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Festplatten: HAMR und MAMR auf der Zielgeraden

Mit konventioneller Technik sind weitere Kapazitätssteigerungen bei Festplatten kaum noch möglich. Nun kommen Festplatten mit HAMR und MAMR.

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Festplatten: HAMR und MAMR auf der Zielgeraden

HAMR (Heat Assisted Magnetic Recording) und MAMR (Microwave Assisted Magnetic Recording) sind Techniken zur Erhöhung der Kapazität von Festplatten. Beide Techniken, die auch unter dem Begriff Energy Assisted Magnetic Recording zusammengefasst werden, unterstützen den Schreibkopf einer Festplatte, indem sie die zur Magnetisierung notwendige Feldstärke mindern – der Schreibkopf kann kleiner ausfallen, die Spuren werden noch dünner und die Anzahl der Bits pro Umdrehung steigt. So erhöht sich die Dichte und damit auch die Kapazität.

Seagate entwickelt bereits seit Jahren HAMR-Festplatten. Aktuell sind Laufwerke mit 16 TByte Kapazität bei einigen Pilotkunden im Einsatz. Diese hätten, so berichtete der Seagate-Manager Henrique Atzkern auf dem Cloudfest in Rust, keinerlei Probleme. Die Laufwerke würden sich als einfacher Ersatz für klassische Festplatten eignen. In den Tests haben solche Laufwerke bereits mehrere hundert Petabyte geschrieben und gelesen; mehr als Seagate für die Laufwerke der Server-Reihe Exos normalerweise garantiert.

Im Handel werden diese Laufwerke jedoch nicht verfügbar sein. Seagate will erst die zweite Generation der HAMR-Festplatten über diese Kanäle verkaufen. Damit sollen Kapazitäten ab 20 TByte erreicht werden, mit einer Verfügbarkeit ist etwa Ende 2020 oder 2021 zu rechnen.

Die beiden anderen verbliebenen Festplattenhersteller Toshiba und WD setzen auf MAMR. WD will die Kapazität einer einzelnen Festplatte damit bis 2025 auf rund 40 TByte steigern. Erste Laufwerke sollen noch in der zweiten Jahreshälfte verfügbar sein – wann man als Endkunde zugreifen kann, ist allerdings bislang unbekannt.

Toshiba setzt ebenfalls auf MAMR – aber nur als Übergangstechnologie. Der Toshiba-Manager Rainer Käse sagte auf dem Cloudfest gegenüber heise online, dass HAMR für Kapazitäten oberhalb von 30 TByte besser geeignet sein; derzeit aber sei die HAMR-Technik noch nicht marktreif. Erste MAMR-Laufwerke will Toshiba ebenfalls noch in diesem Jahr ausliefern, schätzungsweise wohl ebenfalls nur an einige wenige Pilotkunden.

Seagate und WD setzen in ihren hochkapazitiven Laufwerken derzeit auf Designs mit acht Scheiben, Toshiba nutzt in seiner MG08-Serie bereits ein Design mit neun Scheiben. Ein Design mit zehn Scheiben ist laut Toshiba jedoch bereits in Entwicklung. Auch Seagate arbeitet an Laufwerken mit mehr Scheiben – wenn ein Hersteller das kann, dann können die anderen das auch, meinte Atzkern.

Seagate zeigte auf dem Cloudfest zudem einen Prototypen einer Festplatte mit einem geteilten Kopfstapel. Damit lässt sich die IOPS-Leistung einer Festplatte verdoppeln – allerdings eben nur von einigen hundert IOPS auf mehrere hundert IOPS. Im Prinzip stecken eigentlich zwei Festplatten in einem Gehäuse, sie benötigen auch zwei Anschlüsse.

Auch solche Festplatten sollen demnächst auf den Markt kommen, einen genaueren Termin wollte Seagate jedoch noch nicht nennen. Sicher ist allerdings, dass solche Festplatten zunächst ausschließlich mit Dualport-SAS-Interface erscheinen werden, da dies die Ansteuerung mit Standard-Komponenten erlaubt.

(ll)