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Flug zum Mars ohne Wiederkehr: Mars One ändert Zeitplan

Den Roten Planeten besiedeln und nie zur Erde zurückkehren: Noch 100 Kandidaten sind im Rennen beim umstrittenen Projekt Mars One – auch ein deutscher Student. Doch die großen Zweifel an dem Vorhaben bleiben.

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So soll der Test-Außenposten von Mars One auf der Erde aussehen.

(Bild: Mars One)

Für einen angehenden Wissenschaftler mag es eine reizvolle Vorstellung sein: Als einer der ersten Menschen überhaupt den Mars erforschen und das Leben dort erproben. "Die Idee auf dem Mars etwas mit einer Crew zu erreichen, das Bestand hat für immer. Das wäre das Obergeilste." Der Student Robert Schröder brennt für das umstrittene niederländische Projekt Mars One. Er ist einer der letzten 100 Kandidaten im Rennen um die Teilnahme an dem Vorhaben und der letzte Deutsche von ihnen.

Mars One ist eine Stiftung und verfolgt den Plan, Menschen dauerhaft auf den Mars zu schicken. Die ersten in rund zehn Jahren. Zunächst war von einem Start 2022 die Rede, inzwischen hat sich der Zeitplan verschoben und die Crew soll 2026 starten. Auf der Webseite der Stiftung bemüht man sich dennoch um plastische Darstellung, mit Abbildungen von Männchen in weißen Raumfahrtanzügen, einer futuristischen Station und Rover-Fahrzeugen – ganz so wie man den Mars aus Filmen kennt.

Mars One (9 Bilder)

Planskizze für das Camp auf dem Mars.
(Bild: Mars One)

Manche sind fasziniert: Ziele wie die Besiedlung des Roten Planeten seien wichtig für die Innovationskraft der Menschen und den Fortschritt, betonen Unterstützer. "Wenn wir früher nicht aus der Höhle herausgegangen wären, was hätten wir dann erreicht?" Das fragt zum Beispiel Kandidat Schröder. Als Interviewpartner in Berlin hat ihn im Oktober eine Agentur vermittelt, pünktlich zum Start des Kinofilms "Der Marsianer". Schröder sagt zu seiner Vorstellung des Mars-Lebens Sätze, wie Journalisten sie gern hören: "Wir können nicht mal einfach zum Baumarkt fahren und Panzertape holen, um ein Loch zuzukleben."

Raumfahrtexperten lassen sich so weniger überzeugen: Sie halten das Vorhaben für technisch unausgegoren. Aus wissenschaftlicher Perspektive waren die Pläne von Doktoranden am MIT für zu gefährlich erklärt worden. Beim derzeitigen Stand der Technik würde der erste Kolonist nach 68 Tagen sterben, bevor auch alle Kollegen erstickten, hatten sie berechnet. Auch hinter den Finanzen steht ein großes Fragezeichen: Veranschlagt wurden sechs Milliarden US-Dollar (5,6 Milliarden Euro) für die erste Mission. Laut DLR gehen seriöse Kostenschätzungen bisher von 100 Milliarden US-Dollar für eine solche Mission aus – allerdings inklusive Hin- und Rückflug.

"Eine One-Way-Mission ist unethisch", sagte Johann-Dietrich Wörner, der ehemalige Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und inzwischen Direktor der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, im April. "Menschen auf Gedeih und Verderb den dortigen Bedingungen auszusetzen, für immer dort zu lassen, halte ich nicht für akzeptabel." An dieser Haltung hat sich beim DLR nichts geändert: Zu Mars One äußere man sich nicht, erklärt ein Sprecher.

Nicht nur das DLR ist skeptisch. Außer der niederländischen Universität Twente listet Mars One auf seiner Webseite bisher keine Unterstützer aus den Feldern Wissenschaft und Bildung auf. Die TV-Produktionsfirma Endemol, die die Mission als Reality-Format auf die Bildschirme bringen – und die Finanzierung mit ermöglichen sollte –, ist ausgestiegen. Auch internationale Firmen als Missionspartner werden den Angaben im Netz zufolge noch gesucht.

Woher will die Stiftung, gegründet von dem Unternehmer und Ingenieur Bas Lansdorp und dem Physiker Arno Wielders, das technische Wissen nehmen? "Mars One bezieht ganz klar die Technik von Unternehmen, die das schon seit Jahrzehnten machen", sagt Kandidat Schröder. Oft sind es die Kandidaten, die versuchen, Rede und Antwort zu stehen. Auf detailliertere Fragen teilt eine Sprecherin mit, man befinde sich in einer "frühen Konzeptionsphase" der Mission. Über die Frage, wie man Kritikern begegne, die Mars One für nicht mehr als eine Webseite halten, geht sie hinweg – sie sendet stattdessen viele Links, die auf genau jene Seite führen.

In der Kritik steht auch die Bewerber-Auswahl. Das Verfahren scheint manch einem zu simpel: Er habe noch niemanden von Mars One persönlich getroffen, sagte ein Kandidat, ebenfalls unter den letzten 100. Student Schröder hat nach eigener Aussage zwei Events organisiert und sich dabei mit Bas Lansdorp ausgetauscht.

Im September 2016 werde das harte Auswahlverfahren weitergehen, kündigt Schröder an. Wettkämpfe stünden bevor, bei denen die Teamfähigkeit getestet werde. Etwa zwei Dutzend Kandidaten sollen übrig bleiben, bevor 2026 der sieben Monate lange Flug zum Mars beginne. (mho)