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Flinke Öltröpfchen für farbige Schirme

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Die Displays der Liquavista BV stehen in direkter Konkurrenz zu den E-Paper-Displays von E-Ink oder Bridgestone. Das in Eindhoven beheimatete Unternehmen sieht sie zudem als Konkurrenz zur LCD-Technik. Das Besondere an den Liquavista-Schirmen: Statt Farbpigmenten oder Flüssigkristallen wird hier Öl im elektrischen Feld bewegt.

Die Öltröpfchen-Displays von Liquavista sind anders als die meisten E-Paper-Displays vollfarbig und videofähig.

In Funktionsweise und Aufbau ähneln die Öltröpfchen-Displays den Flüssigkristalldisplays: Die Ölschicht schirmt das Licht je nach angelegter Spannung ab oder lässt es durchtreten. Farben erzeugen beide Displayvarianten mit Farbfiltern über den Pixeln. Allerdings gibt es in Öltröpfchendisplays keine Polarisatoren – das Öl schirmt das komplette Licht ab, statt seine Polarisationsrichtrung zu verändern –, wodurch sie praktisch blickwinkelunabhängig sind. Weil die lichtduchlässige Fläche deutlich größer ist und die Polarisatoren entfallen, sind die Öltröpfchenschirme bei gleicher Auflösung deutlich heller als LCDs oder können alternativ bei gleicher Fläche eine höhere Auflösung haben. Die Liquavista-Displays arbeiten meist reflektiv, können aber auch mit einem Backlight betrieben werden.

Aktuell werden die Öltröpfchendisplays mit 60 Hz angesteuert, sind also anders als Displays mit E-Ink-Technik videofähig. Im Labor steuert das Unternehmen Prototypen sogar mit 400 Hz an, erläuterte CTO Johann Feenstra gegenüber heise online. Graustufen erzeugen die Liquavista-Displays in Abhängigkeit von der Position der Öltröpfchen: Ganz zur Seite geschobene Tröpfchen ergeben Weiß, je mehr Pixelfläche bedeckt wird, umso dunkler wird der Bildpunkt. Weil die lichtdurchlässige Pixelfläche viel kleiner als die Pixeldicke ist, könnten die Öltröpfchendisplays auch auf flexible Substrate aufgebracht werden, berichtet Feenstra. Es muss nur gewährleistet sein, dass der zusammengequetschte Tropfen nicht die obere Glasscheibe berührt.

Die flinken Schirme können nacheinander mit farbigem Licht bestrahlt werden (color sequentiell, hier gerade die rote Phase).

Weil die Öltröpfchen sehr flink sind, könnten die Displays statt mit weißem auch nacheinander mit rotem, grünem und blauem Licht bestrahlt werden (color sequentiell). Dann wären die Farbfilter über der Pixelschicht überflüssig und die Displays noch deutlich heller.

Auf der DisplayWeek stellt das Unternehmen eine 8,5-zöllige Variante seiner Öltröpfchen-Schirme vor. Auf der eigenen Anlage in Eindhoven können derzeit Displays bis 4 Zoll produziert werden, es soll jedoch demnächst eine Anlage der Generation 2 mit entsprechend größeren Displayflächen aufgebaut werden. Ende des Jahres will das Liquavista zudem eine Produktionsstätte mit einem noch ungenannten Partner in Asien für die Tröpfchendisplays installieren. Dies sollte dank der großen Ähnlichkeit zum LCD-Prozess relativ unproblematisch sein, glaubt CTO Feenstra. (uk)

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