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Filmkritik "Black Panther": Kitsch, please!

Das jüngste Superhelden-Epos aus dem Marvel-Universum könnte einfach ein Popcorn-Filmchen sein. Ein buntes, lautes und vielleicht sogar anrührendes Spektakel, das einen kurz die Welt draußen vergessen lässt. Wenn da nicht dieser Ballast wäre.

Filmkritik Black Panther: Kitsch, please!

(Bild: Disney/Marvel Entertainment)

Hirnlose Action kann ja Spaß machen, wenn sie intelligent gemacht ist. Nur verwöhnt Hollywood sein Publikum derzeit nicht gerade mit intelligenter Unterhaltung und setzt lieber auf bewährte Rezepte: Fortsetzungen, Remakes, Reboots. Marvel Entertainment, vom Comic-Verlag zum Filmstudio mit Comic-Archiv mutiert und bei Disney untergekommen, hat ein paar mehr Optionen und kann aus dem Vollen schöpfen: Die Bibliothek birgt noch eine Vielzahl von Helden und Geschichten, die man auf der großen Leinwand mit ordentlichen Wumms erzählen kann.

Zum Beispiel "Black Panther": Der Superheld tauchte erstmals 1966 in einem Band der "Fantastic Four" auf, nur ein paar Wochen bevor sich in Oakland die Bürgerrechtsbewegung gleichen Namens gegründet hat. Black Panther ist der erste schwarze Protagonist einer Mainstream-Comicreihe. Hinter der Maske verbirgt sich T'Challa, König des fiktiven afrikanischen Staates Wakanda. Ausgestattet mit mystischen Naturkräften und fortschrittlicher Technik kämpft T'Challa für das Gute und tritt dabei auch gegen den Ku-Klux-Klan an.

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(Bild: Marvel)

Dieses progressive Potenzial der Vorlage will Marvel nun auf die Verfilmung übertragen. Nach "Wonder Woman" aus dem DC-Universum ist "Black Panther" der zweite Comic-Blockbuster, der in einer Zeit der komplizierten Identitätspolitiken mehr als politisches Manifest denn als Superheldenfilm vermarktet und rezipiert wird. Das ist eine Menge Gepäck, das auch ein Black Panther nicht tragen kann. Der Film kollabiert unter dem Druck der Erwartungen.

Die Geschichte zerfällt in drei Teile. Nach dem Attentat auf seinen Vater T'Chaka in "Captain America: Civil War" wird Prinz T'Challa von Wakanda (Chadwick Boseman) selbst König. Mit seinem Platz auf dem Thron dieses geheimnisvollen afrikanischen Staates übernimmt T'Challa auch die Macht und die Insignien des Black Panther. Zuerst muss er sich in einem archaischen Kampfritual einem Herausforderer aus einem der verschiedenen Stämme Wakandas stellen.

Wakanda wirkt nach außen wie ein armer Agrarstaat der Dritten Welt. Versteckt im Dschungel und unter futuristischer Camouflage-Technik zeigt sich jedoch das wahre Gesicht dieser trotz der mittelalterlichen Regierungsform fortschrittlichen Nation, die den anderen Ländern der Welt technologisch weit voraus ist. Das Geheimnis dieses Erfolgs ist das fiktive Element Vibranium (mit eigenem Artikel in der Wikipedia), das in Wakanda abgebaut wird und mit dem sich allerlei technische Wunder bewerkstelligen lassen.

Als der Bösewicht Ulysses Klaue (Andy "Gollum" Serkis), der am Attentat auf König T'Chaka beteiligt war, ein Artefakt aus Vibranium stiehlt, bricht der Black Panther auf eine sehr bondige (wie in "Bond, James Bond") Mission auf. Im Gepäck hat er ein paar nützliche Gadgets von Q – pardon – seiner sechzehnjährigen Schwester Shuri (Letitia Wright), die natürlich ein wissenschaftliches Genie und maßgeblich für Wakandas Tech-Revolution verantwortlich ist. Das Drehbuch (Joe Robert Cole und Ryan Coogler, der auch Regie führt) hakt dann ein paar 007-Standards ab: Exotische Location, Hinterzimmer-Casino, Verfolgungsjagd.

Eigentlich will T'Challa den Schurken Klaue nach Hause überführen, um ihn für die Verbrechen gegen sein Land zur Verantwortung zu ziehen. Doch er kommt mit leeren Händen zurück und muss den Rest des Films um seinen Thron kämpfen. Auf den erhebt nämlich auch Erik "Killmonger" Stevens (Michael B. Jordan) Anspruch. Der legitime Herausforderer hat andere Vorstellungen, wie Wakanda geführt werden sollte und will die unterdrückte schwarze Bevölkerung der Welt mit den überlegenen Waffen Wakandas in die Revolution führen.

Das Drehbuch kontrastiert Eriks Vision einer globalen Black Supremacy mit dem mitfühlenden Monarchen T'Challa, dem viele starke Frauen tatkräftig zur Seite stehen. Diese Konstellation der Hauptfiguren birgt im Jahr 2018 eine besondere politische Sprengkraft, auch wenn Drehbuch und Film, wie Coogler betont, vor der US-Wahl entstanden sind. Black Panther soll eine Erzählung von schwarzem Selbstbewusstsein und schwarzer Identität sein.

Mit dem technologisch und gesellschaftlich fortschrittlichen Wakanda wollen Coogler und Cole eine positive Gegenerzählung zur Rezeption afrikanischer Realität schaffen. Die Werkstreue der Autoren mag orthodoxe Comicfans zufriedenstellen, doch sie untergräbt das politische Potenzial der Geschichte. Eine Monarchie mit archaischen Nachfolgeritualen, egal wie emanzipiert und fortschrittlich, eignet sich kaum als positive Utopie.

Problematisch ist auch der Ethno-Kitsch, mit dem Coogler und Cole ihr modernes "Afrika" ausstatten. Wakanda wirkt wie eine romantisch-verklärende Collage aus abgegriffen Klischees – was dem Film schon nach dem ersten Trailer eine Appropriationsdebatte eingebracht hat: Bei diesem Afrika stand wohl Disneys "König der Löwen" Pate (was auch für den Soundtrack gilt). Darin äußert sich ein verklärtes Afrikabild, wie es bei erfolgreichen US-Afroamerikanern nicht selten ist – siehe auch die Kontroverse um Beyonces "afrikanische" Baby-Party.

Trotzdem wird "Black Panther" sein Publikum finden und einen Platz in der Filmgeschichte einnehmen. Er ist zwar nicht der erste schwarze Superheld im Kino (die Kollegen Blade und Spawn hätten da eine Anmerkung), aber immerhin der erste schwarze Marvel-Blockbuster-Quatsch. Dass er ein paar von Hollywoods alten Schwarz-Weiß-Klischees auf den Kopf stellt, kann zumindest für die heutige US-Gesellschaft eine enorme Signalwirkung entfalten. Mit Black Panther ist es also ein bisschen wie mit US-Präsident Barack Obama: Es ist wichtig, dass es ihn gibt, auch wenn das Abschlusszeugnis eher durchwachsen ausfällt.

Black Panther ist ab dem 15. Februar 2018 im Kino. (vbr)

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