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Flash: Von der Erfolgstechnik zum gefährlichen Relikt

Der Flash-Player war einst die populärste Multimedia-Software im Internet. Dann rechnete Steve Jobs mit Flash ab und verbannte es von seinem iPhone. Jetzt hat Adobe das Ende für Flash verkündet: 2020 ist endgültig Schluss. Ein Rückblick.

Flash: Von der Erfolgstechnologie zum gefährlichen Relikt

Adobe hat das Ende von Flash eingeläutet: Ab 2020 gibt es keine Updates mehr.

Flash stirbt einen langsamen Tod – in drei Jahren ist aber endgültig Sense, verkündete nun Adobe. Jung stirbt die Multimedia-Software dann nicht, im Gegenteil: Mit über zwanzig Jahren ist Flash ziemlich alt geworden – eine Ewigkeit in Internet-Jahren gerechnet. Längst haben offene Web-Standards die Nachfolge des Urgesteins angetreten und Flash damit überflüssig gemacht.

Damals war Flash eine tolle Sache: Websites gerieten in Bewegung, schrecklich-schöne Flash-Intros eröffneten Homepages, Wörter rotierten und Kreise rollten über den Bildschirm – alles war interaktiv und bunt. Die butterweichen Flash-Animationen waren viel farbenfroher als die zerfransten GIFs, und Musik gab es auch noch.

Dank Flash konnten Entwickler außerdem bessere Browser-Spiele entwickeln, später sogar in 3D. Und Werbetreibende freuten sich über aufregende Werbebanner, die blinkten und sich bewegten. So "bereicherte" Flash das Web auch mit breiten Skyscraper- und Wallpaper-Bannern – viele Websites waren mehr flirrende Werbung als alles andere. Flash sei Dank.

"Nur wenige Techniken hatten einen so tiefgreifenden und positiven Einfluss auf die Internet-Ära", befand Govind Balakrishnan, Vize-Präsident Produktentwicklung bei Adobe. Der US-Softwarehersteller hatte 2005 den Flash-Hersteller Macromedia übernommen, ein "Knalleffekt der besonderen Art". Kosten: 3,4 Milliarden US-Dollar. Die Flash-Technik entwickelte sich zügig weiter, 2008 legt Adobe die Spezifikation von Flash offen, Suchmaschinen konnten auch Flash-Inhalte indexieren. Flash etablierte sich als die Plattform für multimediale Inhalte im Web. Zu seinen Hochzeiten hatten weltweit fast 99 Prozent aller PCs, die mit dem Internet verbunden waren, den Flash-Player installiert.

Die weite Verbreitung von Flash ist aber auch ein Problem, denn die Software ist seit jeher unsicher. Sehr unsicher. Immer wieder klaffen große Lücken im Flash-Player, auch kritische. Immer wieder heißt es: "Wer Flash auf seinem System hat, muss handeln". Adobe veröffentlichte sogar schon akute "Notfall-Updates", weil Angreifer über Flash volle Kontrolle über befallene PCs erlangen konnten. Der Flash-Player war, ist und bleibt eine riskante Software – und das BSI zählt weiter fleißig Sicherheitslücken.

"We Love Apple", sagte Adobe – Apple-Chef Steve Jobs mochte Flash trotzdem nicht.

Security-Experten waren deshalb nie große Flash-Fans und empfahlen, die Software am besten gleich vom PC zu verbannen. Der größte Feind von Flash war aber wohl Apple-Chef Steve Jobs: Bereits 2010 prophezeite er das Ende von Flash. In einem offenen Brief arbeitete er sich an der Software ab: Flash sei unsicher, nicht offen, lahm und Akku-aussaugend. Flash sei zudem der Hauptgrund, warum Macs abstürzen. Und sowieso: Flash wurde in der "PC-Ära" geboren und tauge deshalb nicht für Mobilgeräte.

Es entbrannte eine Kontroverse zwischen Adobe und Apple, die schließlich dazu führte, dass iPhone und iPad Flash nicht unterstützten. Da half auch Adobes großflächige Werbeanzeige nichts, ebenso wenig die Bekenntnisse "We love Apple" und "We love healthy competition". Smartphones und das mobile Web breiteten sich rasant aus und Flash verlor weiter an Bedeutung.

Im November 2011 verkündete Adobe überraschend, Flash nicht mehr für Mobilgeräte weiterzuentwickeln. Stattdessen werde man verstärkt in HTML5 investieren, sagte ein Adobe-Sprecher damals. Eine gute Idee. Kaum ein Smartphone-Surfer dürfte Flash je vermisst haben.

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