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Fedora 28 veröffentlicht: stromsparende Linux-Distribution mit Gnome 3.28 und modularem Server

Die Linux-Distribution Fedora aktiviert in ihrer neuen Version 28 selbstständig einige Stromsparmechanismen, unterstützt die Sicherheitslevel von Thunderbolt 3, bietet ein vereinfachtes Installationsprogramm und versteht sich auf Anhieb mit VirtualBox.

Fedora 28 veröffentlicht: Gnome 3.28, stromsparend und als Server modular

(Bild: Fedora Project, Red Hat)

Das Fedora-Projekt hat eine neue Version seiner Linux-Distribution freigegeben. Wie bereits die Vorgänger gibt es auch Fedora 28 in verschiedenen Geschmacksrichtungen: Während die Workstation-Version als Desktop-Betriebssystem konzipiert ist, fühlt sich Fedora Server im Rechenzentrum wohl.

Unter der Bezeichnung Atomic gibt es zudem noch auf den Cloud-Betrieb zugeschnittene Fedora-Ausgaben. Sämtliche Varianten nutzen die gleichen Basispakete, zu denen in Fedora 28 die Glibc 2.27 und die Binutils 2.29.1 gehören. Unter der Haube werkelt der aktuelle Linux-Kernel 4.16.

Als Desktop-Umgebung setzt Fedora 28 Workstation standardmäßig auf Gnome 3.28. Wer dessen Bedienkonzept nicht mag, kann zu einer von mehreren Workstation-Varianten mit alternativen Desktop-Umgebungen greifen. Diese sogenannten "Spins" gibt es wahlweise mit Cinnamon 3.6.8, KDE Plasma 5.12, LXDE 0.99, LXQt 0.11.1, Mate 1.20, Xfce 4.12 sowie Sugar on a Stick (SoaS) 0.112, das eine vereinfachte kinderfreundliche Benutzeroberfläche bietet. Alle genannten Desktop-Umgebungen lassen sich bei Bedarf auf jedem Fedora-System nachinstallieren.

In jedem Fall erhalten Anwender das aktuelle LibreOffice 6.0 sowie Firefox 59. Programmierer freuen sich über GCC 8, Boost 1.66.0, GHC 8.2, PHP 7.2, Ruby 2.5, Django 2.0, Golang 1.10 und Erlang 20. Fedora 28 unterstützt zudem erstmals die Sicherheitslevel von Thunderbolt 3.

Das Installationsprogramm der Workstation-Ausgabe haben die Entwickler entschlackt. So richtet Fedora 28 das Netzwerk selbstständig ein und überlässt dem in Gnome enthaltenen Assistenten namens "gnome-initial-setup" das Anlegen eines ersten Benutzerkontos. Über das dabei vergebene Passwort lassen sich via "sudo" Root-Rechte erlangen. Wie der Konkurrent Ubuntu legt Fedora 28 kein eigenes Benutzerkonto für "root" mehr an. Das abgespeckte Installationsprogramm existiert allerdings nur in der Fedora Workstation-Fassung mit Gnome-Desktop. In allen übrigen Spins und dem Server dürfen Anwender bei der Installation weiterhin das Netzwerk einrichten und müssen zudem ein Benutzerkonto sowie ein Root-Passwort vorgeben.

Um die Laufzeit von Notebooks zu erhöhen, aktiviert Fedora 28 selbstständig mehrere Stromsparmechanismen. So legt die Distribution USB-Bluetooth-Empfänger bei Nichtgebrauch automatisch schlafen. Auf Intel Mobile-Chipsätzen nutzt die Distribution bei SATA-Datenträgern standardmäßig das Aggressive Link Power Management, was dem Fedora-Wiki zufolge rund 1,5 Watt einsparen soll. Auch den Intel HDA Audio-Codec schaltet Fedora nach einer Sekunde Untätigkeit in einen Stromsparmodus, was noch einmal rund 0,4 Watt spart.

Wer Fedora in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox betreiben wollte, musste bislang manuell die Guest Additions installieren. Die rüsten unter anderem einen passenden Grafikkartentreiber nach und ermöglichen einen einfacheren Datenaustausch mit dem Host. Fedora 28 installiert jetzt automatisch die VirtualBox Guest Additions, der Linux-Kernel enthält zudem bereits die passenden Kernel-Module. Damit vereinfacht sich die Inbetriebnahme in einer virtuellen Maschine deutlich.

