Forscher: IT vernichtet mehr Jobs als sie schafft

Informationstechnik zerstört Arbeitsplätze und macht die Reichen immer reicher, behaupten zwei MIT-Wissenschaftler in einem neuen Buch. Das Wachstum habe sich vom Arbeitsmarkt entkoppelt.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 341 Beiträge
Von
  • Ben Schwan

Kostet der technologische Wandel Arbeitsplätze oder schafft er neue? Optimisten sind überzeugt, dass dank IT langfristig mehr Jobs entstehen als zuvor. Stimmt so nicht, behaupten die MIT-Wissenschaftler Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee in ihrem neuen Buch "Race Against the Machine", berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Die Fortschritte in der Informationstechnik vernichteten Jobs und, schlimmer noch, machten die Reichen noch reicher.

Haben die Autoren recht, die beide am Center for Digital Business der renommierten Sloan School of Management forschen, bewirkt IT dreierlei. Sie verhilft Managern und Unternehmenslenkern in einigen Branchen zu enormen Einkommen. Sie ermöglicht in einigen Dienstleistungssparten, Angestellte durch Software zu ersetzen. Und in der Automatisierung von Fabriken ist sie für deren Eigentümer von größerem Vorteil als für die Mitarbeiter.

Allein in den USA flossen zwischen 2002 und 2007 60 Prozent des erwirtschafteten Wohlstands an das vermögendste eine Prozent der Amerikaner. Doch anders, als etwa die derzeitige Protestbewegung "Occupy Wall Street" anprangert, sind daran nicht nur die Deregulierung der Finanzmärkte und die Steuersenkungen der Bush-Ära schuld, meinen Brynjolfsson und McAfee. Eine zweite wichtige Ursache sei, dass sich das Software-gesteuerte Management ausgeweitet hat und immer mehr digitale Produkte verkauft werden.

"Mittels IT können Superstars – ob Mark Zuckerberg, Lady Gaga oder ein Hedgefonds-Manager – ihre Fähigkeiten für viel mehr Vermögenswerte und Kunden einsetzen, als es zuvor möglich gewesen war", sagt Brynjolfsson. "Anders als Atome kann man Bits kostenlos, global und verzugslos verbreiten. Alles Digitale, von Software bis zu Musik, kann ein viel größeres globales Publikum erreichen. Dasselbe gilt auch für Software-gesteuerte Geschäftprozesse. Das machen sich die CEOs zunutze."

Der Nobelpreisträger Robert Solow, der sein Leben der Erforschung des auch Technologie-getriebenen Wirtschaftswachstums gewidmet hat, teilt die Meinung der MIT-Forscher dagegen nicht. "Der technische Fortschritt hat Menschen immer arbeitslos gemacht, doch die Geschichte zeigt, dass die Gesamtbeschäftigung darunter nicht gelitten hat“, sagte Solow gegenüber Technology Review. Es sei allerdings noch zu früh, um zu beurteilen, ob sich dies im zurückliegenden Jahrzehnt geändert habe, fügt der 87-jährige Ökonom hinzu.

Mehr zum Thema in Technology Review online:

(bsc)