CES

Fernsehhersteller: Bedienung bitte!

Die TV-Hersteller werben auf der CES vor allem mit besserer Bildqualität und 4K-Auflösung - dabei sind bessere Bedienkonzepte eigentlich viel dringender notwenig. Zumindest ein paar Fortschritte haben die Hersteller schon gemacht

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Von
  • Jan-Keno Janssen

Der Fernseher kann noch so eine hohe Auflösung haben: Wenn die Bedienung nervt, nützt die schönste Technik nichts. Dabei wollen die Hersteller ihre "Smart-TVs" doch so gerne als Mittelpunkt der häuslichen Technikinfrastruktur etablieren – mit Zugriff auf Fotos und Filme vom DLNA-Netzwerkspeicher, einem vollständigen Webbrowser und diversen Apps. Nur: All das macht keinen Spaß, denn die Bedienung ist umständlich und alles andere als flüssig, ständig muss man auf irgendetwas warten. Smartphones und Tablets sind hier in puncto Bedienkomfort meilenweit voraus.

Ein populäres Konzept ist deshalb "Second Screen": Unter diesem Begriff fasst die Branche ihre Bemühungen zusammen, Mobilgeräte und TVs besser zu verzahnen. So soll das Mobilgerät beispielsweise künftig merken, was gerade für ein Programm läuft und entsprechende Zusatzinfos anzeigen. Schon umgesetzt haben die Hersteller die Möglichkeit, per Mobilgerät-App den Fernseher zu bedienen – bislang simulieren die Apps aber meist nur die Fernbedienung, und virtuelle Steuerkreuze auf Touchscreens braucht nun wirklich niemand.

Die Farbeinstellung von Panasonic-Fernsehern soll man künftig per App vornehmen können.

So langsam scheint die Branche allerdings zu merken, wie man die Vorzüge von Mobilgeräten für die TV-Bedienung nutzen kann. Ein kleines Beispiel: Die Farbeinstellung von Panasonic-Fernsehern soll man künftig per App vornehmen können – wer schon einmal einen Fernseher farbkalibriert hat und sich durch die diversen Menüs gehangelt hat, weiß das definitiv zu schätzen.

Doch nicht nur in Sachen Mobilgeräte, sondern auch an den Fernsehern selbst wird an den Bedienkonzepten gefeilt und herumexperimentiert. Samsung hat die Generalüberholung seiner Smart-TV-Oberfläche in Angriff genommen: Statt wie sonst üblich der zuletzt verwendete Kanal begrüßt den Benutzer hier nach dem Einschalten das Smart-TV-Menü. Tatsächlich wirkt die Benutzeroberfläche auf den ersten Blick beeindruckend: Die fünf „Themen-Tabs“ scrollen flüssig über den Schirm, allgemein wirkt alles deutlich dynamischer als bei bisherigen Smart-TV-Oberflächen.

Bedienung: Die Branche macht Fortschritte Samsungs neue Smart-TV-Oberfläche (Quelle: jkj)

Das beim Einschalten stets aktive „On TV“-Tab zeigt schön übersichtlich an, was auf den favorisierten Kanälen gerade läuft, am unteren Bildschirmrand ist zu sehen, welche Sendungen in den nächsten Minuten beginnen. Das Besondere: Jede Sendung wird grafisch dargestellt, bei der in den USA populären Krawall-Talkshow „Jerry Springer“ sieht man zum Beispiel das Konterfei des Moderators und das Logo der Sendung. Die Daten bezieht Samsung vom US-Dienstleister Red Bee Media. Samsung hofft, dass der Dienstleister für 80 Prozent der Sendungen ein aktuelles Bild parat hat – es bleibt abzuwarten, wie vollständig die Sendungsdatenbank in Deutschland sein wird. Zusätzlich zum „On TV“-Tab gibt es noch vier weitere: „Apps“, „Movies & TV Shows“ (Mediatheken), „Photos, Videos & Movies“ (Medienplayer mit eigenen Inhalten) sowie „Social“ (zum Beispiel Twitter und Skype).

Sony verfolgt einen ähnlichen Weg, hier gibt es einen Tab für TV inklusive Aufnahmefunktion und EPG, einen für Apps – im Wesentlichen für das Sony Entertainment Network –, einen Tab für das Vorschlagssystem, einen für die angeschlossenen Geräte und ein Settings-Panel. Die von der Playstation übernommene, im Fernseher unbedienbare XMedia-Bar ist glücklicherweise komplett verschwunden.

Die Panels in LGs neuer Smart-TV-Oberfläche kann man frei bestücken, das Hauptpanel ist allerdings fest vorbelegt, inklusive Werbe-Einblendung.

Bei LG kann man die Smart-TV-Oberfläche künftig sehr einfach selbst konfigurieren: Die Apps werden auch hier in Panels abgelegt, deren Reihenfolge lässt sich durch einfaches Ziehen mit der Magic Motion Fernbedienung ändern. Nur das erste Panel ist fest vorgegeben: Hier findet sich das TV-Bild sowie einige vom Hersteller ausgewählte Apps – und ein Fenster mit Werbung. Auch Panasonic, das zur CES ihre Teilnahme an der Smart-TV-Alliance bekannt gegeben hat, setzt auf variable Panels. Bei Toshiba, ebenfalls Smart-Alliance-Mitglied, steht die Überarbeitung noch aus. In einer Präsentation konnten wir aber bereits erkennen, dass der Aufbau mit thematisch gegliederten Panels dem von Samsung und Sony ähnelt.

Smartphone zum Pairing auf den (unten aufgeklebten) NFC-Tag halten, schon klappt es mit der drahtlosen Verbindung zwischen TV und Mobilgerät.

Die Verknüpfung mit Mobilgeräten wollen etliche Hersteller per Nahfunk erleichtern: Bei LG hält man das Smartphone dafür auf einen NFC-Tag, Toshiba und Sony setzen auf NFC im Mobilgerät – wahlweise wie bei Toshiba über einen NFC-Adapter oder bei Sony direkt über das NFC-fähige Sony(!)-Smartphone.

One-Touch-Solution nennt sich das Ganze, die eigentliche Verbindung läuft wie gehabt per WLAN respektive Miracast. Die Inhalte auf dem Fernseher sollen dabei auf das Mobilgerät geschubst werden und umgekehrt auch die Smartphone-Inhalte auf dem TV erscheinen. So kann man sehr einfach im Wohnzimmer den Freunden seine Fotos zeigen, Videos am großen Display schauen oder den spät abends laufenden Krimi im Schlafzimmer am Tablet weiter verfolgen. (uk) / (jkj)