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FinFisher-Hack zeigt Überwachung von Oppositionellen

Bislang hat der Hersteller von Staatstrojanern Gamma Group abgestritten, Überwachungssoftware nach Bahrain geliefert zu haben. Wenn überhaupt, so sei die Software auf einer Messe gestohlen worden. Das wird in Zukunft nicht mehr möglich sein.

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Finfisher stellt Staatstrojaner her und bestritt bisher, sie an Bahrain verkauft zu haben, wo sie für Repressalien gegen Opositionelle genutzt worden seien.

Der Hacker, der seit Tagen per Twitter Dateien über die Hersteller von Staatstrojanern Finfisher und FinSpy veröffentlicht, die er auf einem Support-System für Finfisher-Software aufstöberte, kann einen wichtigen Erfolg für sich verbuchen: Unter dem Material des gehackten Trojaner-Herstellers FinFisher fand sich eine Aufstellung der Computer, die per Trojaner von Bahrain aus überwacht werden. An neunter Stelle steht ein am 24.1.2011 infizierter Rechner des bahrainischen Rechtsanwaltes und Menschenrechts-Aktivisten Mohamed Altajer. An diesem Tag wurde Altager in einem anonymen Brief aufgefordert, die Verteidigung von Oppositionellen einzustellen. Andernfalls würde ein Sex-Video von ihm und seiner Frau veröffentlicht.

Altajer ignorierte die Aufforderung und musste prompt erleben, dass das Video veröffentlicht wurde, als er an einer UN-Konferenz über Menschenrechtsverletzungen im Nahen Osten teilnahm. Das Altajers Rechner mit seiner IP-Adresse in den geleakten Finfisher-Materialien auftaucht, ist ein erstes Indiz für den von der Gamma Group stets bestrittenen Verkauf von Überwachungssoftware nach Bahrain. Ein weiteres sind verärgerte Support-Anfragen der Überwacher, denen zufolge die Software nicht wie gewünscht funktioniert. Damit ist auch die Argumentation des Herstellers hinfällig, die Software sein auf einer Messe gestohlen worden. Ein Dieb dürfte kaum offizielle Support-Tickets einreichen.

Bereits im April hatte zur Gründung der Coalition Against Unlawful Surveillance Exports (CAUSE) Sayed Yusuf al-Muhafda vom Bahrain Center for Human Rights berichtet, wie ihm Überwachungssoftware per E-Mail untergejubelt werden sollte. Al-Muhafda bezweifelte damals die Aussagen der Gamma Group, man habe mit Bahrain nichts zu tun.

Unterdessen hat der unbekannte Finfisher-Hacker ein ganz besonderes Dokument veröffentlicht. In diesem beschreibt er seine Vorgehensweise und Motivation. Mit einfachsten Mitteln sei er an das Finfisher kompromittierende Material gekommen. "Hacken ist ein Werkzeug. Es ist nicht der Verkauf von Hackerwerkzeugen, der Gamma zu einer bösen Firma macht. Was sie böse macht, sind die Ziele und Beweggründe, die ihre Kunden haben. Das bedeutet nicht, das Werkzeuge inhärent neutral sind. Hacken ist ein offensiver Werkzeug", so der Hacker, der am Schluss seine Solidarität mit den Menschen in Gaza wie mit den israelkristischen Friedensaktivisten ausdrückt und an die inhaftierten Hacker Chelsea Manning, Jeremy Hammond, Peter Sunde und Gottfrid Svartholm erinnert. (Detlef Borchers) / (bbe)