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Festnetz-Substitution: Deutsche Mobilfunker holen auf

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Die Verschiebung von Telefonieminuten von Festnetzanschlüssen in die Mobilfunknetze sowie die komplette Stilllegung von Festnetzanschlüssen zugunsten reiner Mobilfunknutzung wird als FMS (Fixed-Mobile-Substitution oder Festnetz-Mobilfunk-Substitution) bezeichnet. Ein neuer Bericht von Analysys Research untersucht die Trends in 16 westeuropäischen Ländern vom ersten Quartal 2004 bis zum vierten Quartal 2006. Dabei zeigt sich, dass die monatlichen Ausgaben der Nutzer für Telefongespräche nur geringfügig stiegen und um rund 35 Euro schwankten. Der Mobilfunkanteil stieg aber zulasten des Festnetzanteils von gut 16 auf 20 Euro.

In den einzelnen Märkten sind die Entwicklungen aber unterschiedlich. Deutschland weist deutlich unterdurchschnittliche FMS-Raten auf. Anfang 2004 wurden nicht einmal 15 Prozent aller Gesprächsminuten über Mobilnetze abgewickelt. "FMS wurde durch die hohen Preise mobiler Gespräche, insbesondere im Vergleich zu den sehr niedrigen Festnetztarifen, verhindert", beschreibt Analysys die Lage von Anfang 2004 bis ins dritte Quartal 2005, in dem eine durchschnittliche Mobilfunkminute 32 Cent kostete.

Dadurch war auch die Mobilfunknutzung sehr gering, gerade einmal 48 (Q1 2004) bis 50 Minuten (Q3 2005) wurden monatlich aktiv telefoniert. "Der deutsche Markt änderte sich grundlegend in der zweiten Jahreshälfte 2005 und im Jahr 2006 als Ergebnis der Initiativen der Netzbetreiber, um FMS zu steigern", heißt es weiter. Die durchschnittliche aktive Nutzung kletterte bis Ende 2006 auf 64 Minuten pro Monat. 24,5 Prozent aller Gesprächsminuten liefen dann bereits über Mobilnetze.

Die einzelnen deutschen Netzbetreiber weisen dabei eine sehr unterschiedliche Entwicklung auf. Die geringsten Nutzungsraten und kaum Steigerungen werden im Bericht für T-Mobile angeführt: Nur 40 bis 44 Gesprächsminuten pro Kunden und Monat. Ganz anders bei O2, wo aufgrund der Genion-Tarife schon Anfang 2004 71 Minuten und Ende 2006 sogar 84 Minuten verzeichnet wurden. Die größte relative Zunahme weist E-Plus aus: von 51 auf 84 Minuten. Dazwischen liegt Vodafone mit 50 Minuten Anfang 2004 und 70 Minuten Ende 2006. Die stärkere Nutzung schlug sich jedoch nicht in höheren Umsätzen nieder, im Gegenteil. Die Gesprächsumsätze der deutschen Netzbetreiber je Kunde und Monat sanken, lediglich E-Plus musste kaum Rückgänge verzeichnen. Bei T-Mobile ging es von zirka 15 Euro Anfang 2004 auf rund 13 Euro Ende 2006. Vodafone erreichte im Beobachtungszeitraum im dritten Quartal 2004 etwa 19 Euro, Ende 2006 aber nur noch ungefähr 14 Euro. Auf diesem Wert lagen dann auch E-Plus und O2. "[Das Zuhause-Angebot] half Vodafone, höhere Umsätze je Kunde zu halten als T-Mobile, obwohl die Umsätze bei allen Netzbetreibern zurückgegangen sind, getrieben durch signifikante Tarifsenkungen", meint Analysys.

Die höchsten Nutzungsraten in den 16 untersuchten Ländern wiesen Ende 2006 Elisa aus Finnland (202 Gesprächsminuten je Kunde und Monat) und Mobilkom Austria (166 Gesprächsminuten auf). Die größten Steigerungsraten innerhalb eines Jahres verzeichneten Telenor Schweden (+32 Prozent auf 127 Minuten), Vodafone Deutschland (+29 Prozent auf 70 Minuten) und die irische Meteor (+27 Prozent auf 83 Minuten) auf. Bei den Gesprächsumsätzen zeigt sich ein differenziertes Bild. Telenor Schweden (+28 Prozent) und Meteor (+21 Prozent) konnten deutlich zulegen, Mobilkom Austria (9 Prozent) und Vodafone Deutschland (-8 Prozent) mussten Rückschläge einstecken.

Den größten Rückgang an Gesprächsminuten überhaupt verzeichnete T-Mobile Austria (-7 Prozent auf 127 Minuten), die damit weit hinter dem nationalen Konkurrenten Mobilkom zurückliegt. Der Gesprächsumsatz fiel parallel um neun Prozent. T-Mobile Deutschland konnte von niedrigem Niveau immerhin zehn Prozent mehr Minuten vermitteln (44), musste gleichzeitig jedoch auf 12 Prozent der damit erzielten Umsätze verzichten.

Mobilfunkern, die FMS beschleunigen möchten, empfiehlt Analysys keine generellen Preissenkungen sondern Tarife mit vielen Freiminuten, niedrige netzinterne Tarife, spezielle Wohnsitz-Angebote wie Genion und Zuhause sowie die Migration von Kunden mit Vorauszahlung (Prepaid) auf Verträge mit Rechnungslegung (Postpaid). Festnetzbetreiber, die den Trend zu FMS bremsen möchten, werden Kombiangebote, der stärkere Absatz von Breitbandanschlüssen sowie generell günstigere Grundgebühren für den Festnetzanschluss nahe gelegt. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)