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Film über verbrannten Asylbewerber erhält Menschenrechts-Filmpreis

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Der Film "Oury Jalloh" über den Fall eines in einer Dessauer Polizeizelle verbrannten Asylbewerbers ist einer der Träger des diesjährigen Deutschen Menschenrechts-Filmpreises. Das teilten die Initiatoren des Preises am Samstag in Nürnberg bei der Bekanntgabe der insgesamt fünf ausgezeichneten Filme mit. Jede vierte der 226 eingereichten Film- und Fernsehproduktionen befasse sich mit Deutschland. "Menschenrechtsverletzungen finden nicht nur in weiter Ferne statt", sagte Filmpreis-Koordinator Klaus Ploth.

Der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis wird seit 1998 alle zwei Jahre vergeben. Anlass ist der Internationale Tag der Menschenrechte am 10. Dezember. Zu den derzeit 17 Initiatoren des Preises gehören Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International sowie Verbände aus der Bildungs- und Kulturarbeit.

Der Filmemacher Simon Jaikiriuma Paetau setze mit "Oury Jalloh" ein Zeichen gegen eine "inhumane Verwaltungsmaschinerie", heißt es in der Begründung der Jury. Auch die alltägliche Ausgrenzung von Flüchtlingen in Deutschland werde in dem halbdokumentarischen Kurzfilm thematisiert, den die Jury in der Kategorie "Amateure" auszeichnete.

Knapp vier Jahre nach dem Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh in einer Polizeizelle endet an diesem Montag am Landgericht Dessau-Roßlau der lange Prozess gegen zwei Polizisten. Unklar ist aber, ob ein Urteil verkündet wird. Das Landgericht hatte die vergangenen beiden Termine für die Plädoyers kurzfristig abgesagt. Möglich ist auch, dass das Verfahren gegen einen oder beide Polizisten ganz oder teilweise eingestellt wird.

In der Kategorie "Profi" erhielt die Autorin Susanne Babila vom Südwestrundfunk den mit jeweils 1500 Euro dotierten Filmpreis. Sie porträtiert in der einstündigen Dokumentation "Im Schatten des Bösen" Frauen und Mädchen, die im Kongo Opfer von Menschenrechtsverletzungen wurden – etwa durch Vergewaltigungen. Babila sei es gelungen, trotz "der strikten Tabuisierung von Vergewaltigungen" das Vertrauen der Frauen zu gewinnen, teilten die Initiatoren des Filmpreises mit.

In einem weiteren preisgekrönten Stück geht es um die Lage der Sinti und Roma in Italien. Die Autoren Clemens Riha und Alessandro Allaria berichten in dem für den Sender 3sat produzierten Magazinbeitrag "Italiens harte Hand" über einen Beschluss der italienischen Regierung, wonach Sinti und Roma bei den Behörden ihre Fingerabdrücke abgeben sollen.

Für ihren Abschlussfilm an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film zeichnete die Jury die Autorin Christiane Schmidt aus. In ihrem Dokumentarfilm "comme tout autre humain" (Wie jeder andere Mensch) geht es um Asylsuchende, die in Brüssel eine Kirche besetzen, um damit ihre Aufenthaltsgenehmigung zu erstreiten. In der Kategorie "Bildungspreis" wurden die Filmemacher Rebecca Gudisch und Tilo Gummel vom Westdeutschen Rundfunk für die Reportage "Kindersklaven" ausgezeichnet. Die preisgekrönten Filme sollen am 9. Dezember im Haus der Kulturen der Welt in Berlin und am 10. Dezember im Rheinischen Landesmuseum in Bonn gezeigt werden. (dpa) / (dpa) / (anw)

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