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FinSpy: Deutsche Überwachungssoftware gegen türkische Opposition eingesetzt

Die aus Deutschland stammende Malware FinSpy wurde vergangenes Jahr offenbar gegen die Opposition in der Türkei in Stellung gebracht. Das zeigt eine Analyse. Für den Hersteller könnte das Konsequenzen habe.

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FinSpy: Deutsche Überwachungssoftware gegen türkische Opposition eingesetzt

(Bild: rawpixel/www_slon_pics)

Die Überwachungssoftware FinSpy des deutschen Anbieters FinFisher wird weiterhin eingesetzt, jüngst unter anderem gegen die Opposition in der Türkei gerichtet. Das geht aus einer Analyse der Bürgerrechtsorganisation Access Now hervor, der am Montag veröffentlicht wurde. Demnach wurde im vergangenen Frühjahr über Twitter Links zu einer Seite verbreitet, auf der eine getarnte Variante der Malware zum Download stand. Die zugehörigen Tweets waren an Unterstützer der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP) gerichtet. Wie viele sich tatsächlich die ausgefeilte Spionagesoftware installierten und überwacht wurden, ist demnach aber unklar.

Auch ist nicht klar, wer hinter dem Spähangriff steckt, aber die Entwickler der Malware versichern laut Access Now, dass sie ausschließlich mit Strafverfolgern und Geheimdiensten zusammenarbeiten. Wer die Software auf einem fremden Smartphone installiert, hat demnach einen umfassenden Zugriff. So können damit etwa Telefon- und Videotelefonanrufe aufgezeichnet, Dateien abgegriffen und der Bildschirm fotografiert werden. Der Standort könne auch überwacht, genauso wie heimlich das Mikro aktiviert und versteckte Telefonanrufe eingeleitet werden. Außerdem lasse sich die Kommunikation von Messengern wie WhatsApp, Telegram, dem Facebook Messenger und Skype abgreifen.

Die Analyse, in der auch Nachweise von FinSpy in der Ukraine, in Indonesien und Venezuela beleuchtet werden, gibt nun einen weiteren Einblick in die Überwachungssoftware aus Deutschland. Erst vor wenigen Monaten hatten die Antivirenforscher von ESET öffentlich gemacht, dass sie FinFisher-Malware in sieben Staaten entdeckt haben. In zwei Staaten wurde sie demnach sogar unter Mitwirkung der Internetprovider auf Rechner geschleust, indem beabsichtigte und legale Downloads auf verseuchte Downloads umlenkten. Während es dabei um PC-Software ging, hat Access Now nun Smartphone-Anwendungen analysiert.

In Deutschland könnte die Enthüllung ein politisches Nachspiel haben, berichtet die Tagesschau. Es müsse dringend geklärt werden, ob die Software mit oder ohne Wissen der Bundesregierung in die Türkei geliefert wurde, fordert der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz. Es sei ein Skandal, wenn Spionagesoftware, die letztlich auch mit deutschem Steuergeld hergestellt worden sei, nun in einem Land wie der Türkei auftauche, das die Menschenrechte mit Füßen trete. Der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hatte festgelegt, dass der Export von Überwachungssoftware in autoritäre Staaten gestoppt werden soll – auf der damit verbundenen Liste taucht die Türkei aber nicht auf. (mho)

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