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Ferrero geht gegen "xnutella"-Sites vor

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Nachdem das Ende des kostenfreien Napster-Dienstes abzusehen ist, macht sich die MP3-Gemeinde auf die Suche nach Alternativen. Serverlose Peer-to-Peer Lösungen liegen dabei gut im Rennen. Viele der gängigen P2P-Clients bauen dabei momentan auf das Gnutella-Protokoll auf. Gnutella ist in aller Munde – und eben hier liegt für den Süßwarenhersteller Ferrero das Problem.

Mit Datum vom 19. Februar 2001 erließ die 31. Zivilkammer des Landgerichts Köln auf Antrag der Ferrero-Anwälte eine einstweilige Verfügung, in der der Betreiber der Domain www.gnutella.de unter Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 500.000 Mark aufgefordert wird, die Domain weder zu benutzen noch sie an Dritte zu veräußern. Der bisherige Betreiber der Page hat sich daraufhin vor dem Hintergrund drohender Prozesskosten zur Unterzeichnung einer Unterlassungserklärung verpflichtet. Damit ist www.gnutella.de praktisch offline.

Wie die Ferrero-Anwälte in ihrem Erlassantrag vom 17. Januar ausführten, sei die Marke Nutella durch die klangliche Ähnlichkeit zu gnutella potenziell in ihrem Ruf geschädigt. In dem Dokument wird weiterhin darauf verwiesen, dass das Bayrische Landeskriminalamt wegen der Verbreitung illegaler Software, Musik und pornographischer Inhalte gegen gnutella ermittle. Der Ruf der Marke sei in Gefahr, wenn "Millionen von Internet-Nutzern bei dem Wort Nutella nicht die familienfreundliche Nuss-Nougat-Creme, sondern ein virtuelles Konglomerat aus Urheberrechtspiraten und Kinderpornofreunden assoziieren".

Ferrero, 1964 in der piemontesischen Stadt Alba gegründet, ist mit 15.000 Mitarbeitern in 25 Ländern der drittgrößte Süßwarenproduzent hinter Nestlé und Mars. Das Produkt Nutella wurde 1940 vom Konditor und späteren Unternehmensgründer Pietro Ferrero erfunden und zunächst in Italien unter dem Namen pasta gianduja vertrieben. Erst 1964 bekam die Creme im Zuge ihrer internationalen Vermarktung den vom englischen "nut" abgeleiteten Markennamen Nutella. Allein in Deutschland werden pro Jahr 100 Millionen Gläser des süßen Brotaufstrichs verkauft (Boris Becker: "Weil's einfach schmeckt"). Vor dem Hintergrund des rigorosen Vorgehens drohten die ersten erbosten Gnutella-Fans bereits, alle Produkte der Firma zur "Chocolata non grata" zu erklären.

Erst kürzlich hatte der Konzern bei dem Versuch, die österreichische Domain kinder.at zu stoppen, eine Niederlage hinnehmen müssen. Angespornt durch den Erfolg bei Gnutella drohen die Anwälte nun auch anderen "?nutella"-Sites mit gerichtlichem Vorgehen. Der Betreiber von knutella.de, knutella.org, knutella.net, und knutella.co.uk wurde aufgefordert, eine entsprechende Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Wegen der närrischen Tage stand nach 13 Uhr bei Ferrero-Deutschland leider kein Mitarbeiter für eine Stellungnahme zur Verfügung. (sha)

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