Fernunterricht erreicht etliche Schüler nicht

Die Coronakrise hat die Schulen ins Digitale versetzt. Eine Bestandsaufnahme deckt Defizite in Deutschland auf.

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(Bild: Carlos Amarillo/Shutterstock.com)

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In der Coronakrise konnten viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland digital nicht erreicht werden. Das ist das Ergebnis einer Auswertung des "Schul-Barometers", die am Freitag vom Institut für Bildungsmanagement und Bildungsökonomie der Pädagogischen Hochschule Zug in der Schweiz veröffentlicht wurde. Etwas mehr als die Hälfte der befragten Schulmitarbeiter gaben an, quasi alle Schülerinnen und Schüler erreicht zu haben.

14 Prozent der Schul-Mitarbeiter gaben an, dass 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen nicht über das Internet erreichbar gewesen seien. 12 Prozent meinten, dass 15 bis 20 Prozent digital nicht kontaktierbar waren. 14 Prozent erklärten, dass 25 bis 50 Prozent digital nicht angesprochen werden konnten. Bei 8 Prozent der Befragten konnte zu 50 und 100 Prozent kein digitaler Kommunikationsweg zu den Schülerinnen und Schülern aufgebaut werden.

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Bei den Kommunikationsmedien setzen die Schulen zu 66 Prozent auf die E-Mail, gefolgt vom Mobiltelefon (Anruf oder Nachricht), Website der Schule und Online-Plattformen wie Moodle. Für die Studie wurden mehr als 7000 Menschen aus dem Schulbetrieb – darunter 655 Schulleiter – aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

Deutschland schneidet bei der technischen Ausstattung der Schule am schlechtesten ab. 56 Prozent der befragten Schul-Mitarbeiter hierzulande glauben nicht, dass die technischen Kapazitäten an der Schule für webbasierte Lehr- und Lernformate ausreicht. 24 Prozent meinen, dass die Voraussetzungen erfüllt sind. In Österreich beträgt der Anteil 54 Prozent, in der Schweiz 57 Prozent.

Die Unterschiede zwischen den drei Ländern sind auch an der Umsetzung des digitalen Unterrichts ersichtlich, also etwa am Ausmaß an Stunden digitalen Unterrichts oder der Nutzung von Online-Lernplattformen. Diese Werte liegen in Österreich und in der Schweiz deutlich höher als in Deutschland. Der Anteil an Mitarbeitenden der Schule, die angeben, keine einzige Stunde pro Woche digitale Präsenzzeiten mit den Schülerinnen und Schülern vereinbart zu haben, beträgt in Deutschland 50 Prozent; in Österreich und der Schweiz beträgt er 30 beziehungsweise 33 Prozent.

In dem " Schul-Barometer " berichten 36 Prozent der befragten Schulmitarbeiter in Deutschland, dass sie ihre Schülerinnen und Schüler über Online-Lern- und Arbeits-Plattformen erreichen. In Österreich liegt dieser Wert bei 63 Prozent und in der Schweiz bei 57 Prozent. In Deutschland berichten 34 Prozent der Schulmitarbeiter, dass die Kinder und Jugendlichen zuhause aktiv an ihren Aufgaben arbeiten; in Österreich und der Schweiz tun dies dagegen 70 Prozent beziehungsweise 61 Prozent.

Instituts- und Studienleiter Stephan Huber sagte, die Schulschließungen hätten alle Akteure im Bildungs- und Schulkontext vor eine sehr große Herausforderung gestellt. "Die aktuelle Situation ist aber auch eine große Chance. Die Digitalisierung hat aufgrund der vorliegenden Notwendigkeit einen enormen Aufschwung erlebt." Lernen mit und durch Technologie sowie über Technologie sei nun das Thema. Digitalisierung könne mehr Differenzierung und Individualisierung ermöglichen, um den unterschiedlichen Lernständen der Schüler gerecht zu werden. (anw)