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Feldtest Digitale Dividende: Teilnehmer zufrieden, Störungen möglich

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Im Sommer 2009 startete die Landesanstalt für Kommunikation (LfK) im ländlichen Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit Vodafone einen Feldversuch für die Breitbandversorgung über mittlerweile ungenutzte TV-Kanäle (Digitale Dividende). Parallel läuft ein Test in Sachsen. Die Versuche sollen klären, ob die Breitbandversorgung per Funk im 800-MHz-Bereich im Alltagsbetrieb praktikabel ist und ob vorab befürchtete Störungen tatsächlich eintreten. Das Spektrum um 800 MHz ist bei den Mobilfunk- beziehungsweise Internetanbietern begehrt, weil sie wegen der besseren Gebäudeeindringung der niedrigeren Frequenzen weniger Sendemasten brauchen, um eine bestimmte Fläche zu versorgen.

Heute teilte die LfK die ersten Erkenntnisse aus ihrem Feldversuch mit: Wenig überraschend stellten sich in manchen Situationen tatsächlich Beeinträchtigungen anderer Funksysteme ein. Wenn beispielsweise das Funkmodem eines Breitbandteilnehmers zu nah bei seiner Settop-Box für Kabelfernsehen (DVB-C) oder digitales Antennenfernsehen (DVB-T) steht, koppelt ein Teil der Sendeenergie des Funkmodems in den anderen Empfänger ein und verursacht Bildstörungen. Bei DVB-C waren Störungen immerhin nur dann sichtbar, wenn das Funkmodem auf dem gleichen Kanal arbeitete, sonst nur messbar. Wenn mehr Abstand zwischen Funkmodem und Receiver die Situation nicht verbessert, würde ein Kanalwechsel Abhilfe schaffen. Bei DVB-T soll es helfen, dessen Antenne aufs Hausdach zu setzen. Tritt die Beeinträchtigung indes beim Nachbarn auf, dann steht laut Axel Dürr, Pressesprecher der LfK, der Netzbetreiber in der Pflicht sie zu beseitigen.

Störungen drahtloser Mikrofone, die etwa im Theater, bei Konzerten, der Rundfunk-Berichterstattung oder Vorträgen zum Einsatz kommen, sollen sich durch sorgfältige Planung vermeiden lassen. Die Planung dürfte schon bald einfacher werden, denn die Bundesnetzagentur hat bereits neue Betriebsfrequenzen für drahtlose Mikrofone ausgeschrieben.

Die rund 100 Teilnehmer des baden-württembergischen Feldversuchs waren von der Verbesserung ihrer Internetanbindung jedenfalls sehr angetan: Vor dem Versuch konnten sie bestenfalls mit ISDN-Geschwindigkeit surfen, nun mit DSL-Geschwindigkeit bis zu 7,2 MBit/s. Entsprechend stieg die Quote der Zufriedenen von unter einem Viertel auf über 90 Prozent. Einen Anteil daran hat vermutlich der Fakt, dass die Surfer während ihrer Teilnahme am Feldtest für den schnellen Zugang nichts zahlen müssen. Die LfK zieht jedenfalls den Schluss, dass die Breitbandversorgung per Funk praktikabel ist, empfiehlt aber weitere Untersuchungen zur Koexistenz mit anderen Funksystemen. Der detaillierte Abschlussbericht soll ab dem 25. März erhältlich sein. (ea)