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Fehlstart für P2P-Fernsehen

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Nach einem zweijährigen Rechtsstreit mit Premiere hat die Telecontrol Unterhaltungselectronic AG ( TCU) das Programm "Cybersky" am Freitag zum Download frei gegeben. Doch wer auf das versprochene "Realtime-TV in hoher Qualität" gehofft hatte, wurde enttäuscht – die User bekamen lediglich eine nicht funktionierende Betaversion der Software zu sehen.

Bereits für Ende des Jahres 2004 hatte die Koblenzer Softwarefirma ein Programm angekündigt, das Fernsehausstrahlungen nach dem Vorbild von Peer-to-Peer-Tauschbörsen von User zu User kostenlos weiterreichen sollte. Doch der Bezahlfernseh-Anbieter Premiere fürchtete, dass eine solche Technik zur Weitergabe kostenpflichtiger Inhalte genutzt werde und erreichte eine Einstweilige Verfügung gegen den Vertrieb der Software. Am 13. Juni gab das Landgericht Hamburg Premiere ein weiteres Mal Recht, die Einstweilige Verfügung gegen das Programm und bestimmte Werbeaussagen der TCU wurden bestätigt.

Dieses Urteil deutete TCU-Manager Guido Ciburski zu seinen Gunsten um: Da Premiere eine Sicherheitsleistung von 500.000 Euro hinterlegen müsste, um das Urteil vollstrecken zu lassen bevor es rechtskräftig wird, sei die TCU nun frei den Vertrieb des Programms zu starten. Auf Anfrage von heise online räumte Ciburski allerdings ein, dass Premiere jederzeit die Vollstreckung des Urteils durchsetzen könne. Mittlerweile habe die TCU bereits Vertriebsvereinbarungen mit anderen Firmen geschlossen, die von einem solchen Urteil nicht betroffen seien. TCU arbeitet derzeit an der Berufungsbegründung gegen das Hamburger Urteil und will mit einem weiteren Antrag die Einstweilige Verfügung zu Fall bringen. Zwischen den Parteien ist streitig, ob Premiere über ein Kopierschutzsignal die Weiterleitung des eigenen Programms verhindern kann. Per Pressemitteilung kündigte Ciburski vor zwei Wochen an, die "erste Software, die Peer-to-Peer-Technologie eingesetzt hat, um über das Internet Realtime-TV in hoher Qualität zu streamen" parallel zur Internationalen Funkausstellung zu veröffentlichen.

Doch wer sich am Freitagabend das Programm "Cybersky" herunterlud, wurde enttäuscht. Nach über zwei Jahren Entwicklungszeit gibt es immer noch lediglich eine Betaversion der Software mit der Bezeichnung "0.8.x". Am Abend hatten viele Nutzer Probleme, sich mit dem Zentralserver zu verbinden, der die Clients über zur Verfügung stehende Streams informiert. Doch auch wer diese Hürde gemeistert hatte, bekam keine hochqualitativen Fernsehstreams zu Gesicht. Im Support-Forum gaben nur wenige Nutzer an, kurzzeitig Töne oder Bilder empfangen zu haben – bei den meisten Testern gab es jedoch nichts zu sehen oder hören.

Die Betreiber veröffentlichten am Samstag mehrere neue Versionen der Software – ohne jedoch eine wesentliche Verbesserung zu erreichen. Zwar scheint die Verbindung zum Zentralserver bei einigen Nutzern besser zu funktionieren – die vom Betreiber eingespeisten Testsendungen konnte jedoch keiner der Nutzer im Support-Forum empfangen. Beim mehreren Tests von heise online blieb der Datenpuffer des Programms komplett leer, auch der Aufzeichnungsmodus des Programms lieferte keine Ergebnisse.

Das Live-Streaming von Fernsehprogramme ist technisch schwieriger zu lösen als gewöhnliche P2P-Übertragungen, da hier die Datenpakete zeitnah in der richtigen Reihenfolge übermittelt werden müssen – Techniken wie Bittorrent haben den Vorteil, dass sie verschiedene Teile einer angeforderten Datei von unterschiedlichen anderen Nutzern beziehen können. Dennoch gibt es mittlerweile eine Reihe von Programmen wie Sopcast oder PPLive, die nach dem Peer-to-Peer-Prinzip Fernsehprogramme weiterverteilen. Besonders während der Fußballweltmeisterschaft waren diese Programme beliebt, da sie es ermöglichten Übertragungen von Fußballspielen zu sehen, die in Deutschland nicht frei empfangbar waren. (Torsten Kleinz) / (ll)

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