Flaggschiff-Mission der NASA zum Mars wird um zwei Jahre verschoben

Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat den ursprünglich für kommendes Jahr geplanten Start einer Atlas-V-Trägerrakete mit dem Mars Science Laboratory (MSL) an Bord abgesagt. Wegen technischer Probleme wird die Mission um mindestens zwei Jahre verschoben.

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Gruppenbild mit Koloss: Der MSL-Rover kann ein Vielfaches der Nutzlast seiner Vorgänger tragen.

(Bild: JPL)

Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat den ursprünglich für kommendes Jahr geplanten Start einer Atlas-V-Trägerrakete mit dem Mars Science Laboratory (MSL) an Bord abgesagt. "Uns ist einfach die Zeit davon gelaufen", erklärt Charles Elachi vom Jet Propulsion Laboratory (JPL), das für den Zusammenbau des fast drei Meter langen und mehr als 900 Kilogramm schweren Rovers verantwortlich zeichnet. Das Mars Science Laboratory (MSL) ist eines der Flaggschiffe aus dem Mars Exploration Program der NASA und soll wie seine deutlich kleineren Vorgänger Spirit und Opportunity den Marsboden analysieren und dabei auch nach Spuren von Leben suchen.

Probleme bereiten NASA-Angaben zufolge vor allem die insgesamt 31 Aktuatoren des MSL-Rovers, kleine Motor-Getriebe-Einheiten, über die unter anderem das Fahrwerk, der Roboterarm und die Bohreinheit gesteuert werden. Die Ingenieure hätten sich buchstäblich den "Hintern aufgerissen", um den Starttermin im Herbst 2009 doch noch zu halten, verdeutlicht Elachi, letztlich sei ihnen das aber nicht gelungen. Weil bei solchen Missionen kein Platz für Fehler sei, habe die Projektleitung schließlich entschieden, den nächstmöglichen Starttermin wahrzunehmen. Ein günstiges "ballistisches Fenster" zwischen Erde und Mars öffnet sich erst wieder im Herbst 2011.

Bisherige Landestellen von Marssonden der NASA. In Weiß sind mögliche MSL-Landeplätze markiert. Und Nein: Im Jahr 2012 wird kein Marsroboter in Brandenburg landen.

(Bild: NASA)

Die zweijährige Verzögerung belastet das ohnehin schon mit mehreren hundert Millionen Dollar überzogene MSL-Budget um weitere 400 Millionen Dollar. Waren die Kosten der Mission anfangs mit insgesamt etwa 1,5 Milliarden Dollar beziffert worden, stehen jetzt mindestens 2,3 Milliarden im Raum. Laut NASA soll zumindest ein Teil des Geldes bei anderen Missionen aus dem Mars Exploration Program eingespart werden. Welche dies sein werden, sagte die Raumfahrtbehörde bislang aber nicht. In Frage könnte etwa der Orbiter Maven (Mars Atmosphere and Volatile Evolution) kommen, der die Erde im Jahr 2013 verlassen soll. Elachi räumte unterdessen ein, dass der zeitliche Verzug beim MSL-Projekt auch Konsequenzen für JPL-Mitarbeiter haben könnte: "Es wird möglicherweise einige Entlassungen geben."

Das Mars Science Laboratory soll bis zu 50 Kilogramm wissenschaftliche Nutzlast tragen (rund zehnmal so viel wie seine Vorgänger Spirit und Opportunity) und Energie aus einem Radioisotopengenerator statt über Solarpanels beziehen. Etwas Besonderes haben sich die NASA-Ingenieure für die Landung auf dem Roten Planeten einfallen lassen: Nach dem Öffnen des Bremsfallschirms und dem Zünden der Bremsraketen soll die Landestufe wenige Meter über dem Boden einen Gurt ausrollen, an dem der Rover langsam herabgelassen wird. Ist der Rover gelandet, zünden die Raketen noch einmal und entfernen den Träger von der Landstelle, später zerschellt die Landestufe dann in sicherer Entfernung. (pmz)