Gnome Software bietet direkt nach seinem Start an, vier besonders populäre Repositories von Drittanbietern zu aktivieren. Diese offerieren den Browser Google Chrome ("google-chrome.repo") die Python-Entwicklungsumgebung PyCharm ("_copr_phracek-PyCharm.repo"), den Steam Client ("rpmfusion-nonfree-steam.repo") und die proprietären Grafikkartentreiber von Nvidia ("rpmfusion-nonfree-nvidia-driver.repo"). Wer das Angebot zunächst ausschlägt, kann die Repositories jederzeit in der Paketquellenverwaltung mit einem Mausklick hinzuholen.

Fedora 28 Workstation ersetzt die Fotoverwaltung Shotwell durch dessen Konkurrenten Gnome Photos. Die Darstellung von Emojis übernimmt jetzt standardmäßig die Schriftart Noto Color Emoji, die den Unicode-Standard 10.0 unterstützt.

Unter Gnome öffnen Anwender per [Strg]+[Umschalt]+[e] den IBus Emojier, über den sich schnell Emojis auswählen lassen. In Fedora 28 kann man erstmals auch über die Eingabe des entsprechenden Unicode-Namens nach dem passenden Emoji fahnden. Die Eingabe von "COPYRIGHT SIGN" erzeugt beispielsweise das Unicode-Symbol U+00A9, was wiederum dem Copyrightzeichen entspricht.

"Authselect" übernimmt ab sofort die Konfiguration von PAM und der "nsswitch.conf". Es ersetzt damit das bislang genutzte "authconfig". Ein mitgeliefertes Kompatibilitätswerkzeug hilft beim Umstieg auf "authselect". Die TCP Wrappers gelten zudem als veraltet (deprecated) und sollten nicht mehr verwendet werden.

Der Fedora 28 Server unterstützt erstmals offiziell die AArch64-Architektur. Darüber hinaus enthält er die ersten Ergebnisse der Modularity-Initiative, die dem System einen modularen Aufbau verpassen möchte. Administratoren sollen so einfacher auf alternative Softwareversionen umschwenken und beispielsweise eine ganz bestimmte Node.js-Version erzwingen können. Ursprünglich sollte bereits die Server-Edition von Fedora 27 einem modularen Aufbau folgen. Einige Probleme verhinderten jedoch nicht nur die Einführung, sondern machten auch eine Überarbeitung des Modulkonzepts notwendig.

Die Grundlage des nun in Fedora 28 umgesetzten Ansatzes bilden die drei neuen Repositories „modular“, „modular-updates“ und „modular-testing“. Diese bieten zusätzliche Versionen einiger Softwarepakete an. Node.js steht dort etwa in den drei Versionen 6.13.1, 8.10.0 und 9.8.0 bereit. Zwischen ihnen wechseln Administratoren bequem mit dem eigens dafür angepassten Paketmanager "dnf". Beispielsweise holt der Befehl "dnf install @nodejs:6" die Version 6.13 von Node.js auf die Festplatte. Derzeit ist die Softwareauswahl allerdings noch recht begrenzt. So offeriert das "modular"-Repository mit Nodejs, Npm, Django, dem Python Markdown-Modul und dem Review Board im Wesentlichen nur ein paar Werkzeuge für die Webentwicklung. Wer die zusätzlichen Repositories deaktiviert, erhält automatisch ein System mit den Standardpaketen.

Als Wirtsystem für Container-Anwendungen steht eine Atomic Host genannte Fedora-Variante bereit, die aus einem extrem schlanken Basissystem besteht. Neu in Fedora 28 Atomic Host ist Kubernetes 1.9, das beim Verwalten der Container hilft. Neue Fedora-Versionen erscheinen in der Regel halbjährlich. Obwohl die Fedora-Entwickler dafür berüchtigt sind, ihre selbstgesteckten Veröffentlichungstermine nicht einzuhalten, erschien die Version 28 erstaunlicherweise pünktlich am 1. Mai. Alle genannten Varianten stehen auf der Website des Fedora-Projekts zum Download bereit. (Tim Schürmann) / (olb)

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