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Digitalisierung: Die Arbeit geht auch in der Industrie 4.0 nicht aus

1,5 Millionen Arbeitsplätze könnten von der erwarteten Automatisierungswelle betroffen sein. Neue Jobs sollen Ausgleich schaffen.

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Zu 43 Prozent automatisierbar: der Job des IT-Admins.

(Bild: job-futuromat.iab.de)

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Werden menschliche Arbeitnehmer durch die fortschreitende Automatisierung überflüssig? Mit einem aktuellen Kurzbericht versuchen Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung die Debatte zu beruhigen. Demnach ist es völlig normal, dass Jobs abgebaut werden - dafür entstehen neue Arbeitsplätze.

Für die Analyse haben die Forscher die deutschen Arbeitsmarktdaten von 1976 bis 2017 analysiert. "Entwarnung können wir geben, dass uns die Arbeit ausgeht – dafür sehen wir kein Zeichen", erklärt Dr Hermann Gartner im Gespräch mit heise online. "Keine Entwarnung können wir hingegen dabei aussprechen, dass die Qualifikation der Arbeitnehmer eine zunehmende Rolle spielt", so seien zwar zwischen 1993 und 2017 jedes Jahr durchschnittlich 9,5 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut worden. Dem gegenüber standen aber im Schnitt 9,7 Prozent neu geschaffener Arbeitsplätze.

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Mit der anstehenden Automatisierungswelle durch Industrie 4.0 und Digitalisierung könnte diese Entwicklung nochmal beschleunigt werden. So rechnet eine Studie von 2016 damit, dass in Deutschland insgesamt 1,5 Millionen Arbeitsplätze betroffen sein könnten, wenn Automaten und Software Aufgaben übernehmen, die bisher von Menschen erledigt wurden. Allerdings erwarten die Arbeitsmarktexperten, dass eine ähnlich große Zahl von Arbeitsplätzen neu geschaffen wird. So habe auch in der Vergangenheit der Produktivitätszuwachs durch bessere Technik tendenziell zu mehr Beschäftigung geführt.

Profitieren können insbesondere Hochqualifizierte mit Universitätsabschluss – zumindest, wenn man die historischen Daten als Ausgangspunkt nehmen kann. So sind seit den 1970er Jahren für diese Gruppe immer mehr Arbeitsplätze entstanden als verschwunden. Geringqualifizierte ohne Ausbildungsabschluss sind hingegen die Verlierer. Hier werden konstant mehr Arbeitsplätze abgebaut als neue Arbeitsplätze entstehen.

Auch wenn der ursprüngliche Beruf verschwindet, ist eine Ausbildung ein deutlicher Vorteil. So musste der Bergbau-Sektor eine zwischen 2005 und 2014 durchschnittlich einen Abbau von 3,21 Prozent der Arbeitsplätze verzeichnen. Dennoch ist der Anteil der Arbeitskräfte, die nach dem Ausscheiden direkt wieder einen Arbeitsplatz in einem neuen Betrieb fanden, mit 37 Prozent überdurchschnittlich hoch. Im Textilsektor, der mit 2,91 Prozent ähnlich hohe Arbeitsplatzverluste verzeichnen musste, lag die Wiedereinstellungsquote bei lediglich 26 Prozent.

Hier sehen die Forscher auch Handlungsbedarf. So müssten Arbeitgeber und Staat darauf hinarbeiten, dass den Arbeitnehmern Fähigkeiten vermittelt werden, die zukünftig gefragt sind. Das Wissen, wo konkret eine Schraube angezogen werden muss, ist keine Arbeitsplatzgarantie mehr. "Die Anforderungen sind insbesondere im Bereich soziale Fähigkeiten und Kreativität gestiegen", erklärt Gartner. Aber immerhin biete die neue Technik auch Gelegenheiten. "Wenn es darum geht, gering Qualifizierten neue Beschäftigungen zu ermöglichen, bietet die Technisierung auch neue Chancen." So setzen immer mehr Unternehmen Apps oder gar Virtual Reality-Brillen ein, um Mitarbeiter zu schulen oder komplexe Arbeitsschritte zu erleichtern.

Damit Arbeitnehmer die Zukunftssicherheit ihres Arbeitsplatzes besser einschätzen können, hat das IAB das Angebot Job-Futuromat online gestellt, bei denen Berufe auf ihre Ersetzbarkeit durch Automatismen geprüft werden können. Die Automatisierbarkeit etwa des Berufs IT-Administrator wird hier als "mittel" eingestuft. Größere Jobsicherheit hat etwa, wer überwiegend im Anwender-Support oder in der Datensicherheit tätig ist, da diese Tätigkeiten noch nicht einfach zu automatisieren sind. (axk)