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"Filter des Schreckens": Demonstration in Hannover gegen Artikel 13

In Hannover protestieren am Samstag mehrere Tausend Menschen gegen die geplante Urheberrechtsreform der EU. Sorge um Upload-Filter trifft auf kreativen Protest.

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"Filter des Schreckens": Demonstration in Hannover gegen Artikel 13

Demonstration in Hannover, 23.3.2019

(Bild: Marvin Strathmann)

Auch in Hannover wurde gegen die Urheberrechtsreform protestiert. Um 11 Uhr trafen sich die Demonstranten vor dem Hauptbahnhof und zogen dann Richtung Innenstadt. "Ich bin dagegen, dass solche absurden Gesetze durchkommen", sagt etwa Julia, die aus dem Umland von Hannover angereist ist. "Die Gefahr ist groß, dass Portale Upload-Filter einrichten müssen und wenige große Firmen die Kreativität im Netz einschränken."

Andere Demonstranten fürchten, dass sie auf ihrem Twitch- oder YouTube-Kanal wegen Kleinigkeiten abgemahnt werden, etwa wegen einer Cola-Dose oder Musik im Hintergrund. Auch Philipp aus Hannover erwartet wegen der drohenden Upload-Filter Probleme. Er kreiert Stickereien aus Mash-ups, etwa aus verschiedenen Computerspielfiguren. Filter könnten seine Kunst fälschlicherweise als Urheberrechtsverstoß erkennen und sperren, fürchtet er.

Entwickler Stefan ist aus Wolfenbüttel zur Demonstration gekommen: "Die Technik ist einfach noch nicht ausgereift für funktionierende Upload-Filter", sagt er. "Juristisch lässt sich noch gar nicht abschätzen was passiert, wenn diese Filter Fehler machen."

Demonstration gegen Artikel 13 – Hannover, 23. März 2019 (16 Bilder)

(Bild: Marvin Strathmann)

Die Demoschilder reichten vom klassischen "Nie mehr CDU" über "Stoppt Artikel 13" bis hin zu Texten, die Axel Voss in der Meme-Kategorie bei Google sucht: "Send Nudes Before Article 13", "Haaalt stop! Das Internet bleibt so wie es ist" oder "Krusty Krab Unfair". Die Veranstalter gingen zu Beginn von etwa 1000 bis 1500 Teilnehmern aus. Ein Redner sowie Besucher schätzten die Zahl teils deutlich höher ein.

Thomas Ganskow ist Vorsitzender der Piraten Niedersachsen und hat die Demo angemeldet. "Wir gehen heute auf die Straße, um zu zeigen, dass wir mit Artikel 11 bis 13 nicht einverstanden sind. So kann man nicht mit den Leuten umgehen." Ganskow fürchtet, dass die Reform die Meinungsfreiheit im Netz einschränken wird. Zudem würden Verlage vom geplanten EU-weiten Leistungsschutzrecht nicht profitieren.

Optisch war die Piratenpartei am stärksten vertreten. Nur vereinzelt blitzen Fahnen der Linken, Grünen und der Partei "Die PARTEI" aus der Demo-Masse.

(tiw)