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Fedora-Projekt plant neue Führungsstruktur

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Nachdem Red Hat vor 10 Monaten die Gründung einer Stiftung zur Leitung des Fedora Project ankündigte, kommt es jetzt doch anders: Ein aus fünf Red-Hat-Mitarbeitern und vier im Fedora-Umfeld bekannten Community-Mitgliedern bestehendes "Fedora Project Board" soll in Zukunft statt der Stiftung die Führung des Projekts übernehmen.

Mark Webbink, Deputy General Counsel bei Red Hat, hatte im vergangenen Juni die Fedora Foundation auf dem Red Hat Summit angekündigt. Er wollte durch diesen Schritt mehr Programmierer zur Mitarbeit am Projekt animieren und Kritiker beruhigen, die den Einfluss des Distributors bei Fedora als zu groß ansehen. Der Prozess zur Gründung der Stiftung sei auch angelaufen, dann aber aus verschiedenen Gründen gestoppt worden.

So hatte Red Hat die Stiftung eigentlich als gemeinnützig geplant; nach amerikanischem Recht hätte sie laut der Ankündigung dann neben dem von Red Hat eingebrachten Geld zumindest zu einem Drittel durch externe Zuwendungen finanziert werden müssen. Es sei absehbar gewesen, dass dies alleine schon durch die Kosten der Webserver zur Verbreitung der Linux-Distribution Fedora Core wohl nicht funktioniert hätte – andere Aufwendungen, wie die Löhne der an der Linux-Distribution Fedora Core arbeitenden Entwickler, wurden in einem Rechenbeispiel gar nicht erst berücksichtigt. Die Idee mit der Stiftung habe man daher verworfen.

Über das Fedora Project Board möchte man die Community jetzt jedoch stärker einbinden. Red-Hat-Mitarbeiter halten in dem Gremium bewusst die Mehrheit; der ebenfalls beim Distributor beschäftigte Board-Vorsitzende Max Spevack hat sogar ein Veto-Recht, was er jedoch nur spärlich verwenden wolle. Eine solche Kontrolle von Fedora durch Red Hat wäre wohl auch bei der Fedora Foundation ausgeübt worden, da das Geschäftsmodell des Linux-Spezialisten stark von Fedora abhänge.

Unterdessen wurde auch die nicht unumstrittene Aufnahme der zu .NET kompatiblen Laufzeitumgebung Mono in Fedora Core genauer erklärt: Greg DeKoenigsberg, Community Relations Manager bei Red Hat und einer der treibenden Kräfte im Fedora-Projekt, legte die genauen Gründe in seinem Blog dar. So böte das im vergangen November gestartete Netzwerk zur Patent-Abwehr (Open Invention Network, OIN) nun ausreichend Schutz vor Patentansprüchen rund um Mono, nachdem Novell einige Patente einer bankrotten Firma übernahm und in den Patent-Pool einbrachte.

Mittlerweile engagieren sich auch andere Firmen als Red Hat rund um Fedora – so hat der unter einer E-Mail-Adresse von SGI schreibende Prarit Bhargava heute eine inoffizielle Itanium-Variante des vor Kurzem freigegebenen Fedora Core 5 auf einer Mailingliste angekündigt. (thl)