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Feierabend für Dachantenne: Die Schweiz schaltet DVB-T komplett ab

Während Deutschland noch mit der Einführung von DVB-T2 HD beschäftigt ist, hat die Schweiz die komplette Abschaffung von DVB-T beschlossen.

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Feierabend für Dachantenne: Die Schweiz schaltet DVB-T komplett ab

(Bild: pasja1000)

In der Schweiz wird das terrestrische digitale Antennenfernsehen (DVB-T) abgeschaltet. Sendeschluss hat dabei die erste Version von DVB-T, ohne dass aber ein Umstieg auf DVB-T2 HD jemals in Erwägung gezogen wurde. Zur Stilllegung von DVB-T kommt es, weil die Regierung anlässlich der neu erteilten Konzession für die die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG SSR) verlangt, dass die DVB-T-Abschaltung bis spätestens Ende 2019 vorgenommen werden muss, so die SRG gegenüber heise online.

Der Grund: Die SRG muss sparen. Dies wurde ihr aus Anlass der Eidgenössischen Abstimmung über die Zukunft des gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit auf den Weg gegeben. Die Volksinitiative "No-Billag" wurde zwar mit großer Mehrheit abgelehnt, doch liegen seitdem Einsparungsmaßnahmen in Höhe von 100 Millionen Franken (knapp 89 Millionen Euro) auf dem Tapet. Denn laut einem "Effizienzsteigerungs- und Reinvestitionsplan" entspricht "der heutige Betrieb von DVB-T keinem wirtschaftlichen Einsatz der Gebührenmittel mehr" so die SRG. Außerdem sinken sowohl Letztere, als auch die Werbeeinnahmen beständig.

Angesichts all dessen praktiziert die SRG für DVB-T einen erheblichen Aufwand, etwa durch den Betrieb von etwas mehr als 200 Sendeanlagen. Doch nutzen in der Schweiz nur noch rund 1.9 Prozent der Haushalte überhaupt DVB-T, in erster Linie für den TV-Empfang auf Zweit- oder Drittgeräten. "Wir schätzen, dass insgesamt rund 64.000 Primärhaushalte noch via DVB-T empfangen" so Edi Estermann. Der allergrößte Teil der Fernsehkonsumenten in der Schweiz bezieht sein Programm aus den Kabelnetzen oder via IPTV.

Einen taggenauen, konkreten Zeitpunkt für die Abschaltung von DVB-T wird es dabei nicht geben, so der SRG-Sprecher. "Das wird in Etappen, Sendeanlage um Sendeanlage, passieren", sagt Estermann. Nutzer würden darüber direkt per TV-Screen informiert: Monate vor der Abschaltung erscheinen beim DVB-T-Konsumenten Text-Einblender, dass der Empfangsweg abgeschaltet wird. Auch nach der Abschaltung erscheint noch ein Standbild mit Kontakt-Hotline, teilt die SRG mit.

Die bisherigen Nutzer und Nutzerinnen von DVB-T sollten rechtzeitig vor der Abschaltung auf einen anderen Empfangsweg wechseln. Die SRG empfiehlt den Empfang via Satellit. Die Empfangsqualität ist deutlich besser als bei DVB-T, da die Programme in HD-Qualität zur Verfügung stehen, im Gegensatz zur bisherigen SD-Version auf DVB-T. Zwar braucht es für den Empfang via Satellit – wie bei DVB-T – kein Abonnement, jedoch werden ein CA-Modul sowie eine Sat-Access-Karte benötigt, da die TV-Programme der SRG SSR aus urheberrechtlichen Gründen verschlüsselt ausgestrahlt werden.

Die Sat-Access-Karte gibt es für Personen mit Wohnsitz in der Schweiz sowie Kabelnetzbetreiber und Betreiber von Gemeinschaftsantennen-Anlagen, deren Netze auf schweizerischem Territorium liegen, für eine einmalige Gebühr von 60 Franken (derzeit rund 53 Euro). Auslandschweizer, also Schweizer Bürger, die einen festen Wohnsitz im Ausland haben, müssen für den Satellitenempfang ihrer heimatlichen Sender die 60 Franken Einmalgebühr plus jährliche "Distributionskosten" von 120 Franken plus die Mehrwertsteuer des jeweiligen Nutzungslandes in Kauf nehmen. (Tom Sperlich) / (mho)

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