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Fischers neue Website: "Joschka wirkt, Joschka kämpft, Joschka lebt"

Doris Schröder ist die persönliche Betreuerin von Grünen-Spitzenkandidat Joschka Fischer bei der Gestaltung seiner neuen Internet-Website. Sie begeht damit aber keine Illoyalität gegen den SPD-Vorsitzenden Gerhard Schröder. Schröder ist nicht die Gattin des Bundeskanzlers, sondern die 29-jährige Mitarbeiterin des Kompakt Medienbüro, das Fischer derzeit berät.

Unter www.joschka.de finden Interessenten vieles, was sie vielleicht immer schon über den Kandidaten mit dem Wahlslogan Außen Minister, innen grün wissen wollten. Die Website gehört zum "ersten professionellen Wahlkampf", den die Grünen nach Fischers Ansicht machen. "Professionell" ist im Sprachgebrauch des Grünen-Teamchefs, dem in früheren Jahren in der eigenen Partei nichts gut genug schien, als eine Art höchstes Lob zu verstehen.

Fischers Homepage gibt selbstverständlich Auskunft über Lebensdaten, beruflichen Werdegang, Rede- und Interviewtexte. Sie bietet auch die Termine der rund 50 Wahlkampfauftritte zur Bundestagswahl ab 7. August und Werbematerial dazu an. Überraschender wirkt da schon ein Kochrezept. "Joschkas Seeteufel auf Toscanische Art" kommt mit wenigen Zutaten und 25 Minuten Zubereitungszeit aus.

Stolz weist Frau Schröder bei der Präsentation am Donnerstagabend in Berlin darauf hin, dass auch die Jugendsünden des Politikers auf der Homepage nicht ausgespart bleiben. Zum Beispiel die Frankfurter Straßenkämpfervergangenheit des heutigen Ministers in den 70er Jahren.

Viel Besuch dürfte die Rubrik mit einer Auswahl berühmt-berüchtigter Fischer-Zitate aus fast zwei Jahrzehnten bekommen. Da hatte er beispielsweise 1995 Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl eine Zukunft als "drei Zentner Fleisch gewordene Vergangenheit" prophezeit oder dessen Nachfolger als CDU-Chef, Wolfgang Schäuble, als "Badische Nebelwand" tituliert. Die damalige Umweltministerin und heutige CDU-Chefin Angela Merkel ernannte er fast zur selben Zeit im Bundestag zur "brennstabpolitischen Sprecherin der Bundesregierung".

Auch das berühmteste aller Joschka-Zitate wird nicht schamhaft verschwiegen. "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch", hatte Fischer 1984 im Bundestag getönt und sich eine Ordnungsstrafe eingehandelt. Der Adressat, Bundestagsvizepräsident Richard Stücklen, hatte zuvor der Grünen-Abgeordneten Christa Nickels das Mikrofon abgedreht. Die Grünen galten in ihrer damaligen ersten Wahlperiode im Bundestag als absolute Bürgerschrecks, schon weil viele von ihnen mit langen Haaren und Grobstrickpullovern deutlich von den Parlamentskollegen in Schlips und Kragen abstachen.

Derart drastisch drückt sich der Chef der deutschen Diplomaten heute nicht mehr aus. Das bekommt einer der Verantwortlichen der Grünen-Wahlkampf-Werbung am Donnerstagabend zu spüren. Einige Kampagnen-Pläne habe Fischer mit den Worten "Geil Jungs, das machen wir!" quittiert, plaudert Bernd Heusinger von der Agentur Zum goldenen Hirschen aus. Fischer rückt augenzwinkernd gerade: "Der Minister findet grundsätzlich nichts geil." (dpa, Ruth Lindenberg) / (dpa) / (anw)

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