern vorgeworfen, die Wirkung von Videos übertrieben zu haben. Nun gibt es einen Vergleich.

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(Bild: Derick Hudson/Shutterstock.com)

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Facebook hat sich in einem gerichtlichen Vergleich mit klagenden Werbekunden geeinigt. Diese hatten Facebook vorgeworfen, sie über die Sehdauer von Videos aus der Plattform belogen zu haben.

Den Fehler hatte Facebook selbst bereits im Herbst 2016 eingeräumt. Demnach wurde die durchschnittliche Sehdauer der auf der Plattform veröffentlichten Videos um 60 bis 80 Prozent zu hoch angegeben. Statt die Sehdauer aller Videoabrufe zu berücksichtigen, zählten die Algorithmen nur die Abrufe, die nicht schon in den ersten drei Sekunden weggeklickt wurden. Da viele Nutzer Videos meist schnell wegklicken, wurden die Werte somit extrem verfälscht. Insgesamt soll Facebook 18 Monate lang die falschen Zahlen ausgewiesen haben.

Obwohl Facebook den Fehler eingeräumt und die Kunden informiert hatte, wollten einige Unternehmen dies nicht auf sich beruhen lassen und reichten in Kalifornien eine Sammelklage ein. Sie unterstellten, dass in typischen Fällen die Fehlausweisung 150 bis gar 900 Prozent betragen habe. Die Kläger warfen dem Online-Konzern zudem vor, intern schon lange von dem Fehler gewusst zu haben. Facebook hingegen führte an, dass den Werbekunden durchaus genügend andere korrekte Informationen zur Verfügung standen und dass sich die falsche Metrik nicht auf bezahlte Werbeclips ausgewirkt habe. Das Unternehmen habe die Kunden sofort informiert, als der Fehler bekannt wurde.

Facebook hat laut San Jose Mercury News nach drei Jahren Rechtsstreit einem Vergleich in Höhe von 40 Millionen Dollar zugestimmt. Gleichzeitig besteh der Konzern darauf, dass er mit der Zahlung kein Fehlverhalten einräume. Der Vergleich muss noch vom kalifornischen Bundesgericht bestätigt werden.




Der Streit über die Facebook-Metriken sorgte unter anderem deshalb für Aufsehen, weil sich in dem Zeitraum, in dem Facebook die zu hohen Zahlen ausgewiesen hatte, viele US-Medien zu einem "pivot to video" entschlossen hatten. Statt weiter auf Textbeiträge zu setzen, konzentrierten sie sich ganz darauf, Videobeiträge zu publizieren, um den vermeintlich geänderten Konsumgewohnheiten entgegenzukommen. Eine gewaltige Fehlkalkulation: Hunderte Angestellte wurden entlassen. Einige Angebote mussten sogar ganz schließen. Inwieweit hierfür die Facebook-Statistik eine Rolle spielte, ist im Nachhinein allerdings nicht mehr zu klären. (anw)